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Bares im Briefumschlag bleibt verschollen

Aus dem Gericht Bares im Briefumschlag bleibt verschollen

Wer haftet, wenn per Briefpost verschicktes Geld abhandenkommt? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Zivilverfahrens am Amtsgericht Hannover. Geklagt hat ein 53-jähriger Mechaniker, der einer befreundeten Familie vor zwei Jahren 300 Euro geliehen hatte. Nach mehreren Mahnungen habe ihm die Familie einen Brief zugeschickt – doch der Umschlag war leer.

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Wer haftet, wenn per Brief verschicktes Geld verloren geht? 

Quelle: dpa

Hannover. Die Schuldner sind ein latent unter Geldnot leidendes Paar. Vor Gericht war die Rede von offenen Rechnungen, Kontopfändung und Privatinsolvenz. Doch weil der Mechaniker 2014 zunehmend ungeduldig wurde und auf die Rückzahlung seiner 300 Euro drang, wurde das Ehepaar aktiv. Die junge Frau beteuerte, die Scheine für den Gläubiger im Beisein ihres Stiefvaters in den Umschlag gesteckt und dann im Mai zur Post gebracht zu haben. Sie habe schon häufiger Bares verschickt, und bislang sei das auch immer gut gegangen.

Warum sie das Geld nicht überwiesen habe, wollte Richter Wiehe wissen. Die Antwort: Das wäre gleich gepfändet worden. Und warum konnte der Stiefvater die 300 Euro nicht überweisen? „Ich wollte ihn nicht bemühen.“

Als der umstrittene Brief den Mechaniker erreichte, wurde dieser sofort misstrauisch: Der Umschlag war zerknittert und entlang des Klebestreifens eingerissen. Der 53-Jährige holte seine Tochter als Zeugin, machte ein paar Fotos vom geschlossenen Kuvert – und öffnete es erst dann. Nach seiner Aussage befand sich jedoch lediglich ein Zettel, der die geforderte Rückzahlung bestätigte, im Inneren.

Natürlich habe sie sich an die Post gewandt, erzählte die junge Frau. Habe darauf hingewiesen, dass sich ein Bediensteter offenbar an ihrem Brief vergriffen und das Bargeld herausgenommen habe. Doch das Unternehmen lehne jegliche Haftung ab.

Sein Urteil wird Richter Wiehe erst in zwei Wochen verkünden. Doch gab er schon deutlich zu erkennen, wohin die Reise geht. Das beklagte Paar müsse nachweisen, dass die geschuldeten 300 Euro tatsächlich im Briefkasten des Klägers landeten – was unmöglich erscheint. Das Risiko eines Verlusts auf dem Transportweg trage aber immer der Absender, niemals der „Erfüllungsgehilfe“ – in diesem Fall die Post – oder der Adressat.

So müssen die Schuldner denn damit rechnen, zur Zahlung der 300 Euro verdonnert zu werden. Doch ob die Geldscheine überhaupt jemals eingetütet wurden oder ob sie in die Hände eines Diebs gefallen sind – das wird auch der Urteilsspruch nicht klären können. Fest steht nur, dass der Mechaniker und das Ehepaar nicht mehr befreundet sind.     

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