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Diese Kleingarten-Kolonien sind betroffen

Stadt braucht Bauland für Wohnungen Diese Kleingarten-Kolonien sind betroffen

Wo wird künftig gegärtnert, wo werden Häuser gebaut? Jahrelang haben Stadt und Kleingartenverband hart um Lösungen gerungen – und sich jetzt auf einen Kompromiss verständigt. Doch etliche Hobbygärtner hängen an ihren Parzellen, und nicht alle wollen umziehen.     

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„Hier habe ich meine Kindheit verbracht“: Kleingärtner Joachim Grunt aus Kirchrode ist einer der Ersten, die umziehen sollen.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Der Rasen ist frisch gestutzt, Tulpen blühen, die Sonne strahlt – doch die Vorfreude auf die Gartensaison hält sich bei Joachim Grunt in Grenzen. Der Kleingarten, den er für seine Tante pflegt, ist einer der ersten, der dem Erdboden gleichgemacht wird. Wo jetzt der Wind durch Obstbäume rauscht, entsteht bald das Neubaugebiet Büntekamp III. „Schnellstmöglich“, so hat es Oberbürgermeister Stefan Schostok ausgedrückt, solle das Startsignal für das Bauvorhaben fallen. Ein Investor scheint bereits gefunden, zum Jahresende könnte es so weit sein, dass die 15 Kleingärten der Kolonie Rosengrund in Kirchrode geräumt werden. „Für mich und meine Familie ist das ein tiefer Einschnitt“, sagt Grunt.

Platz für 1000 Wohnungen

Die Stadt braucht Bauland, und zwar dringend. Hannover wächst rapide, der Wohnungsmarkt ist angespannt. Aber die Verwaltung geht jetzt nicht mehr nach der Holzhammermethode vor, nach der sie 1000 Parzellen von der Stadtkarte streichen wollte. In langwierigen Verhandlungen ist es Umweltdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) gelungen, einen Kompromiss mit dem Bezirksverband der Kleingärtner zu finden. 813 Gärten entfallen und werden zu Bauland. 1000 Wohnungen sollen entstehen, möglicherweise sogar mehr. „Das hängt von der Bebauungsdichte ab“, sagt Schostok.

Nur an vier Standorten wurde Veto eingelegt

Betroffen sind neben der Kolonie Rosengrund rund 200 Gärten am Vinnhorster Weg, weitere Parzellen an der Schweriner Straße in Kleefeld, Teile der Kolonien nördlich der Lathusenstraße , Gärten am Klaus-Bahlsen-Weg , am Sportpark Misburg , in Hainholz , nahe der MHH und am Medical-Park in Groß-Buchholz. Die Zustimmung vom Kleingartenverband und von den Vereinen vor Ort hat die Stadt bereits eingeholt. Nur an vier Standorten haben die Kleingärtner ihr Veto eingelegt: in Kirchrode (Büntekamp II), in Vahrenwald (im Othfelde), in Bothfeld (Vor der Großen Heide-Nord), in Kleefeld (Lathusenstraße-Alte Treue).

Den betroffenen Pächtern bietet die Stadt Ersatzgärten auf Flächen, die nicht weit vom alten Grund entfernt liegen sollen. „Für mich ist das keine Option“, sagt Grunt. Seine Tante, die Pächterin, sei schon sehr alt. Zwar besuche sie den Garten noch häufig, und auch die Enkelkinder tollten auf dem Rasen herum, doch ein Neustart komme nicht infrage, sagt der 61-Jährige. „Seit 1937 ist der Kleingarten im Familienbesitz“.

Neue Kleingärten sollen entstehen

Wie Grunt dürfte es vielen Hobbygärtnern in der Kolonie an der Lange-Feld-Straße gehen. „Die Kleingärtner im Rosengrund sind alle miteinander befreundet“, weiß Vereinschef Rüdiger Höppner. Er vermutet, dass die Pächter gemeinsam umziehen wollen. „Wir haben zwar noch Flächen frei in anderen Kolonien, aber nicht mehr 15 nebeneinander.“

Jetzt muss die Stadt Grundstücke finden, auf denen sich vertriebene Kleingärtner niederlassen können. Gesetzt ist eine Brache an der Zuschlagstraße in Bemerode. Sie gehört der Immobilienfirma Vogt & Waag, die nach dem Grundstückskauf alle Kleingärten planiert hatte und darauf spekulierte, dass die Stadt das Areal zu Bauland erklärt. Für die Stadt ist klar: Dort sollen wieder Kleingärten entstehen.     

Kommentar: Knoten durchschlagen

Sollten sich drei Jahre Streit und gegenseitige Vorwürfe tatsächlich in einem sinnvollen Kompromiss aufgelöst haben? Was haben sich Kleingärtner und Stadtverwaltung nicht alles an den Kopf geworfen.

Kein Wunder: Kleingärten sind ein hoch emotionales Thema. Wer ein Grundstück aufgeben soll, das er über Jahre, teils Jahrzehnte im Wortsinne beackert hat, der ist bereit, auf die Barrikaden zu gehen. Nicht zu unterschätzen ist, welche argumentative Kraft die Wut von bis zu 20.000 Kleingärtnern bei Kommunalpolitikern auslösen kann – da hat der schlitzohrige Kleingärtnerpräsident Rädecker durchaus gut kalkuliert und seine Verhandlungsposition mit kraftvollen Worten gestärkt.

Auf der anderen Seite dürfte auch beim Letzten angekommen sein, dass Hannover eine wachsende Stadt ist. Überall entstehen neue Wohngebiete – was liegt näher, als auch bei den Kleingartenanlagen durch sinnvolle Neuorganisation Flächenreserven zu mobilisieren.

Die Unterhändler der Kleingärtner haben großzügige Unterstützungen ausgehandelt, die manch einen Umzug oder manch eine Aufgabe aus Altersgründen beschleunigen dürfte. Es sieht so aus, als sei ein Kompromiss gefunden, von dem alle profitieren.     

Von Conrad von Meding

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