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Befreier kommen für viele zu spät

HAZ-Serie „Aufbruch 1945“ Befreier kommen für viele zu spät

Nirgends wird das Kriegsende so sehr als Befreiung empfunden wie in den Konzentrationslagern. Allerdings sind die hannoverschen Lager in Stöcken, Ahlem, Limmer, Misburg und Mühlenberg beim Einmarsch der Amerikaner am 10. April größtenteils geräumt.

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„Lebende Skelette am Wegrand“: Amerikanische Soldaten befreiten das KZ Ahlem – der GI Vernon Tott machte dabei diese Aufnahme.

Quelle: privat

Hannover. Die Nazis hatten viele der Häftlinge auf Todesmärschen nach Bergen-Belsen getrieben und andere an Ort und Stelle ermordet. Die befreiten Überlebenden werden von den US-Truppen verpflegt und medizinisch versorgt. Ein amerikanisches Filmteam macht Aufnahmen von den rund 250 ausgezehrten Menschen, die in Ahlem hinter elektrischem Stacheldraht zurückgeblieben waren. „Uns bot sich ein Bild des Grauens“, erinnert sich eine Frau aus Ahlem später. „Wir sahen lebende Skelette am Wegesrand sitzen.“

Zahlreiche Häftlinge fallen noch nach der Befreiung den Folgen von Hunger und Misshandlungen zum Opfer: Von den KZ-Insassen, die ins Heidehaus und ins Krankenhaus Siloah gebracht werden, sterben 51 nach wenigen Tagen.

Wenige Tage zuvor hatte die Gestapo ein Massaker angerichtet: Mehr als 150 Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wurden am 6. April, als die Amerikaner schon die Weser überschritten hatten, auf dem Seelhorster Friedhof erschossen und verscharrt. Als die Alliierten davon erfahren, zwingen sie am 2. Mai Nazis, die Toten zu exhumieren. Bürger müssen sich in den Trauerzug einreihen: Auf 15 Lastwagen werden die Leichen zum Ehrenfriedhof am Maschsee gefahren und dort würdig bestattet. Die Wagen sind mit weißen Fliederblüten geschmückt. Der Massenmord erschüttert die Bevölkerung. Oberbürgermeister Gustav Bratke bezeichnet die Erschießungen als Tat, die „in der langen und bewegten Geschichte Hannovers wohl einzig dasteht“.

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1. Das Leben
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