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Prozess

Bach-Anwalt nimmt sich Gutachter vor

Von Sonja Fröhlich

Im Prozess um die wegen vorsätzlicher Tötung von 13 Menschen angeklagte Ärztin Mechthild Bach, hat die Verteidigung erneut einen Befangenheitsantrag gegen den Gutachter gestellt.

Der Verteidiger platzte fast vor Ungeduld. Am vorausgegangenen Verhandlungstag vor zwei Wochen musste Matthias Waldraff, der mit seinem Kollegen Albrecht-Paul Wegener die angeklagte Mechthild Bach vertritt, einiges einstecken. Der Gutachter Michael Schwartau hatte in einer emotionalen Rede schwere Vorwürfe gegen ihre Mandantin erhoben. Zwar war schon ein erster gegen den Gutachter vorgetragener Befangenheitsantrag zum Prozessauftakt abgeschmettert worden, aber die Verteidigung versuchte es gestern noch einmal.

Dieses Mal warf sie ihm vor, mit seinem Gebaren vor Gericht gegen die gebotene Neutralität und Unvoreingenommenheit verstoßen zu haben. In mehr als 28 Jahren, so Waldraff, hätten sie es nicht erlebt, „dass sich ein Mediziner in der Funktion eines Sachverständigen derart unsachlich, polemisch und unqualifiziert vor Erstattung seines Gutachtens äußerte“. Währenddessen, rüffelte Waldraff, habe Schwartau ständig mit dem Stuhl geschaukelt und betont lässig Kaugummi gekaut. Dem Gutachter sei es einzig darum gegangen, „Frau Dr. Bach als Ärztin und Mensch zu diskriminieren“. Die Internistin muss sich seit Oktober vor dem hannoverschen Landgericht verantworten – sie soll 13 Patienten nicht indizierte Dosen an Morphium und Valium verabreicht haben.

Die Anwälte unterstellten dem Sachverständigen, zahlreiche falsche Behauptungen aufgestellt zu haben. Die Paracelsusklinik habe entgegen seinen Angaben sehr wohl über Defibrilatoren, eine Röntgenabteilung sowie eine eigene Blutbank verfügt. Darüber hinaus habe der Gutachter ein Werturteil über Bachs ärztliche Qualifikation abgegeben, über die er sich nicht informiert habe.

Ein Arzt der Paracelsus-Klinik sagte später im Zeugenstand aus, dass die Klinik immer noch ähnlich viele Todesfälle registriere wie zu Bachs Zeiten. Gutachter Schwartau hatte die Zahl als extrem hoch bezeichnet.

Für die Verteidigung war es gestern ein zufriedenstellender Prozesstag, der sich vornehmlich mit der Frage beschäftigte, wie weit das Krebsleiden eines 52-Jährigen fortgeschritten war, der am 24. Dezember 2001 in der Paracelsus-Klinik starb. Ein Onkologe aus Hamburg sprach von erheblich großen und massiv wachsenden Metastasen in Leber und Speiseröhre. Für ihn sei „völlig verständlich“, dass dieser Patient nicht mehr behandelt worden sei. „Dass er am Tumor verstorben ist, können wir klar festhalten.“ Allerdings konnte der Arzt seine Feststellungen nicht immer belegen. So wirkte er wie ein schlecht vorbereiteter Medizinstudent bei seinem Examen, als ihn der von der Staatsanwaltschaft beauftragte Dauergutachter Prof. Michael Zenz befragte. „Sagen Sie mir bitte: Woraus entnehmen Sie die gestörte Lebersynthese?“ Der Arzt antwortete: „Es gibt keine Laborwerte.“ Zenz resümierte: „Also keine Anhaltspunkte?“ Der Arzt: „Nein.“

Der Prozess wird heute fortgesetzt.

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  • Teufel und Engel Patient – 29.11.09
    Frau Dr. Bach könnte längst wieder ein normales Leben führen, wenn sie nicht das Pech gehabt hätte, an Dr. Manfred (nicht Michael!) Schwartau als "Gutachter" geraten zu sein.

    Ein Paradebeispiel für die Selbstüberschätzung, Bösartigkeit, Distanzlosigkeit und Inkompetenz, die eigene psychische Verletzungen manchmal mit sich bringen (man lese nur aufmerksam die Beschreibung seines Verhaltens vor Gericht), schwingt er quer durch Niedersachsen die verbale Machtete und hinterlässt ein Trümmerfeld.

    Medizinerkarrieren, Familien und die Psyche der Betroffenen werden zerstört, weil dieser sogenannte "Gutachter" polemisiert, diskreditiert und frei von Sachverstand Urteile über die Behandlungsweise anderer Ärzte fällt. Seine Lieblingsspielwiese ist die Behandlung mit Morphinen. Ob in der Substitutions- oder der Schmerztherapie - dieser Kardiologe glaubt, er habe den Verstand und das Wissen, sich ein Urteil bilden zu können.

    Sein "Fachwissen" nimmt im medizinischen Bereich längst niemand mehr ernst, es wurde mehrfach substanziell widerlegt. In Varel wurde er in einem Verfahren gegen einen Substitutionsarzt gerade als befangen abgelehnt.

    Es bleibt die Hoffnung, dass auch im Falle von Frau Dr. Bach bald jemand auftritt, der den Unsinn und die Maliziösität des Dr. Schwartau als solche entlarvt.

    Ich frage mich, warum die deutsche Justiz es nötig hat, sich solcher "Hilfssheriffs" zu bedienen und die Betroffenen den Konsequenzen dieser Wahr auszusetzen. Sicherlich lesen sich seine Gutachten mit all ihrer Polemik besser als trockene Fachgutachten. Aber wäre das System auf faire Verfahren ausgelegt, würde man dennoch Fachleute auf dem jeweiligen Gebiet mit der Begutachtung beauftragen.

    Jeder Richter, jeder Staatsanwalt mit Zahnschmerzen würde einen Zahnarzt bemühen. Bei Schmerzen würde er einen Schmerztherapeuten konsultieren, bei Fußpilz ein Hautarzt. Geht es aber um andere Menschen und deren Leben, befragt man zu jedem medizinischen Fachgebiet diesen Kardiologen des MDK.

    Honi soit qui mal y pense...
  • Bach-Anwalt nimmt sich Gutachter vor ein Betroffener – 17.11.09
    Sehr lange verfolge ich schon die Prozessiererei gegen die Ärztin Frau Dr.Bach und komme aus dem Staunen nicht mehr raus und bin entsetzt.

    Wären die Fakten der Anklage gegen diese Ärztin klar, eindeutig und unwiderlegbar, müsste das Gericht schnell zu einem Urteil kommen.

    Kommt es nicht!

    Und dass dem so ist, zeigt die Realität und so frage ich mich, wie lange dieses unwürdige Procedere noch dauern soll ?

    Aus eigener, jahrelanger leidvoller Erfahrung weiss ich, wie es einem betroffenen Menschen ergeht, wenn er schuldlos in die Mühlen der Justiz gerät.

    Wenn er schuldlos in die Mühlen der Justiz gerät, weil es einige fragwürdige Interessenvertreter so wollen und durchziehen.

    Interessenvertreter, bei denen Zeit, Geld und Anstand nicht zählen.

    So kämpft Frau Dr.BACH mit Hilfe ihres Rechtsanwalts Herrn WALDRAFF um ihr "vermeintliches" Recht, um Wahrheit , weil sie dazu gezwungen wird und am Ende günstigstenfalls einen Pyrussieg erringt.

    Wann bitte greift hier denn endlich die Unschuldsvermutung "in dubio proreo" = Im Zweifel für den Angeklagten?

    Hier wird doch offensichtlich systematisch ein Mensch zerstört in seiner ganzen gem. Art.I GG schützenswerten Persönlichkeit.

    Permanent zwischen Hoffnung und Resignation hin und her geschubst
    ohne Rücksicht und Gefühl, angeblich im Namen der Gerechtigkeit.

    Ich bewundere Frau Dr.Bach für ihre unglaubliche Kraft aber auch Zuversicht auf ein gerechtes Urteil "Im Namen des Volkes"

    So, wie hier eine Ärztin, die sich bis zum Tage "X" niemals etwas hat zu Schulden kommen lassen, über einen derart langen Zeitraum in ihrer Person und beruflichen Qualifikation auseinander genommen, zerpflückt und diskreditiert wird, so würde ich mir wünschen, sollte es auch mal mit dem einen oder anderen vorsitzenden Richter passieren, vorausgesetzt, ihm wird ein begründeter Vorwurf gemacht.

    Doch eine Krähe hackt bekanntlich der anderen kein Auge aus.

    Was bleibt, ist ein widerlich-tumbes Gefühl, dass sich wieder einmal berufene "kompetente Alleswisser" auf Kosten einer einzelnen Person bis zum bitteren Ende austoben und profilieren wollen.

    Einen so kämpferischen Rechtsanwalt wie Herr Waldraff hätte ich gerne seinerzeit gehabt, vielleicht wäre dann einiges anders gelaufen.
    Aber das glaube ich inzwischen auch nicht mehr.

    Ich kämpfte gezwungenermaßen fast zehn Jahre lang auf zivilrechtlicher Ebene bis hin zum BGH. (faktisch begründete strafrechtliche Vorgehen bis nach Celle wurden jedesmal sofort abgeschmettert)
    Weil alles schön funktionierte wie geplant, verlor ich meine gesamte Selbständigen Existenz und den verbliebenen Rest an Glauben an Recht und Gesetz.

    Ich freue mich schon jetzt, wenn eines Tages mein Buch über Hannover fertig ist, denn es gibt wahrlich einige nette Geschichten, die dem besseren Verständis unglaublicher Vorkommnisse dienen.

    Liebe Frau Dr.Bach Kopf hoch, bleiben Sie vor allem gesund.
    Ich glaube an Sie, so lange, bis das Gegentel bewiesen wurde und beobachte weiterhin den Verlauf der Geschehnisse, Ihrer Geschichte.

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