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„Der ideale Ort zum Schreiben“

Autor Mlalazi verlässt Hannover „Der ideale Ort zum Schreiben“

Hannah-Arendt-Stipendiat und Autor Christopher Mlalazi verlässt die Stadt. In Hannover hat er die nötige Ruhe zum Schreiben gefunden. Sein Roman "Wegrennen mit Mutter" ist bereits im Horlemann-Verlag erschienen.

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Hat in der Stadt „viele wunderbare Menschen“ kennengelernt: Christopher Mlalazi.

Quelle: Spata

Hannover. Schnee kannte Christopher Mlalazi nur aus Märchenbüchern oder Filmen. Als er im Winter 2012/2013 in Hannover ankam, erlebt der Mann reichlich davon. Es sei eine gute Begrüßung gewesen für jemanden, der aus einer heißen, trockenen Zone stammt, sagt er heute. Gut zweieinhalb Jahre verbrachte der Autor als Hannah-Arendt-Stipendiat in Hannover, in den kommenden Tagen wird er die Stadt verlassen. In seine Heimat Simbabwe, in der seit Jahrzehnten Diktator Robert Mugabe herrscht, kann er nicht zurückkehren. Sein neues Ziel machen weder Mlalazi noch die Menschen, die ihn in Hannover unterstützen, bekannt: Zu groß ist die Sorge, dass der Autor noch Probleme mit dem Visum für sein zukünftiges Exilland bekommen könnte. Auch mit politischen Kommentaren hält sich der Stipendiat lieber zurück.

Seit dem Jahr 2000 lädt die Stadt regelmäßig Autoren ein, die in ihren Heimatländern erhebliche Probleme haben: 
beispielsweise Bedrohung, Veröffentlichungsverbot oder Zensur. Hannover gehört dem Netzwerk International Cities of Refugee Network (ICORN) an, das bedrohten Autoren und Journalisten hilft. Mit jährlich 17 000 Euro fördert die Stadt das Hannah-Arendt-Stipendium; die GBH stellt mietfrei eine Zweizimmerwohnung in Linden zur Verfügung. Von dem Geld werden – außer der direkten Unterstützung für den Stipendiaten – unter anderem Mietnebenkosten, Beiträge für Krankenkasse und Versicherung sowie Deutschkurse bezahlt. Der Literaturhaus-Verein und das Kulturamt begleiten den Stipendiaten und kümmern sich um Organisatorisches und Sponsoren.

Für all das wolle er sich bedanken, sagt Mlalazi, das Stipendium habe ihm die Möglichkeit gegeben, in Ruhe zu arbeiten. „Hannover hat sich für mich als idealer Ort zum Schreiben herausgestellt.“ Viele Autoren leiden darunter, wenn sie ihrem heimischen Sprachraum den Rücken kehren müssen. Der 1970 geborene Simbabwer sagt: „Im Nachhinein betrachtet war es ein Segen, meine Heimat zu verlassen.“ In Simbabwe hätten die angespannte politische Situation und die Einschüchterungsversuche auch zu einer 
gewissen „Selbstzensur“ geführt; in Deutschland hingegen habe er sich kreativ und produktiv gefühlt. Während seiner Zeit in Hannover ist ein Roman Mlalazis auf Deutsch erschienen, „Wegrennen mit Mutter“ (Horlemann-Verlag). Er hat zudem den Familienroman „They Are Coming“ beendet, den seine mutige Verlegerin in diesem Jahr in Simbabwe veröffentlicht hat. Jetzt arbeitet er an einem neuen Buch – „es soll eine Art ‚Game of Thrones’ auf Afrikanisch werden.“

Dass der Autor so ausgesprochen positiv von Hannover spricht, überrascht ein bisschen: Vor knapp zwei Jahren verweigerte ihm ein Türsteher den Eintritt in die Discothek Havana, Mlalazi fühlte sich diskriminiert; er vermutete Rassismus beim Türsteher und machte den Vorgang öffentlich. Über den Türsteher ist er zwar immer noch erbost, jedoch beeindruckt davon, dass der Vorgang nicht unter den Teppich gekehrt wurde. Ansonsten habe er hier viele wunderbare Menschen kennengelernt, die nichts mit Rassismus am Hut hätten.

Christopher Mlalazi verlässt die Stadt, doch wohl noch vor Jahresende wird ein neuer Autor die Stipendiatenwohnung beziehen. Wer das sein wird, und wann es so weit ist, so Literaturhaus-Chefin Kathrin Dittmer, stehe noch nicht fest. Möglicherweise liegt dann schon wieder Schnee.

Eine Leseprobe finden Sie hier:

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