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Aus der Stadt Befördert Hannover ein Baukultur-Desaster“?
Hannover Aus der Stadt Befördert Hannover ein Baukultur-Desaster“?
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00:15 06.05.2017
Von Conrad von Meding
Heute und früher: Die beiden Bilder zeigen Hannovers Altstadtkante bis zum Krieg (rechts) und in der heutigen Version (links). Früher markierte die Leineinsel den Übergang von der Altstadt zur Calenberger Neustadt, heute befindet sich dort eine Schnellstraße (Cityring). Die Motive stammen aus dem Buch von Prof. Joachim Ganzert und Gregor Janböcke, sie sind an den Stadtmodellen in der Rathaushalle aufgenommen. Quelle: Repro: Conrad von Meding/"Hannovers ver-rückte Mitte", Jovis-Verlag, Seite 32
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Hannover

Nach dem Krieg hat der damalige Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht Hannover zum Vorbild des modernen Wiederaufbaus gemacht. Große Straßen zerschneiden die Innenstadt – und trennen damit Altstadt und Calenberger Neustadt, die unter den Welfenherzögen in der jungen Residenzstadt eine Einheit bildeten und bis zum Krieg das gemeinsame Zentrum des wachsenden Hannovers waren. Die Stadt hat sich einem „Weiterdenken der Nachkriegsmoderne“ verschrieben. Der ehemalige Uni-Professor Ganzert geht damit in seinem jüngst erschienenen Buch „Hannovers ver-rückte Mitte“ äußert kritisch um.

Akribisch weist Ganzert anhand historischer Fotos, mit zahlreichen Plänen und Skizzen nach, wie manipulativ die Kriegszerstörung Hannovers noch heute übertrieben wird, um die sogenannte zweite Zerstörung zu rechtfertigen. So war etwa das Leineschloss (heute: Landtag) bei weitem nicht so stark zerstört, wie es auch heute noch im Stadtmodell in der Rathaushalle gezeigt wird. Auch auf der malerischen Leineinsel, die zwischen Flussarmen an der Grenze von Altstadt und Calenberger Neustadt lag, waren die Zerstörungen weit weniger schlimm, als es der Öffentlichkeit suggeriert wurde. Mit der Kriegszerstörung aber wurde legitimiert, dass die Altbauten abgerissen, ein Leinearm zugeschüttet und dort eine Schnellstraße (Cityring am Leibnizufer) angelegt wurde.

Von der Raschplatz-Hochstraße bis zur Stadtbahnschiene: Wilhelm Hauschilds Bilder zeigen Hannover von seiner fleißigen Seite.

Ganzert beschäftigt sich kritisch auch damit, wie die vom Krieg verschonten Reste jüdischen Lebens in der Calenberger Neustadt zerstört wurden: In der Ohestraße wurden Berufsschulen errichtet, auf dem Gelände der zerstörten Synagoge hat die evangelische Kirche Verwaltungsgebäude errichtet, Teile der Synagogenfundamente sind in Krieg einem Bunkerbau gewichen, heute ist dort eine Tiefgarage.

Ganzert prangert dieses ahistorische Bauen an. Er plädiert dafür, die Struktur der alten Stadt Hannovers wieder sichtbar zu machen. Dort, wo einst die trutzige Burg Lauenrode am Leineufer gegenüber dem Beginenturm stand, müsse heute ein hohes, stadtgestaltendes Wahrzeichen errichtet werden, der Standort des ebenfalls nach dem Krieg zerstörten Friederikenschlösschens gegenüber vom Landtag wieder betont werden.

Hannovers verlorene Orte: Viele Bauwerke in Hannover haben die Zeit nicht überdauert. Einige wurden während des Krieges zerstört, andere existieren aus anderen Gründen nicht mehr – und sind für immer verloren.

Martina Trauschke, Pastorin der Neustädter Hof- und Stadtkirche, hat für den heutigen Mittwoch eine Abendveranstaltung organisiert. Dort trägt Prof. Ganzert gemeinsam mit Mitautor Gregor Janböcke die Ergebnisse seiner Forschung vor. Anschließend diskutieren Landtagspräsident Bernd Busemann, Stadtbaurat Uwe Bodemann und HAZ-Redakteur Conrad von Meding über das Thema. Moderiert wird die Veranstaltung von Ulrike Rose (Bundesstiftung Baukultur).

Der Diskussionsabend beginnt um 18 Uhr im Leibnizsaal der Neustädter Hof- und Stadtkirche, Neustädter Kirchhof. Der Eintritt ist frei.

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