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Aus der Stadt Normale Ärzte mit Behinderten oft überfordert
Hannover Aus der Stadt Normale Ärzte mit Behinderten oft überfordert
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08:32 19.01.2017
Von Bärbel Hilbig
Hoffen auf das Zentrum: Facharzt Stephan Martin, Anne und Elisabeth Geuer, Anette Leischel. Foto: Franson Quelle: Samantha Franson
Hannover

Wenn Elisabeth Geuer ins Krankenhaus oder zu einem Facharzt gehen muss, bekommt sie meist Probleme. Die 21-Jährige sitzt im Rollstuhl, weil sie mit Spina bifida, einem offenen Rücken, geboren wurde. „Ärzte können sich nicht mit jeder Behinderung auskennen. In meinem Körper sieht manches anders aus als gewohnt“, stellt die junge Frau mit Querschnittslähmung fest. Dass Mediziner dann erschrecken, hat Elisabeth Geuer mehrfach erlebt. Wenig beruhigend, wenn man selbst krank auf dem Behandlungstisch liegt.

Um so dringender wäre ein spezialisiertes Behandlungszentrum für erwachsene schwer mehrfach oder geistig Behinderte. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gibt es ein solches Angebot in Form der sozialpädiatrischen Zentren (SPZ) seit vielen Jahren. Erwachsene müssen sich immer noch behelfen, obwohl das Bundessozialgesetzbuch seit 18 Monaten Medizinische Zentren für Erwachsene mit Behinderung (MBEZ) vorschreibt. Der Gesetzgeber hat damit auf die längst veränderte Situation reagiert. „Früher haben viele von Geburt an Behinderte das Erwachsenenalter nicht erlebt“, erklärt Orthopädiefacharzt Stephan Martin vom Annastift. Die Lebenserwartung von Menschen mit Downsyndrom betrug 1960 im Schnitt rund 21, heute 60 Jahre.

Das Annastift vom Verbund Diakovere hat deshalb nach der Gesetzesänderung zügig ein Behandlungszentrum für erwachsene Behinderte vorbereitet. Bereits für einen Start am 1. April 2016 bekam das MBEZ eine Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung. Ärzte aus fünf Fachrichtungen, Therapeuten und ein Fallmanager sollen dort Patienten behandeln und beraten. Seit einem Jahr ziehen sich allerdings die Verhandlungen mit den Krankenkassen zur Kostenübernahme hin.

50 Prozent weniger Vergütung

„Es ist unverständlich, dass man uns trotz der langen Erfahrungen mit den SPZ für Kinder nicht einmal diese Vergütung zugesteht, sondern rund 50 Prozent weniger“, sagt Carsten Riedel, Geschäftsführer im Diakovere-Annastift. Der Klinikverbund hat deshalb eine Schiedsstelle angerufen und hofft auf Klärung innerhalb der nächsten Wochen.

Allein schon das Zeitbudget bei einem niedergelassenen Arzt reicht durch die Fallpauschalen meist für die Behandlung von Behinderten nicht aus. Und auch Krankenhäuser sind oft nicht auf diese Patienten eingestellt, berichtet Anette Leischel. Ihr Sohn Sebastian reagiert auf Fragen nur mit winzigen Bewegungen. Anette Leischel begleitet Sebastian zu jeder Untersuchung. Blutdruckmanschetten und viele andere Instrumente für Erwachsene eignen sich für den nur 34 Kilo schweren 21-Jährigen nicht. Doch er ist auf regelmäßige Besuche bei mehreren Fachärzten angewiesen Erreichbar sind die meisten Praxen für Rollstuhlfahrer allerdings nicht. „Wenn wir mit einem Besuch in einem Zentrum alles erledigen könnten, wäre das eine große Erleichterung“, sagt Anette Leischel.

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