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Aus der Stadt Bäckerei Gaues in Hannover vor Gericht
Hannover Aus der Stadt Bäckerei Gaues in Hannover vor Gericht
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21:32 08.03.2011
Der Promi-Bäcker Jochen Gaues (r.) Quelle: Michael Thomas

Die hygienischen Umstände in der Bäckerei Gaues sind jetzt ein Fall für die hannoversche Strafjustiz geworden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen die Ehefrau von Promi-Bäcker Jochen Gaues erhoben. Elisabeth Gaues ist die Inhaberin des Betriebs Broterbe Gaues. Bereits am Donnerstag wird vor dem Amtsgericht Hannover verhandelt.

Der 43-Jährigen wird zur Last gelegt, in mehreren Fällen gegen das Lebensmittelrecht verstoßen zu haben. Bei drei Kontrollen in den Monaten August, September und Oktober sollen „gravierende Hygienemängel“ festgestellt worden sein. Details dazu wollten Gericht und Staatsanwaltschaft vor der öffentlichen Verhandlung nicht bekannt geben. Als Zeugen sollen drei Lebensmittelkontrolleure der Stadt gehört werden, die die Mängel festgestellt hatten.

Grundsätzlich ermittelt die Staatsanwaltschaft im Lebensmittelrecht, wenn es Anhaltspunkte für schwere Verstöße gibt. Dazu zählen verschmutzte oder verunreinigte Lebensmittel, die akut die Gesundheit bedrohen oder welche, die als nicht verkehrsfähig eingestuft werden – etwa wenn Grenzwerte überschritten worden sind.

Bei Gaues soll nach Auffassung von Oberstaatsanwalt Ulrich Iburg ein „subjektives Tatbestandsmerkmal“ vorliegen: „Es geht darum, dass der Verbraucher Ekel oder Widerwillen empfunden hätte, wenn er von den gegebenen Umständen gewusst hätte.“ Als Beispiele nannte Iburg verschimmelte Wände, das Herumliegen toter Fliegen oder das Reinigen von Schalen mit ausgedienten Wäschestücken. Die Qualität der Ware müsse von diesen Umständen nicht berührt sein. „Aber hätte man um diese gewusst, hätte man sie vielleicht nicht gekauft“, sagt Iburg.

Vor dem hannoverschen Amtsgericht werden pro Jahr etwa 20 Verstöße gegen das Lebensmittelrecht verhandelt, schätzt Behördensprecher Michael Siegfried. Geringere Verstöße, die das Gros ausmachen, ahndet die Stadt als Ordnungswidrigkeiten. Auf Anweisung der Stadt hatte Gaues zuletzt seinen Betrieb sogar für mehrere Stunden schließen müssen – bis die festgestellten Mängel beseitigt waren.

Nach dem Strafrecht droht Elisabeth Gaues Frau nun eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Die Beschuldigte ist möglicherweise aber nur Chefin auf dem Papier. Den Betrieb soll dem Vernehmen nach Jochen Gaues führen. Der 45-Jährige hatte bereits einen Umzug der Backstube angekündigt – weil ihn die Kontrollen nerven.

Sonja Fröhlich

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