Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Als das Krümelmonster den goldenen Leibniz-Keks stahl
Hannover Aus der Stadt Als das Krümelmonster den goldenen Leibniz-Keks stahl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 03.02.2018
Der goldene Keks an seinem Platz - zuvor hatte ihn das Krümelmonster geklaut.  Quelle: Rainer Surrey/HAZ/Montage
Hannover

  Es muss schon etwas ganz Außergewöhnliches geschehen in der niedersächsischen Landeshauptstadt, damit der Vorfall aus Hannover auch im fernen Amerika aufgegriffen wird. Der 29. Januar 2013 war so ein Tag: Über den Kurznachrichtendienst Twitter meldete sich aus New York die bekannteste Figur der beliebten Kinderfernsehserie „Sesamstraße“ zu Wort. „Me no steal the golden cookie“, twitterte das Krümelmonster, und es ergänzte: „But me willing to help find real cookie thief.“ („Ich habe den goldenen Keks nicht gestohlen, werde aber helfen, den wahren Keksdieb zu finden.“) 

Acht Tage vor der ungewöhnlichen Stellungnahme hatte die Polizeidirektion Hannover bekannt gegeben, dass der goldene Leibniz-Keks, das Wahrzeichen des Keksfabrikanten Bahlsen, am Stammsitz des Unternehmens an der Podbi fehlt. Eine Mitarbeiterin hatte entdeckt, dass der rund 20 Kilogramm schwere, vergoldete Messingkeks, der seit 100 Jahren in etwa fünf Metern Höhe zwischen den beiden Brezelmännern an der Fassade des Gebäudes hing, gestohlen worden war. Bahlsen setzte eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung des oder der Täter führten. Doch wann genau und vor allem wie der Keks abmontiert wurde, darüber herrscht bis heute Rätselraten.

Kurz nach Bekanntwerden des Keks-Coups gingen zeitgleich in der Lokalredaktion der HAZ und bei Bahlsen die ersten Bekennerschreiben ein. Sie waren aus ausgeschnittenen Buchstaben von Zeitungsüberschriften zusammengesetzt. Unterschrieben waren sie mit „Krümelmonster“. Neben den Schreiben enthielten die Umschläge je ein Foto, das eine Person in einem Krümelmonsterkostüm zeigte, die vermeintlich den gestohlenen Goldkeks unter dem Arm trug. Die Forderung des Absenders war ebenso ungewöhnlich wie das Verbrechen: Bahlsen sollte alle Stationen im Kinderkrankenhaus Auf der Bult mit Leibniz-Keksen beliefern. Die Belohnung sollte an das Tierheim in Langenhagen-Krähenwinkel gespendet werden. „Das ist ernst! Sonst kommt der zu Oskar in die Mülltonne“, schrieb das Krümelmonster.

Firmenchef Werner Michael Bahlsen hatte sich zunächst über den Diebstahl sehr geärgert. „Mittlerweile kann ich darüber schmunzeln“, sagt er der HAZ. Die Aufmerksamkeit, die das Ereignis mit sich gebracht habe, sei überwältigend gewesen, und letztlich habe es nur Gewinner gegeben. „Bahlsen hat es auch nicht geschadet – das soll aber keinen Anreiz zur Nachahmung geben.“

Das "Krümelmonster" stahl im Januar 2013 den Keks vom Bahlsen-Stammhaus. Die ganze Affäre zum Nachlesen.

Die Geschichte vom Diebstahl des goldenen Wahrzeichens war denn auch nicht nur beim Krümelmonster in den USA angekommen. Weltweit berichteten Zeitungen, Fernsehsender und Radiostationen von der spektakulären Tat. Mutmaßungen, Bahlsen stecke selbst hinter dem Keksklau, es handele sich um eine PR-Aktion, hatte der Firmenchef stets zurückgewiesen. Auch widerstand das Unternehmen den vielen Vorschlägen anderer Firmen oder Agenturen, die die Geschichte im Sinne des Marketings ausschlachten wollten.

„Wir sind gerade im Rückblick davon überzeugt, dass diese Entscheidung richtig war“, sagt der Bahlsen heute. Seine Firma ging damals auch nicht auf die Forderungen des oder der Keksdiebe ein, sondern unterbreitete den Tätern ein eigenes Angebot: Sollte der goldene Keks unbeschadet zurückgegeben werden, wollte Bahlsen 52 000 Packungen Leibniz-Kekse an 52 verschiedene soziale Einrichtungen spenden.

Davon ließ sich das falsche Krümelmonster offenbar erweichen: In einem zweiten Schreiben an die HAZ und an Bahlsen kündigte es Anfang Februar 2013 die Rückgabe des Diebesguts an. Am Morgen des 5. Februar entdeckten Studierende der Leibniz-Universität den goldenen Keks vor ihrer Hochschule. Er hing an einer roten Schleife an der Statue des Niedersachsenrosses vorm Hauptgebäude. Mithilfe einer Drehleiter holte die Feuerwehr das wertvolle Stück herunter. Bahlsen hielt Wort und spendete die Kekse. „Ich heiße die Tat nicht gut, aber ich kann nicht sagen, dass ich heute noch Groll gegen den oder die Täter hege“, sagt der Firmenchef. In den fünf Jahren, die seit der Tat vergangen sind, habe sich niemand mehr bei Bahlsen gemeldet. „Mich würde aber doch brennend interessieren, warum die Tat damals vollführt worden ist.“

Das sagt die Staatsanwaltschaft

Die Ermittlungsakten zum Diebstahl des goldenen Bahlsen-Kekses, die unter anderem auch die Original-Erpresserbriefe des Krümelmonsters enthalten, lagern inzwischen tief in den Archiven der Staatsanwaltschaft. Sie werden dort nur dann wieder herausgeholt, sollte es einen entscheidenden Hinweis zu dem Fall geben. „Wir würden dann zunächst einmal prüfen, ob wir die Ermittlungen in dieser Sache überhaupt wieder aufnehmen können“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Es geht dabei in erster Linie um die Frage der Verjährung. Straftaten wie in diesem Fall Diebstahl oder Sachbeschädigung sind gemeinhin nach fünf Jahren verjährt. Es kann theoretisch sein, dass sich die Verjährungsfristen im Laufe der Ermittlungen verändert haben. Das ist Teil der Prüfung der StaatsanwaltschaftWerner Michael Bahlsen hält aber nichts davon, dass der oder die Täter sich zu erkennen geben, wenn die Taten verjährt sind: „Er oder sie würden wahrscheinlich den Unmut einiger Menschen – nicht unbedingt unseren – auf sich ziehen, die mit sehr viel Engagement in den Fall involviert waren.“

Von Tobias Morchner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Tollwut ist längst ausgerottet. In Deutschland ist die Gefahr relativ gering, sich über ein Haustier eine Infektion zu holen. Experten sind sich einig: Knuddeln ist zwar erlaubt, allerdings muss auf die Hygiene geachtet werden.

31.01.2018

Früher, vor dem Fernseher, hat sich unser Autor immer gefragt: Wie wäre es wohl, selbst gegen einen Top-Ten-Spieler Tennis zu spielen? Wie gut sind die genau? Gut, dass die frühere Nummer 4 der Welt in Hannover lebt: Nicolas Kiefer.

02.02.2018

Das Rathaus am Trammplatz ist der Stadt Hannover lieb und demnächst richtig teuer. In den kommenden zehn Jahren wird für Sanierungen ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag fällig, schätzt die Verwaltung.

02.02.2018