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Aus der Stadt Banner im Stadion: 96-Ultras zu Geldstrafen verurteilt
Hannover Aus der Stadt Banner im Stadion: 96-Ultras zu Geldstrafen verurteilt
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18:34 19.01.2017
Von Tobias Morchner
Die Verurteilten hatten bei einem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg ein Banner mit einer beleidigenden Anspielung gezeigt.  Quelle: Privat

Drei junge Männer sind am Donnerstag vom Amtsgericht Hannover zu teilweise hohen Geldstrafen verurteilt worden. Amtsrichterin Susanne Lotz befand Sascha G., Hannes M. und Niklas V. für schuldig, am 1. März 2016 im Stadion von Hannover 96 ein Banner gezeigt zu haben, auf dem der Messerangriff der Schülerin Safia S. auf einen Bundespolizisten im Hauptbahnhof, wenige Tage zuvor, für gut befunden wurde. "Das ist für mich nicht nur geschmacklos, das ist menschenverachtend", sagte Lotz in ihrer Urteilsbegründung. Dann fügte sie zu den Angeklagten gewandt hinzu: "Aus meiner Sicht haben Sie für eine ganz, ganz lange Zeit nichts mehr in einem Fußballstadion verloren." Die Amtsrichterin verurteilte G. zur Zahlung von 100 Tagessätzen von je 35 Euro. Die Strafen für M. und V. fielen höher aus, weil in den Urteilsspruch bereits verhängte Geldstrafen aus anderen Verfahren mit eingerechnet wurden. Hannes M. muss 120 Tagessätze zu je 20 Euro und Niklas V. 200 Tagessätze von je 70 Euro bezahlen. Die Verteidiger der Angeklagten hatten jeweils Freisprüche für ihre Mandanten gefordert.

Die drei 22, 23 und 24 Jahre alten Männer waren am Ende der ersten Halbzeit der Partie Hannover 96 gegen den VfL Wolfsburg von den Stadionkameras gefilmt worden, wie sie das Spruchband in den Block gebracht, es entrollen und es dann etwa drei Minuten lang gemeinsam mit anderen in die Höhe gehalten hatten. Darauf waren die Worte "We love Teens" und die Abkürzung ACAB ("all cops are bastards") zu lesen. An der einen Seite der Tapetenrolle war eine Faust aufgemalt, die ein blutiges Messer hält, auf der anderen Seite des Plakats war eine blutige Hand zu sehen. Die Videoaufnahmen zeigen zudem, wie Hannes M. anschließend sich fünf Mal mit dem Finger über die Kehle fährt - eine Geste, die das Gericht ebenfalls eindeutig in den Zusammenhang mit der Messerattacke stellte.

Die Angeklagten hatten in ihren von ihren Rechtsanwälten verlesenen Erklärungen zwar zugegeben, das Plakat entrollt zu haben. Allerdings ließen sie verkünden, sie hätten nicht gewusst, was auf dem Spruchband abgebildet war. Künftig wollten sie besser darauf achten, welche Plakate sie in der HDI-Arena der Öffentlichkeit zeigten. Hannes M., der gerade eine Lehre zum Außenhandelskaufmann absolviert, und Niklas V., der als Werkzeugmechaniker arbeitet, sind bereits wegen Straftaten im Zusammenhang mit Fußballspielen verurteilt worden. M. hatte mit anderen vermummten 96-Chaoten im Oktober 2015 in Hannover einen Kleinbus mit Fans von Eintracht Frankturt attackiert und das Fahrzeug beschädigt. V. war an den Ausschreitungen im Mai 2014 in der U-Bahn-Station Markthalle beteiligt, als 96-Schläger eine Stadtbahn angriffen, die Fans des VfL Wolfsburg beförderte. Im aktuellen Fall hatten die Verteidiger der jungen Männer argumentiert, der Zusammenhang zwischen dem Plakat und dem Angriff auf den Bundespolizisten habe sich nicht auf den ersten Blick erschlossen, sondern einer Transferleistung bedurft, so dass ihre Mandanten nicht zu verurteilen seien. Amtsrichterin Lotz, die die Überreste des Plakats im Gerichtssaal entrollen ließ, war deutlich anderer Meinung: Die Aufschrift sei im Stadion gut zu sehen gewesen. Auch der Inhalt sei in keinem Fall zweideutig gewesen. "Sie verlieren den Fußball komplett aus den Augen. Solche Äußerungen haben in einem Stadion nichts verloren", sagte sie zu den Angeklagten. Bundespolizei-Sprecher Martin Ackert begrüßte den Urteilsspruch: "Hier ist eine rote Linie überschritten worden und das ist heute deutlich strafrechtlich gewürdigt worden", sagte er.

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