Wie berichtet, hatte die für den 200 Millionen Euro teuren Umbau zuständige Centrum Grundstücksgesellschaft am Donnerstag auf Anfrage mitgeteilt, dass sich die Bauarbeiten um mehr als fünf Monate verzögern werden. Der Rohbau des Kröpcke-Centers soll anders als geplant nicht bereits im Oktober, sondern erst im März 2011 abgeschlossen sein. Das kommende Weihnachtsgeschäft wäre demnach ein zweites Mal von den Bauarbeiten beeinträchtigt.
Die City-Gemeinschaft, die mehr als 100 Einzelhändler vertritt, wurde nach eigenen Angaben von der Nachricht „negativ überrascht“. In der Ständigen Konferenz Innenstadt, bei der die City-Gemeinschaft, Vertreter der Stadtverwaltung und andere Anlieger regelmäßig zusammenkommen, sei laut Prenzler lediglich von einer winterbedingten Verzögerung die Rede gewesen. „Das lag noch im Bereich von Wochen, dafür hatten alle Verständnis“, sagt er. Die jüngsten Angaben des Düsseldorfer Unternehmens bereiten den Händlern in den umliegenden Gebäuden inzwischen jedoch Sorgen. „Was da jetzt skizziert ist, klingt ja noch viel schlimmer“, sagt Prenzler. Auch die städtische Bauverwaltung habe bisher niemanden informiert.
Einzelne Händler können die Auswirkungen des Umbaus bereits in Verlusten beziffern. So seien wegen der riesigen Baustelle auf der Karmarschstraße in Richtung Platz der Weltausstellung deutlich weniger Passanten unterwegs. Die Umsätze sind nach Angaben einiger Händler in einigen Bereichen um bis zu fünf Prozent gesunken. „Wir müssen sehen, dass wir mit guten Angeboten dagegenhalten“, sagt etwa Kurt Prenzler von der Parfümerie Liebe.
In der Buchhandlung Schmorl & von Seefeld nahm man die Neuigkeiten von der Verzögerung vergleichsweise gelassen. „Natürlich ist die Baustelle ein Störfaktor, weil sie das Stadtbild verändert und der Lärm der Presslufthammer bisweilen bis in unsere Büros dringt“, sagt die stellvertretende Filialleiterin Tina Frey.
Besonders hart trifft die Bauverzögerung kleinere Händler wie Ilze Rodewald, die einen Kiosk am Kröpcke betreibt. Nachdem ihre Bude wegen der Baustelle im Oktober beinahe von dem zentralen Platz weichen musste, hatte sie nach öffentlichen Protesten doch noch eine Nische zugewiesen bekommen. Jetzt fürchtet Rodewald, dass der bereits komplett geplante neue Kiosk durch die Verzögerungen erst einmal nicht realisiert werden könnte. „Das bedeutet für mich, dass ich in die als Provisorium gedachte Bude noch einmal investieren muss“, sagt sie.
Viele Innenstadtbesucher nahmen die Nachricht von den Bauverzögerungen besorgt zur Kenntnis. „Das Kröpcke-Center wäre ja nicht die erste Bauruine, die wir in Hannover haben“, sagte etwa Detlev Dannenfeld in Anspielung auf den anhaltenden Baustopp im Lindener Ihme-Zentrum.
Dany Schrader und Stephan Fuhrer
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