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Schimmel, Schmutz und Ungeziefer

Bäckerin Gaues muss 14.000 Euro Strafe zahlen

Von Sonja Fröhlich

Die Tage, in denen das Ehepaar Gaues in fleckigen Unterhemden ihre Brötchen backen, sollen der Vergangenheit angehören. Das Amtsgericht Hannover hat die Inhaberin der Bäckerei „Broterbe Gaues“, Elisabeth Gaues, am Donnerstag wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht zu einer Geldstrafe von 14 000 Euro verurteilt.
Bäckerin Betty Gaues mit ihrem Anwalt vor Gericht.

Bäckerin Betty Gaues mit ihrem Anwalt vor Gericht.

© Michael Thomas

Die Tage, in denen das Ehepaar Gaues in fleckigen Unterhemden seine Brote backte, sollen der Vergangenheit angehören. Das Amtsgericht Hannover hat die Inhaberin der Bäckerei „Broterbe Gaues“, Elisabeth Gaues, gestern wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht zu einer Geldstrafe von 14.000 Euro verurteilt. Mit den in der Backstube vorgefundenen Hygienemängeln habe sie die Grenze zu einer Straftat klar überschritten, sagte Richterin Johanna Paulmann-Heinke. Sie habe keinen Zweifel, dass die Angeklagte vorsätzlich gehandelt habe: „Sie hat billigend in Kauf genommen, dass die Dinge nicht optimal sind.“

Nicht optimal – das war für die rund 80 Zuschauer im Gerichtssaal gestern eine gelinde Beschreibung der Umstände. In der Anklage, die Oberstaatsanwalt Ulrich Iburg verlas, war von starkem Schimmelbefall, verschmutzten Arbeitsgeräten, herumliegenden Rattenködern und allerlei totem und lebendigem Ungeziefer die Rede, die die Kontrolleure in der Backstube in Ledeburg zwischen den Lebensmitteln entdeckten.

So hätten auch Kühlschränke, in denen Zutaten offen lagerten, Schwarzschimmel aufgewiesen. Unter Fliegenfängern, an denen etliche tote Insekten klebten, habe der Kuchen gestanden. Arbeitsgeräte sowie Putzutensilien seien mit alten Essensresten verschmutzt gewesen. Iburg sprach von „gravierenden Zuständen, bei denen Kunden Ekel und Widerwillen empfunden hätten, wenn sie davon gewusst hätten.“

Ein Lebensmittelkontrolleur wusste von einer „Mehl-Wasser-Suppe“ auf dem Boden zu berichten. Die Schürzen der Mitarbeiter seien so verdreckt gewesen, dass man „sie hätte hinstellen können“. Zwar habe er keine Mäuse oder Ratten gesehen, aber Ameisen, Fliegen und Motten. Ein ums andere Mal hätten die Kontrolleure die Zustände beanstandet. Es seien zwar Mängel abgestellt worden – etwa durch Überstreichen der verschimmelten Wände oder durch den Kauf neuer Kühlschränke –, doch immer wieder seien neue hinzugekommen oder alte wieder aufgetaucht.

„Meiner Meinung nach gab es nicht das richtige Einsehen“, resümierte der Zeuge. Der Gutachter, ein Veterinär der Stadt, wollte nicht ausschließen, dass sich die hygienischen Mängel gesundheitsschädigend auf Mitarbeiter und Kunden hätten auswirken können – etwa durch herumfliegende Schimmelsporen.

Elisabeth Gaues backte gestern kleine Brötchen. „Die Hygiene ist mir nicht gleichgültig“, sagte die 43-Jährige reumütig. „Aber durch das ganze Arbeiten habe ich aus den Augen verloren, welche Probleme es gab.“ Die Bäckergesellin verwies auf die schwierigen Bedingungen aufgrund der Enge und der alten Bausubstanz der 60 Quadratmeter großen Backstube, die sie im Jahr 2004 übernommen hatte – nachdem ihr Mann mit seinem alten Betrieb Konkurs anmelden musste. Nun aber liefen die Geschäfte gut, die vierfache Mutter bezifferte ihr Einkommen auf 10.000 Euro im Monat.

Jochen Gaues – medienwirksamer Promibäcker und Ferrarifahrer – hatte seine Frau nicht ins Gericht begleitet. Vermutlich aus gutem Grund: Er hatte die Verschmutzungen immer als leidliches Übel harter Handarbeit abgetan und der Stadt mit Wegzug gedroht. Allerdings geht es wohl nicht allzu weit weg: Die Inhaberin kündigte gestern an, am Tönniesberg eine neue Halle beziehen zu wollen.

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