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Fast geschafft!

Bald endet die Fastenzeit Fast geschafft!

Leben ohne Schokolade, Alkohol, Fleisch oder TV – am Osterwochenende endet die Fastenzeit. Der Trend zum Fasten ist ungebrochen, als christliche Bußzeit zur Vorbereitung auf Ostern sehen allerdings nur wenige ihren Verzicht. Hannoveraner berichten von ihrer Motivation und ihren Erfahrungen.

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Süßigkeiten standen bei Nina Julius auf der Verzichtsliste.

Quelle: Philipp von Ditfurth

„Ein Test für meine Willensstärke“

Hannover. In drei Tagen hat Nina Julius es geschafft. Dann kann sie endlich wieder nach Herzenslust Schokolade, Gummibärchen und Kuchen essen. Die 43-Jährige verzichtet in diesem Jahr auf alle Süßigkeiten. „Wirklich auf alle“, betont sie. Sogar auf Nutella. Seit fünf Jahren fastet Julius zwischen Aschermittwoch und dem Osterfest. Angefangen habe sie mit Schokolade. Und jedes Jahr kam etwas auf der Verzichtsliste hinzu.

Viele Menschen verzichten während der 40 Tage auf Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten. Andere ernähren sich für eine kleine Weile bewusster und lassen zum Beispiel Fleisch weg. Das Fasten kann eine religiöse Motivation haben - oder gesundheitliche Gründe. Bei Julius ist es noch etwas anderes: „Dahinter steckt vor allem die Neugier, ob ich das durchhalten kann und will“, sagt die Kommunikationstrainerin, die gerade in Elternzeit ist. „Deswegen habe ich auch klein angefangen. Ich wollte ein Erfolgserlebnis haben.“ Wenn man sie nach ihren Beweggründen fragt, warum sie sich in der Zeit vor Ostern im Verzicht übt, dann antwortet Julius fast trotzig: „Weil ich es kann. Für mich ist das ein Test für meine Willensstärke. Deswegen hab ich mir auch etwas ausgesucht, das mir wehtut.“ Und Süßigkeiten nascht die Mutter eben gern.

Auch wenn es manchmal schwerfällt zu verzichten - schwach geworden ist Julius nicht. „Nur letztes Jahr hab ich tatsächlich einmal das Fasten gebrochen: Ich lag mit Wehen im Krankenhaus und habe als Nervenberuhigung einen Schokomuffin gegessen“, sagt sie mit einem Lächeln. Bereits Anfang der Woche hat sie Ostersüßigkeiten für Familie und Freunde eingekauft, „und dabei hab ich mich schon auf Sonntag gefreut. Wir gehen Brunchen und ich kann endlich wieder Nachtisch essen.“ Vor allem freue sie sich auf den in Goldpapier eingewickelten Schokoladenhasen mit dem Glöckchen um den Hals. Motivation kann sie sich bis dahin von Bekannten holen. Kollegen, ihr Chef und eine Freundin machen mit. Per Whatsapp zählen sie die Tage bis Ostern herunter.

Die ersten anderthalb Wochen seien besonders schwer, wenn sie auf Süßigkeiten verzichtet. „Ich glaube, dass Zucker wie eine Droge funktioniert und der Körper anfangs mit Entzugserscheinungen reagiert. Zumindest, wenn er so geballt auftritt wie in Süßigkeiten.“ Danach habe sich ihr Körper darauf eingestellt und es werde leichter. Als Ersatz funktionieren bei der 43-Jährigen Weintrauben und Berberitzen. Und die Tatsache, dass die Familie in der Fastenzeit ihren Sommerurlaub gebucht habe und damit das Projekt „Bikinifigur“ starte, helfe natürlich auch.

Isabell Rollenhagen

„Wenn ich es schaffe, fühle ich mich gestärkt“

Um es gleich vorweg zu sagen: Ingeborg Beyer hat es nicht ganz geschafft. Zwei Prüfungen hatte sich die Christin aus der Marktkirchengemeinde in den Wochen vor Ostern auferlegt. Auf Fleisch wollte sie verzichten und auf das kleine Glas Rotwein, das sie sonst an manchem, aber längst nicht an jedem Abend trinkt. Gesünder leben, der Klassiker der Fastenzeit. Dann kam ein Wurstbrot dazwischen, später die Bouillon. Aber die Umstände, die sie dazu brachten, das mit sich selbst verabredete Fasten für zwei Momente, und nicht etwa zwei Gelegenheiten, zu unterbrechen, waren dann doch so, dass Ingeborg Beyer im Grunde ihres Herzens vor sich selbst bestehen und sagen kann: Sie hat es doch geschafft.

Das Wurstbrot also. Sie war eingeladen, die Familie bat zum Abendbrot, der Tisch war gedeckt. Nur hatte Frau Beyer niemandem mitgeteilt, dass sie während der Fastenzeit eigentlich auf Wurst verzichten wollte. Aber nun hatten sich die Gastgeber schon Umstände gemacht, von denen sie nicht wissen konnten, dass sie gar nicht nötig gewesen wären. Und dazu gehörte nun einmal dieser Teller mit Brot. Belegt mit Wurst, lag es vor ihr. Sie aß es. „Ich wollte keine langen Diskussionen“, sagt sie heute, „und ich möchte in der Familie nicht abseits stehen.“

Vor zwei Wochen schwächte dann eine Erkältung Ingeborg Beyer. Ein altes Hausmittel kam ihr in den Sinn. Hühnerbouillon. Bloß, dass in einer Hühnerbouillon Spuren eines ehemaligen Huhns schwimmen. Fleisch. Ein Ende der Fastenzeit war nicht in Sicht, die Erkältung jedoch aktuell da. Beyer kochte eine Hühnerbouillon, um sich aufzupäppeln. So brach sie das Fasten ein zweites Mal vorzeitig. Den Rotwein ließ sie tatsächlich vom ersten bis zum letzten Tag weg. Manchmal hätte sie Lust auf ein abendliches Glas, stattdessen servierte sie sich ein Glas Wasser oder Tee.

Ingeborg Beyer war keine Hundertprozentige in den letzten Wochen. Aber wer will den ersten Stein werfen? Für sie ist die Fastenzeit „immer wieder eine Prüfung. Wenn ich es schaffe, fühle ich mich gestärkt.“

Gunnar Menkens

„Ich möchte es mir 
selbst beweisen“

Lars Kleuker ist stolz – der 22-Jährige hat es wieder einmal geschafft, den inneren Schweinehund zu überwinden. „Ich habe es gut durchgehalten und mir hat nichts wirklich gefehlt“, sagt er kurz vor Schluss. Auf Süßigkeiten und Alkohol verzichten viele vor Ostern. Kleuker geht da noch einen Schritt weiter. Er sagt in diesem Jahr zusätzlich auch noch Nein zu seiner Spielekonsole, dem Fernseher und Koffein. „Die ersten Tage war ich morgens echt sehr müde ohne Kaffee, hatte sogar Kopfweh“, sagt der Jeinser, der Politik- und Sozialwissenschaften in Göttingen studiert. Doch nach einigen Tagen habe sich das reguliert. „Morgens bin ich jetzt sogar fitter.“

Das Fasten vor Ostern ist für Kleuker schon zu einer Tradition geworden. Jedes Jahr verzichtet er auf etwas anderes. „Nicht, weil ich besonders religiös bin. Die Wurzel des Ganzen ist natürlich die christliche Fastenzeit“, sagt er. Fasten ist bei ihm auch familiär bedingt – die Eltern verzichten seit fast 20 Jahren jedes Jahr auf Süßigkeiten und Fernsehen. „Ich möchte es mir selbst beweisen. Neinsagen ist auch eine Art mentale Stärke.“ Einmal ist aus dem Verzicht für sieben Wochen sogar eine neue Lebenseinstellung entstanden: 2011 stand Fleisch während der Fastenzeit auf der Verbotsliste – und seit dem hat der Student keins mehr gegessen.

Ganz so streng ist Kleuker mit sich selbst beim Fasten dann aber auch nicht. „Ausnahmen dürfen natürlich sein, bei mir sind es Bundesliga und Kino – das zähle ich nicht mit.“ Schließlich musste er verfolgen, ob Hannover 96 den Klassenerhalt packt. Ansonsten hat der Jeinser in den letzten Wochen viel gelesen „Vom Kiez zum Kap“ etwa. Und bei dem Videodienst Youtube hat er auch eine Ausnahme gemacht. „Ich hab da nicht viel geschaut, aber zum Beispiel LeFloid und Sport-Videos.“ Durch den Verzicht aufs Fernsehen habe er viel mehr Zeit für andere Sachen, zum Lesen etwa oder Sport machen. Die Abende mit seiner Freundin, die ebenfalls fastet, waren kommunikativer als sonst. Statt vor der Glotze zu sitzen, gab es einige Partien Gesellschaftsspiele. „Auf einen Filmabend auf dem Sofa freue ich mich trotzdem.“

Die Vorfreude auf den Genuss an Ostern ist mittlerweile groß. Denn Süßigkeiten fehlten Kleuker dann doch. Und der 22-Jährige weiß aus Erfahrung: Ein Stück Schokolade schmeckt deutlich besser, wenn man 40 Tage keine Schokolade hatte – mit dem ersten Bier danach ist es übrigens genauso.

Isabell Rollenhagen

Und außerdem...

... Punktefasten bei den 
„Roten“ – mehr Sorg als Sane

Punkte- und Torefasten stand bei der ersten Herrenmannschaft von Hannover 96 nicht auf dem Trainingsplan, schon gar nicht, als im Winter mit Thomas Schaaf einer geholt wurde, der in Sachen Spaßfußball und Stadionunterhaltung eigentlich immer für Vollkost gestanden hatte. Doch statt Tore und Siege satt gab es ein großes Nichts, das zudem noch schwer verdaulich war.

Die Mannschaft verzichtete in diesem Jahr weitgehend auf Punkte, in der Fastenzeit gab es sechs von insgesamt neun Niederlagen in der Rückrunde. Das war, spielerisch gesagt, mehr Sorg als Sane und festigte den südlichsten aller Tabellenplätze so sicher, dass man froh sein kann, wenn die Tabelle in der nächsten Saison wieder bei null losgeht. Immerhin hielten die Roten das Fasten nicht ganz durch. Am 27. Februar schenkten sie Stuttgart einen ein. Sollte die Truppe das mit dem Fastenbrechen ernst meinen und von den noch möglichen 21 Punkten vielleicht 18 holen, wäre das fast’n Wunder.

Uwe Janssen

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