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Bahai schaffen sich Gemeindezentrum in Hannover

Gemeinde lässt sich nieder Bahai schaffen sich Gemeindezentrum in Hannover

Die Gemeinde der Bahai bekommen ein eigenes Gemeindezentrum in Hannover. Die Räumlichkeiten haben sie von der Stadt gepachtet. Die Kosten in Höhe von mehr als 70 000 Euro haben die Gläubigen selbst übernommen.

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Die kleine Gemeinde bekommt ein eigenes Gemeindehaus - Die Eröffnung ist nächste Woche.

Quelle: Villegas

Hannover. Das Haus hatte lange leer gestanden. Es war ziemlich heruntergekommen, als seine Gemeinde es vor einem Jahr übernahm: „Jetzt ist es kaum wiederzuerkennen“, sagt Ali Faridi stolz. Helles Parkett, dicke Teppiche und lichte Räume prägen das ehemalige Wohnhaus an der Burgwedeler Straße in Bothfeld. Noch montieren Helfer die letzten Lampen an und hängen Bilder auf. Am Mittwoch wird hier offiziell die hannoversche Filiale einer weltweit verbreiteten Religion eröffnet. Seit 1957 gibt es in Hannover die Gemeinde der Bahai - jetzt bekommt sie hier erstmals ein eigenes Gemeindezentrum.

Verzicht auf Zuschüsse

Haus und Grundstück haben die Bahai von der Stadt gepachtet. In Eigenarbeit haben die Gläubigen Wände herausgerissen und Möbel montiert. Auf rund 150 Quadratmetern sind so eine kleine Bibliothek entstanden, Sitzungszimmer und ein Versammlungsraum: „Hier haben 60 Personen Platz, das reicht für unsere kleine Gemeinde“, sagt Ali Faridi. Nur ein paar Dutzend Menschen zählen in Hannover zu den Bahai. Viele von ihnen stammen aus dem Iran, wie der 72-jährige Ali Faridi, der 1968 als Student nach Deutschland kam.

Für den Umbau des um 1930 errichteten Hauses haben die Gläubigen mehr als 70 000 Euro selbst aufgebracht. „Wir nehmen weder Spenden noch staatliche Zuschüsse an“, sagt Nahid Salimi vom Geistlichen Rat, dem Vorstand der Gemeinde. Seit ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert wurde die Glaubensgemeinschaft immer wieder unterdrückt; im Iran werden Bahai noch heute drangsaliert - auch deshalb gehört es zu ihrer Tradition, sich nicht vom Staat oder reichen Gönnern abhängig zu machen.

Nahid Salimi zeigt in den kleinen Unterrichtsraum des Hauses: „Hier sollen die Kinder unserer Gemeinde zu Weltbürgern erzogen werden“, sagt sie. „Sie sollen erfahren, dass alle Religionen denselben Ursprung und ethische Gemeinsamkeiten haben.“

Verbindende Religion

Alle 19 Tage wird es hier Andachten geben; jeweils zum Beginn eines Monats: Der Bahai-Kalender teilt das Jahr in 19 mal 19 Tage ein. In den deutschsprachigen Zusammenkünften wird nicht nur aus den Schriften des Religionsstifters Bahaullah gelesen, sondern teils auch aus Bibel und Koran. Der vor genau 200 Jahren in Persien geborene Bahaullah lehrte die Einheit aller Religionen: Sie alle stammten aus derselben göttlichen Quelle, im Grunde gebe es keine trennenden Unterschiede zwischen ihnen - ein Gedanke, mit dem sich der Religionsstifter unter Fundamentalisten keine Freunde machte. Bahaullah saß viele Jahre im Kerker, aus dem Iran wurde seine Familie verbannt.

Das glauben die Bahai

Die Religion der Bahai, die weltweit rund sechs Millionen Anhänger zählt, wurde im 19. Jahrhundert vom persischen Beamtensohn Bahaullah gegründet. Sie versteht sich als nachislamische, monotheistische Religion. Im Mittelpunkt steht der Glaube an einen einzigen Gott. Neben der Einheit Gottes gibt es für Bahai auch eine mystische Einheit der Religionen: Ebenso wie Bahaullah gelten Moses, Jesus, Mohammed, Krishna oder Buddha als „Offenbarer Gottes“: Alle großen Religionen seien göttliche Stiftungen, in denen sich Gott nur jeweils für die Menschen einer anderen Zeit offenbart habe. Bahaullahs Mission bestehe darin, die unterschiedlichen Religionen miteinander zu versöhnen. Zentral ist für die Bahai auch die Einheit der Menschheit: „Die Erde ist nur ein Dorf, und alle Menschen sind ihre Bürger“ ist ein viel zitierter Ausspruch des Religionsstifters. Heute betonen Bahai zudem, dass es keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Religion geben dürfe und dass Männer und Frauen gleichberechtigt seien. Die größte Gruppe von Bahai lebt heute in Indien. In Deutschland gibt es etwa 6000 Anhänger der Glaubensgemeinschaft. Ihre heiligen Pilgerstätten, prachtvolle Schreine in Israel, zählen zum Weltkulturerbe.

„Der Austausch mit anderen Glaubensgemeinschaften gehört bei den Bahai zum Herz der Religion selbst“, sagt Pastor Wolfgang Reinbold vom Haus der Religionen: „Ohne die kleine Bahai-Gemeinde wäre der interreligiöse Dialog auch in Hannover nicht da, wo er heute ist.“ Neben Oberbürgermeister Stefan Schostok haben sich zur Eröffnung des Gemeindezentrums zahlreiche Vertreter anderer Religionen angemeldet. „Es wird sicherlich voll werden“, sagt Ali Faridi, „aber bei uns soll Platz für alle sein.“

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