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Aus der Stadt Behörden machtlos gegen Messis in Müllhaus
Hannover Aus der Stadt Behörden machtlos gegen Messis in Müllhaus
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00:15 13.04.2017
Von Conrad von Meding
Die Stadt hat die Büsche zwangsbeschnitten, der Müll aber ist geblieben. Quelle: Franson
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Hannover

Es ist der Horror jedes Hausbesitzers: Im Nachbarhaus wohnen Messis, und keine Behörde kann helfen. „Im Sommer stinkt es nach Aas, der ganze Garten ist voller Fliegen, der Müll türmt sich“, sagt Anwohnerin Katrin Weihkopf. Zahlreiche Ämter bestätigen der HAZ, dass sie das Haus beobachten, es gibt Unterschriftensammlungen und inzwischen einen Zivilprozess. Doch allen Behörden scheinen die Hände gebunden. „Das bloße optische Erscheinungsbild mag haarsträubend sein, das ist rechtlich jedoch nicht relevant“, bedauert Stadtsprecher Udo Möller. Immerhin: Der Fachbereich Öffentliche Ordnung versucht jetzt, wenigstens wegen der Rattenplage erneut einzuschreiten.

Eigentlich ist es eine Errungenschaft des Rechtsstaats: In Deutschland kann jeder auf seinem Grundstück machen, was er will, solange er die öffentliche Ordnung nicht gefährdet. Die Region etwa als Abfall- und Grundwasserschutzbehörde hat das Vinnhorster Grundstück begutachtet und festgestellt, dass das Grundwasser und die Umwelt nicht gefährdet seien. Damit verbiete sich zwar Behördenhandeln, sagt Sprecherin Sonja Wendt. Man sei aber weiter aktiv, weil eine neue Anzeige eingegangen sei.

„Palette von Ämtern“ ist aktiv

Bei der Stadt kann Sprecher Udo Möller aufzählen, welche Ämter sich gekümmert haben. „Die Palette reicht vom Fachbereich Tiefbau wegen des Fußwegs über Aha wegen der Vermüllung bis zum Sozialpsychiatrischen Dienst der Region. Auch der Kontaktbeamte der Polizei und die Bezirksbürgermeisterin sind bereits tätig gewesen.“

In dem Haus leben eine Mutter und ihre volljährige Tochter. Die langjährige Nachbarin Karin Herrmann berichtet, dass sich die Problematik in Grenzen hielt, solange die Großmutter noch lebte: „Sie hat sich gekümmert und offenbar für Stabilität gesorgt.“ Vor ein paar Jahren aber sei die Seniorin gestorben, seitdem liefen die Dinge sichtbar aus dem Ruder. Nachdem sich 40 Quartiersbewohner mit Unterschriften an Bezirksbürgermeisterin Edeltraud Geschke gewandt hatten, versuchte diese, bei Ämtern Druck zu machen. „Alle leiden unter der schlimmen Situation“, sagt Geschke. „Es ist ein echtes Dilemma, dass niemand helfen kann.“ Sie habe versucht, Kontakt aufzunehmen, doch es habe niemand geöffnet. Ähnlich ging es dem örtlichen Schiedsmann. Auch der HAZ wurde die Tür vor der Nase zugeschlagen, ein Rückruf der Bewohner erfolgte nicht.

Während der rückwärtige Garten meterhoch und dicht mit Bäumen und Büschen bewachsen ist, zwischen denen sich Unrat stapelt, sind im Vorgarten fast kunstwerkartig Objekte angeordnet, die andere Menschen längst weggeworfen hätten. Die Stadt hat den komplett zugewucherten Fußweg gerade freigeschnitten, sodass die ganze Pracht sichtbar ist - und jetzt auch die Ratten zu sehen sind, die aus ihren Löchern gucken. Nachbarin Weihkopf hat die unhygienischen Zustände gefilmt.

Die Stadt hofft jetzt, über diesen Hebel Bewegung in die Sache zu bringen. Schriftlich hat sie die Bewohnerinnen aufgefordert, die Schädlinge zu bekämpfen. Kommen sie dem nicht nach, könne man kostenpflichtig selbst einen Rattenbekämpfer schicken.

Anwohnerin Weihkopf, die mit Ehemann und dreijähriger Tochter neben dem Haus wohnt, hofft, dass ihre Nachbarinnen irgendwann ein Einsehen haben. Selbst ein Zivilprozess habe nichts genutzt, weil die Bewohnerinnen die Gutachter nicht aufs Grundstück gelassen hätten. „Gegenüber ist der Spielplatz, die Kinder verstecken sich manchmal im Unrat - diese Situation hier ist wirklich nicht mehr zumutbar“, sagt sie. Sie ahnt: Wegziehen kann ihre Familie kaum. Wer will schon ein Reihenhaus in dieser Nachbarschaft kaufen?

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