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Aus der Stadt Stein für Stein ein Stückchen Stadt
Hannover Aus der Stadt Stein für Stein ein Stückchen Stadt
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15:30 26.10.2015
Von Simon Benne
Jeder packt mit an: Firmenchef Lorenz Hansen (links) auf der Baustelle in Ahlem. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Drinnen türmen sich Dämmwollstapel, draußen rattert der Elektrohammer, und auf den Rasen legt sich leise der Baustellenstaub. Ein Prokurist schaufelt am Kellereingang, Bürokräfte reißen Mauern ein. „Ich selbst werde nächste Woche die Wände malern“, sagt Lorenz Hansen, Chef des Immobilienunternehmens Gundlach.

Die Firma feiert derzeit ihr 125-jähriges Bestehen, und sie feiert es mit einem ungewöhnlichen Projekt: Jeder der 170 Mitarbeiter packt eigenhändig beim Umbau des Einfamilienhauses mit an, das Gundlach in Ahlem gekauft hat. Wenn alles fertig ist, darf die Arbeits- und Sozialberatungs-Gesellschaft (ASG) den Bau an der Wunstorfer Landstraße fünf Jahre lang mietfrei nutzen – als Beratungsstelle für Flüchtlinge.

Sozial, ökologisch, auf Nachhaltigkeit bedacht – so präsentiert sich Gundlach im Jubiläumsjahr. Rund 4000 Wohnungen gehören dem Unternehmen. Dazu verwaltet Gundlach rund 2000 Einheiten, außerdem fungiert die Traditionsfirma als Bauträger und klassisches Bauunternehmen. Und Gundlach wächst: „Im vergangenen Jahr haben wir 20 neue Mitarbeiter eingestellt, unser Bürohaus platzt aus allen Nähten“, sagt Lorenz Hansen, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt. Hannover wächst auch, und es gibt kaum eine Firma, deren Geschicke immer so eng mit den Geschicken der Stadt verbunden waren wie die Gundlachs.

„Würde man jeden Gundlach-Bau auf einem Stadtplan mit Stecknadeln markieren – die Karte wäre übersät davon“, sagt der Historiker Klaus Mlynek. Der langjährige Stadtarchivar hat in dreijähriger Forschungsarbeit die Firmenchronik „Unternehmensgeschichte und Stadtgeschichte – 125 Jahre Gundlach in Hannover“ geschrieben. Seniorchefin Ursula Hansen hat dazu ein Kapitel über die Historie der Familie beigesteuert: „Das Buch soll ein Vermächtnis für Familie und Mitarbeiter sein“, sagt sie. Der prächtig illustrierte Band, erschienen im renommierten Wallstein-Verlag, erzählt kenntnisreich, wie der Mecklenburger Maurermeister Friedrich Gundlach 1890 in der expandierenden Stadt Hannover seinen Betrieb gründete. Und er erzählt, wie Gundlach das Gesicht der Stadt seither prägte.

„In den Zwanzigerjahren baute Gundlach viele der Klinkerbauten in der Südstadt“, sagt Mlynek. Beim Bau des Anzeiger-Hochhauses war die Firma ebenso beteiligt wie beim DGB-Haus oder der Stadionsporthalle, beim Wiederaufbau von Landtag, Oper und Kestner-Museum. „In Hannover wurde jede zehnte Wohnung zwischen 1945 und 1970 von Gundlach gebaut – rund 15 000 Stück“, sagt Mlynek. Auch der Auftrag für das Ehrenmal am Maschsee-Nordufer ging nach dem Krieg an das Unternehmen: „Die Firmenchefs“, sagt Mlynek, „hatten sich in der NS-Zeit eine weiße Weste bewahrt.“

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