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Baupolitiker streiten über Wohnungsmarkt in Hannover

Experten sind uneins Baupolitiker streiten über Wohnungsmarkt in Hannover

Die Baupolitiker von Rot-Grün im Rat wollen ein Wohnbauförderprogramm für Hannover. Die Experten sind derweil uneins über den Wohnungsmarkt und seine Probleme. Am Mittwoch standen sie den Politikern bei einer Anhörung im Rathaus Rede und Antwort.

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Drehen sich bald wieder mehr Baukräne? Eine Förderung für den Mehrfamilienhausbau könnte den Anstieg der Mieten in Hannover dämpfen.

Quelle: fotolia

Hannover. Hat die Verknappung bei preiswerten kleinen und großen Wohnungen „bedrohliche“ Ausmaße angenommen, wie der Mieterbund sagt? Oder ist es „eine erfreuliche Entwicklung“, dass Hannover aktuell nicht schrumpft, sondern attraktiv für Menschen ist, wie es beim Haus- und Grundeigentümerverein heißt, der sich über geringen Wohnungsleerstand freut?

In dieser Spannweite bewegten sich am Mittwoch bei einer dreistündigen Anhörung im Rathaus die Einschätzungen von 13 Experten. Am Ende stand fest: Die Baupolitiker von Rot-Grün werden in ihren Fraktionen für ein kommunales Wohnbauförderprogramm werben - auch wenn derzeit niemand weiß, woher das Geld dafür kommen soll. „Offenbar brauchen wir angesichts der Entwicklung am Wohnungsmarkt zwar nicht in Panik zu verfallen, aber wir brauchen in Ergänzung zum Land eine eigene Förderung“, sagte SPD-Fraktionsvize Thomas Hermann zum Abschluss der Diskussion. Weil der Investitionshaushalt der Stadt gesetzlich gedeckelt ist, müsse das Geld möglicherweise aus dem Schulsanierungsprogramm entnommen werden, deutete Grünen-Ratsherr Michael Dette vorsichtig an: „Diese Diskussionen müssen wir in den nächsten Wochen ehrlich führen.“

So schlimm wie in Hamburg oder Berlin, wo sich teilweise Hunderte Interessenten bei Wohnungsbesichtigungen drängen, ist die Situation Hannover nicht. Doch wer in den begehrten Gründerzeitquartieren von Linden, Nordstadt, Süd- oder Oststadt eine preiswerte Familienwohnung finden will, muss inzwischen sehr viel Glück haben. Auch kleine Wohnungen in preiswerten Lagen sind längst Mangelware.

Kein Wunder. Mathias Herter vom Wohnungsbauunternehmen Meravis zeigte gestern anhand von Grafiken, dass in Hannover seit Jahren kaum noch in den Geschosswohnungsbau investiert worden ist. Zur Expo gab es einen kurzen Boom, danach schlief, wie auch bundesweit, der Markt mangels Nachfrage ein. Nun wird Wohnraum auf einmal knapp. Stadtbewohner wollen mehr Platz, der Trend geht zum Singlehaushalt, viele Familien suchen ihr Idyll im Urbanen statt im Speckgürtel, und viele Senioren drängen zurück in die Stadt.

Weil Mangel herrscht und der Markt regiert, ziehen die Preise an. Wie stark, ist offenbar Interpretationssache. Dieter Cordes von der Wohnungsbaugesellschaft GBH sprach von „moderatem“ Anstieg, selbst bei Neuvermietungen gebe es für „Horrorzahlen, die wir zum Teil aus den Medien hören“, keine Anhaltspunkte. Die Fluktuationsquote von rund zehn Prozent der Mieter zeige, dass der Markt durchlässig sei.

Auf der anderen Seite berichtete Mieterbund-Geschäftsführer Randolph Fries davon, dass von den 27.000 jährlichen Rechtsberatungen „erstmals in kräftiger Anzahl Beratungsgespräche wegen Mieterhöhungen“ stattgefunden hätten. Und Matthias Braunholz vom Arbeitslosenverein wies darauf hin, dass „einige Stadtteile gar nicht mehr zugänglich“ seien für seine Klientel. Eine Mitarbeiterin des Jobcenters bestätigte die in der HAZ genannte Zahl von rund 7800 Umzugsverfügungen wegen zu teurer Wohnungen und berichtete, dass der Großteil der Betroffenen in den Wohnungen bleibe - und draufzahle. Klaus Habermann-Nieße vom Büro plan2 wies darauf hin, dass die Probleme von Hartz-IV-Empfängern bei der Wohnungssuche andere seien als von Familien, die eine Gründerzeitwohnung in der Oststadt suchen.

Nahezu alle Beteiligten geißelten die zu geringe Neubauförderung des Landes. Auf Nachfrage von SPD-Politiker Hermann rechnete Lothar Busch vom zuständigen Ministerium vor, dass Niedersachsens Wohnungsmarkt in den vergangenen Jahren 387 Millionen Euro Fördergeld entzogen wurden, indem Rückflüsse aus Förderprogrammen in den allgemeinen Haushalt überführt wurden. CDU-Politiker Felix Blaschzyk nutzte die Gelegenheit zu einem Generalangriff auf Rot-Grün und das Rathaus.

Mit der Grundsteuererhöhung zum Jahresbeginn habe Hannover die Mietkosten unverantwortlich nach oben getrieben. Und mit der Forderung, Gebäude möglichst im hochwertigen Passivhausbereich zu isolieren, werde der Wohnungswirtschaft der Neubau erschwert. Die nahm das Argument gerne auf. Meravis-Chef Herter bat dringend, in die Diskussion um niedrigere Dämmstandards einzusteigen. Friedhelm Birth von der Nordstädter Genossenschaft Woge hingegen berichtete von guten Erfahrungen mit dicker Dämmung.

Die Wohnungsmarktexperten richteten gestern insbesondere diese Forderungen an die Stadt:

Grundstückspreise: Wenn die Stadt Grundstücke für Wohnungsbau verkauft, soll sie über Nachlässe nachdenken, um preiswerten Wohnungsbau zu ermöglichen.

Quotenregelung: In München und anderen Städten gibt es Quoten für die Wohnungswirtschaft - zum Beispiel, dass 20 Prozent aller neuen Wohnungen preiswert sind.

Baukostenzuschüsse: Um Landesprogramme zu ergänzen, führen immer mehr Kommunen eigene Förderprogramme ein, etwa Köln oder Oldenburg. Das wird jetzt auch in Hannover Thema.

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