Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Bahn frei für die Mountainbiker!

Parcours in Eilenriede in Betrieb Bahn frei für die Mountainbiker!

Die Eilenriede hat seit einigen Wochen ihren ersten offiziellen Mountainbike-Parcours. Die Radler sind dort begeistert unterwegs, die Naturschützer bleiben auch drei Jahre nach der ersten Diskussion um die Strecke skeptisch. Nun liegt auch die Genehmigung für die "Dirtline", eine Strecke für gewagte Sprünge, vor.

Voriger Artikel
Und was wird nächstes Jahr gesungen?
Nächster Artikel
Maschseefest: Nordufer kann zur Sperrzone werden

Der seit Mai frei gegebene „Pumptrack“ in der Eilenriede, nahe Adolf-Ey-Straße, wird von den Mountainbikern bereits gut angenommen.

Quelle: Michael Wallmüller

Hannover. Gut geschützt, mit Helmen auf den Köpfen und Plastikschienen an den Beinen, stemmen sie sich in die Pedale. Die drei Mountainbiker nehmen Fahrt auf, jagen über den lehmigen Boden die kleinen Hügel hinauf und hinab. Dann gibt es diesen Moment: Die Reifen heben vom Boden ab, die Fahrräder fliegen über die Kuppen. „Luft unter die Räder lassen“, nennen das die Biker. Ein kurzes Vergnügen, denn nach ein paar Sprüngen müssen sie schon die Bremsen ziehen. „Das ist ein Rausch, die pure Freiheit“, sagt Marcel Wogram mit verschwitztem Gesicht. Die Mücken surren um seinen Kopf, grinsend rollt er mit seinen Freunden wieder zur Startlinie.

Die Bilder zum Bauworkshop zum Mountainbike-Parcours in der Eilenriede.

Zur Bildergalerie

Die Eilenriede hat seit einigen Wochen ihren ersten offiziellen Mountainbike-Parcours. Das scheint auf den ersten Blick nicht weiter zu verwundern, schließlich erfreut sich das Radeln über Stock und Stein seit Jahren großer Beliebtheit. Was läge näher, als in Hannovers Stadtwald eine Strecke für Radsportler auszuweisen, zumal im Rathaus und in den Parteien gern von der „Sportstadt Hannover“ die Rede ist. Aber ganz so einfach war der Weg zur Rennstrecke nicht.

Vor drei Jahren löste die Idee bereits hitzige Diskussionen in den Ratsgremien aus. Umweltschützer und Jugendpolitiker standen sich unversöhnlich gegenüber. Die einen wollten den Wald vor wilden Rasern schützen, die anderen einem sportlichen Trend endlich Raum geben. Damals hielt der Eilenriedebeirat, dem jeder Baum am Herzen liegt, sogar eine Sitzung am kleinen Rodelberg nahe der Adolf-Ey-Straße ab. Dort hatten Mountainbiker Hügel aufgeschüttet und eigenmächtig Strecken angelegt - „illegal“, wie der damalige Förster Gerd Garnatz betonte. Mit viel Aufwand ließ das Grünflächenamt die Pisten wieder einebnen, aber die Mountainbiker ließen sich nicht vertreiben und legten neue Wege an - auch an anderen Orten in der Eilenriede. So könne es nicht weitergehen, meinten die Ratspolitiker, und beschlossen, die illegale Piste am Rodelberg in einen offiziellen Parcours umzubauen.

Der Bau stärkte das Gemeinschaftsgefühl

Dunkle Wolken ziehen an diesem Nachmittag über die Eilenriede. „Wir müssen uns beeilen, bei Regen können wir nicht mehr fahren“, spornt Simon Hehner seine Mitfahrer an. Ein Mädchen zieht seine Runden über die Hügel, gemächlich fährt es auf seinem Kinderrad bergauf und bergab. Zwei Frauen treffen ein, ihre Räder sehen aus, als hätten sie schon etliche wilde Fahrten hinter sich. Man begrüßt sich per Handschlag, rückt noch einmal Helme und Schienbeinschützer zurecht, dann geht es los. Als die ersten dicken Tropfen auf den Boden platschen, brechen sie ab. „Nicht nur zum Fahren wird es zu gefährlich“, sagt Hehner. Wenn die Erde aufweicht, graben die Reifen tiefe Spurrillen. „Wir wollen doch nicht, dass unsere Bahn kaputt geht“, sagt der 24-Jährige.

Als der politische Beschluss für den Parcours auf dem Tisch lag, begannen die Planungen. Die Stadtverwaltung wollte sichergehen, dass die Strecke so attraktiv wird, dass die Mountainbiker sich nicht wieder auf anderen Wegen im Stadtwald herumtreiben. Daher holten die Planer Simon Hehner und seine Freunde an den Tisch. In den Osterferien war es dann so weit. Mit Baggern, Spaten und Harken rückte die bunte Baukolonne an.

„Das hat großen Spaß gemacht und unter uns so etwas wie einen Gemeinschaftsgeist gestiftet“, sagt Bettina Peine-Bertram. Die 45-Jährige mit dem modischen Kurzhaarschnitt arbeitet im Fachbereich Maschinenbau der Leibniz-Uni, Abteilung Buchhaltung und Controlling. Zum Radeln im Gelände sei sie über ihren Ehemann gekommen. „Ich brauche eigentlich keinen Parcours mit Sprungmöglichkeiten“, sagt sie. Lieber rollt sie auf Pfaden über Stock und Stein. „Natürlich nur auf den freigegebenen Wegen“, fügt Peine-Bertram hinzu. Dennoch sei die neue Strecke nützlich, um Technik und Koordination zu schulen.

Die Genehmigung für die "Dirtline" liegt vor

Den Parcours-Planern ist bei aller Begeisterung ein kapitaler Fehler unterlaufen. Sie haben in ihrem Antrag vergessen, den Begriff „Dirtline“ hinein- zuschreiben. Damit ist eine ergänzende Strecke gemeint, die noch waghalsigere Sprünge ermöglicht. „Jeder von uns ist davon ausgegangen, dass die Dirtline dazugehört“, sagt Wiebke Hentschel. Aber in den Papieren, über die die Ratspolitik entschied, ist nie von einer weiteren Huckelpiste die Rede gewesen. Daher musste ein neuer Antrag formuliert werden, der noch einmal durch die Ratsgremien ging. Erst vor ein paar Tagen hat der Verwaltungsausschuss die Ergänzungsstrecke endgültig genehmigt. Hans-Peter Fuchs, Vorsitzender des Eilenriedebeirats, glaubt, dass sich einige Mountainbiker weiterhin eigene Strecken in der Eilenriede anlegen. „Beim Ahornweg in der nördlichen Eilenriede wird immer noch gegraben und gefahren“, hat Fuchs beobachtet. Auch in der vorderen Eilenriede hat er Zeichen für illegale Biker-Pfade entdeckt. Die Belastung des Stadtwalds werde also nicht wesentlich zurückgehen - Dirtline hin oder her. Geärgert hat er sich über die Kritik aus der SPD, der Eilenriedebeirat solle sich nicht „vor jeden Baum stellen“. „Aber genau das ist unsere Aufgabe“, sagt Fuchs.

Dicke Tropfen prasseln auf den Waldboden. Die Mountainbiker suchen Schutz im nahe gelegenen Spielpark Tiefenriede. Unter einem Dach ruhen sie sich aus. Musik dringt aus Lautsprechern, eine Crossfit-Gruppe quält sich durch Kniebeugen und Liegestütze. Lukas Thierau setzt den Helm ab. „Natürlich macht es auch Spaß, neue Wege auszuprobieren“, sagt er. Aber wenn der offizielle Parcours so attraktiv ist, warum solle er sich die Arbeit machen und eigene Wege anlegen. Zusammen mit Hehner will der angehende Erzieher eine Art Fahrschule für Kinder und Jugendliche auf dem neuen Rundkurs anbieten. „Wir zeigen denen Tricks und haben Spaß zusammen“, sagt er. Wiebke Hentschel lächelt. „Was kann es Schöneres geben, als dass die Kids Sport in der Natur treiben“, sagt sie.

Von Dirtbikes und ATBienen

Wie jede Sportart, so pflegt auch das Geländeradeln seinen eigenen Jargon: Die Strecke beispielsweise, die jetzt in der Eilenriede angelegt wurde, ist ein Pumptrack. Über kleine Huckel jagen die Fahrer in einem Rundkurs. Die geplante Dirtline umfasst vier Hügel, die bis zu zwei Meter hoch sind. Das ist dann etwas für echte Fahrradakrobaten. Ihre Räder haben nur noch wenig Ähnlichkeiten mit gängigen Mountainbikes. Die Dirtbikes sind kleiner, kompakter und ähneln BMX-Rädern. „Für Wettkämpfer wird unsere neue Dirtline durchaus als Trainingsstrecke dienen können“, sagt Lukas Thierau. Bei einem Dirtbike-Wettbewerb zeigen die Fahrer waghalsige Sprünge, die von einer Jury bewertet werden. Dirtbikes haben nur wenige Gänge und sind deutlich günstiger als Mountainbikes. Einsteigerräder gibt es schon ab 550 Euro. „Die Profis schrauben sich ihre Räder meist selbst zusammen“, sagt Thierau.

Ein solides Mountainbike ist kaum unter 1500 Euro zu haben, vor allem wenn es voll gefedert ist. „Das ist wichtig, wenn man über Wurzeln und Steine rollt“, sagt Wiebke Hentschel. Sie hat den Frauen-Fahrradclub ATBienen (von ATB: All Terrain Bike) gegründet und fährt mit ihren Freundinnen oft im Deister. Über den Preis ihres Fahrrads möchte sie nicht sprechen – einen günstigen Kleinwagen gebe es aber schon dafür, sagt sie.

asl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Eilenriede
Der bestehende Parcour in der Eilenriede soll ausgedehnt werden.

Der Mountainbike-Parcours in der Eilenriede wird größer als bisher angelegt. Die Umweltpolitiker des Rates haben sich am Montag einstimmig für den Bau einer zusätzlichen „Dirtline“ am Standort nahe der Adolf-Ey-Straße entschieden.

mehr
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd 2016

Am Freitag zeigten sich 3740 Zuschauer bei der Nacht der Pferde auf der Pferd & Jagd begeistert. Harmonie zwischen Mensch und Pferd, atemberaubende Kunststücke – 150 Pferde und 60 Akteure sorgten für Gänsehautstimmung.