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Aus der Stadt Bahlsen bietet Krümelmonster 52.000 Kekspackungen
Hannover Aus der Stadt Bahlsen bietet Krümelmonster 52.000 Kekspackungen
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12:48 31.01.2013
Firmenchef Werner Michael Bahlsen (l.) will 52.000 Packungen Leibniz-Kekse gegen den gestohlenen Gold-Keks tauschen. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Der Kriminalfall rund um den gestohlenen Bahlsen-Keks wird immer mehr zum Glücksfall für das bestohlene Unternehmen. Medien auf der ganzen Welt interessieren sich mittlerweile für den Diebstahl des Firmensymbols, das mehr als 100 Jahre an der Fassade des Stammhauses gehangen hatte. Am Mittwochabend kurbelte die Marketing-Abteilung des Keksherstellers das allgemeine Interesse noch einmal so richtig an: Bei Facebook versprach Bahlsen „seinen Fans“, dass der Konzern 52.000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 soziale Einrichtungen spenden will – wenn der goldene Leibniz-Keks zum Firmenhauptsitz in die List zurückkehrt.

Dabei hatte sich Firmenchef Werner Michael Bahlsen am Mittwochvormittag bei einer Pressekonferenz gegenüber den Täter noch wenig nachsichtig gezeigt. „Gebt uns den Keks zurück“, appellierte der Konzernchef an die Erpresser. Diese hatten einen Tag zuvor einen Erpresserbrief an den Kekskonzern und die HAZ geschickt. Der Absender des Schreibens hatte dem Brief ein Foto beigefügt, auf dem eine als Krümelmonster verkleidete Person zu sehen ist, die einen goldenen Bahlsenkeks in den Händen hält. Er fordert Kekse satt für alle Patienten des Kinderkrankenhauses Bult – aber in Vollmilch. Außerdem solle die Belohnung in Höhe von 1000 Euro an das Tierheim in Langenhagen gespendet werden.

Bei der Pressekonferenz stellte der 63-jährige Konzernchef noch klar, dass sich das Unternehmen nicht erpressen lasse. „Es ist inakzeptabel, wenn ein Kunstwerk, das ideell wichtig für Hannover ist, zerstört oder beschädigt wird“, sagte Bahlsen. Aus diesem Grund werde das Unternehmen auch nicht auf die Forderungen des Erpressers eingehen. „Wir werden nichts unternehmen, um einer Straftat Vorschub zu leisten.“

Zudem verwies er darauf, dass sich Bahlsen schon immer für soziale Projekte eingesetzt habe. „Unser Keksverkauf in der Weihnachtszeit auf dem Opernplatz kommt immer sozialen Projekten zugute, da hat der Erpresser schlecht recherchiert.“ Auf die Frage, warum sich die Keksdiebe ausgerechnet das Unternehmen Bahlsen ausgesucht haben, wollte der Konzernchef nicht spekulieren. Der 63-Jährige gab zu, er habe beim Durchlesen des Erpresserbriefs, der auch in der Bahlsen-Zentrale eingegangen war, ein bisschen Schmunzeln müssen. „Gleichzeitig ist das Ganze aber auch eine Riesensauerei“, empörte sich Bahlsen.

Am Abend ruderte der Kekshersteller aber wieder zurück und zeigte sich dem Erpresser gegenüber versöhnlich. Auf seiner Facebook-Seite machte Bahlsen dem „Krümelmonster“ ein Angebot. Dort heißt es: 
„Liebes "Krümelmonster", wie dir sicherlich bekannt ist, engagiert sich das Unternehmen Bahlsen bereits seit Jahrzehnten in vielfältiger Weise im sozialen Bereich. Wir versprechen unseren Fans: Bahlsen spendet 52.000 Packungen Leibniz Kekse an 52 soziale Einrichtungen, wenn du uns unseren goldenen Keks wieder zurückbringst.“

Bei der Polizeidirektion Hannover wird der Fall sehr ernst genommen. Die Beamten ermitteln wegen des Verdachts der versuchten Erpressung gegen unbekannt. Derzeit sind sie mit der Analyse der Forderungen der Täter befasst. Sie suchen auf dem Erpresserschreiben nach Fingerabdrücken und Faserspuren. Sollten sie fündig werden, wird das Schreiben möglicherweise dem Landeskriminalamt übergeben, um dort weitere Untersuchungen anzustellen.

Spezialisten untersuchen auch den Inhalt des Erpresserbriefs. Sie achten genau auf die Wortwahl und den Satzbau, um daraus Rückschlüsse auf den oder die Täter ziehen zu können. Noch können die Ermittler keine Angaben darüber machen, ob es sich bei dem Keks, der auf dem beigelegten Foto zu sehen ist, um die Beute vom Bahlsen-Firmensitz handelt, oder nicht. „Die Untersuchungen werden noch einige Tage in Anspruch nehmen“, sagt Behördensprecherin Jacobe Heers. Möglicherweise kann nie ganz geklärt werden, ob der Erpresser tatsächlich im Besitz des gestohlenen Bahlsen-Kekses ist.

Beim Kinderkrankenhaus auf der Bult drehte sich am Mittwoch ebenfalls alles um den Krümelmonstererpresser – schließlich soll die Klinik ja von den Machenschaften des Keksliebhabers profitieren. Inzwischen sind in der Klinik auch die ersten Spendenangebote eingegangen. So meldete sich ein Junge aus Baden-Württemberg auf der Bult und kündigte an, er werde in den nächsten Tagen ein Paket mit Keksen für die kranken Patienten nach Hannover schicken. Auch andere potenzielle Keksspender sollen sich bereits gemeldet haben.

Im Internet dagegen wird dem Krümelmonster, das unter die Erpresser gegangen ist, große Sympathie entgegengebracht. Allein auf der Plattform des sozialen Netzwerks Facebook gibt es inzwischen mindestens drei Unterstützerseiten. Auf „Krümelmonster vs. Bahlsen“, „Free the Bahlsen Cookie“ oder „KeksKlau – na klar das Krümelmonster war’s“ werden bereits Pläne diskutiert, wie dem mutmaßlichen Erpresser aus der Sesamstraße geholfen werden kann.

Einige Nutzer rufen zu einer eigenen Spendensammelaktion für das hannoversche Tierheim auf. Andere wollen dem Kinderkrankenhaus Kekse spenden. „Wir sollten keine Bahlsen-Kekse versenden. Welche namhafte Konkurrenz sollen wir nehmen?“, fragt eine Facebook-Besucherin und erhält promt Antwort: „Selbstgebackene nach Omas Rezept – eine bessere Konkurrenz gibt es doch nicht.“

Der goldene Keks war zuletzt am 4. Januar am Firmensitz an der Podbielskistraße gesehen worden. Zeugen hatten am 11. Januar zwei Männer, die eine Leiter bei sich hatten, an dem Wahrzeichen des Unternehmens hantieren sehen. Ob es sich dabei tatsächlich um die Keksdiebe handelte, ist noch immer ungewiss.

Tobias Morchner/Christian Link

Thema in den USA und Russland

Es wäre vielleicht ein bisschen zu viel gesagt, würde man behaupten, die hannoversche Kekserpressung hätte die Welt in den vergangenen Tagen in Atem gehalten. Dennoch: Während in Deutschland kein Medium an der Geschichte vom auf die schiefe Bahn geratenen Krümelmonster vorbeikam, nahm durchaus auch das Ausland Notiz davon.

In den USA wurden die Leser der Onlinezeitung „Huffington Post“ zeitweise an sehr prominenter Stelle über die Erpressung der deutschen „biscuit company“ informiert. Die „Huffington Post“ hat im Monat rund 25 Millionen Leser und gilt als erfolgreichster Politblog der Welt. In Russland wiederum war der Keksdiebstahl dem führenden Internet-Nachrichtenportal „Lenta.ru“ einen Artikel wert. Das Portal, das in Russland in etwa die Bedeutung hat wie „Spiegel Online“ hierzulande, beschäftigte sich in einem Nachrichtenstück samt Kurzporträt des Krümelmonsters mit dem Fall.

fx/win

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