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Aus der Stadt Bei Chéz Heinz feiert Festival gegen Umzug
Hannover Aus der Stadt Bei Chéz Heinz feiert Festival gegen Umzug
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00:17 29.04.2017
„Tolle Rückungen“: Christian Sölter. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Wer kennt schon „I Will Always Love You“ von Dolly Parton? Sie hat den Song aber geschrieben und veröffentlicht - 18 Jahre bevor Whitney Houston ihn 1992 mit dem Film „Bodyguard“ bekannt machte. „Black Magic Woman“? Klar, Santanas großer Hit von 1970. An das zwei Jahre ältere Original von Fleetwood Mac erinnert sich kaum jemand. Manchmal muss eben aus Country erst Soul werden und aus Bluesrock Latin. Solche Cover-Versionen treffen zur richtigen Zeit den richtigen Ton. Andere Neuinterpretationen bleiben Fußnoten, Launen oder Experimente. Der hannoversche Club Béi Chéz Heinz, seit 1995 im Untergrund des Lindener Fössebads ansässig, widmet dem Phänomen schon seit über 20 Jahren ein eigenes Festival: das 11. Große April-Cover-Festival.

Schlager werden schön

Es ist in jedem Jahr das elfte Festival, so wie alle Veranstaltungen im Béi Chéz Heinz stets als die elften beworben werden. Das mag skurril erscheinen, ist im ehemaligen Fahrradkeller aber Programm. „Wir waren immer offen für schräge Ideen und Trash-Formate“, erklärt Geschäftsführer Christian Sölter. Er ist überzeugt: „Hannovers Musikszene wird durch solche bunten Tupfer erst richtig lebendig.“ Tatsächlich ist das Cover-Festival ein wenig zum Jahrmarkt lokaler Bands geworden. 25 wurden in diesem Jahr ausgewählt - quer durch alle Genres. Egal ob sie Metal, Punk, Gothic, Grunge, Schlager oder irgendetwas dazwischen spielen: Jede Band bekommt drei bekannte Songs aus der Musikgeschichte zugelost, mit der Aufgabe, diese im eigenen Stil zu interpretieren.

„Unter den drei zugelosten Songs ist immer einer, mit dem man spontan etwas anfangen kann - und einer, den erst mal alle ganz schrecklich finden“, erklärt Stefan Henningsen. Er moderiert das Festival gemeinsam mit Sölter, ist aber auch als Sänger der Spielvereinigung Linden Nord dabei, jener Independent-Schlager-Band, die sich vor Jahren eigens für das Cover-Festival gründete. Daher weiß er auch: „Die Stücke, über die wir im Proberaum am meisten geflucht haben, sind beim Festival immer am besten angekommen.“

Schließlich besteht ein Teil des Vergnügens am Cover-Roulette aus Widersprüchen und gebrochenen Erwartungen. Oft hören die Musiker bei den Songs zum ersten Mal genau hin. Sölter erinnert sich: „Mit meiner Band musste ich mal ,Immer wieder geht die Sonne auf’ von Udo Jürgens covern, dabei habe ich den erst richtig schätzen gelernt.“ Er schwärmt: „Wunderschöne Arrangements, tolle Rückungen, die Refrains gut vorbereitet - wirklich ein super Song.“ Wie sich zum Beispiel die Punkrocker Fat Belly oder die Grunge-Band Candy Trip Down in diesem Jahr am zugelosten Material abarbeiten werden, weiß noch keiner. „Aber ich habe neulich im Nachbarproberaum zufällig gehört, wie Candy Trip Down ein paar Töne aus Billy Joels „Moving Out“ ausprobierten - vielversprechend“, sagt Henningsen.

Auch auf Cover-Versionen von Furys „Won’t Forget These Days“ oder Mireille Mathieus „Akropolis Adieu“ darf man gespannt sein. Gemeinsam ist allen Songs das Jahresmotto: „Time To Say Goodheinz“. „Aufgrund der unsicheren Zukunft des Ladens haben wir uns für Abschiedslieder entschieden“, erklärt Henningsen. „Das heißt natürlich nicht, dass wir uns mit irgendwas abgefunden hätten“, betont Sölter.

Hoffnung auf längere Bleibe

Weil der Sportausschuss bei der Neuplanung des Fössebads offenbar vergessen habe, dass sich im Keller ein wichtiger Standort für Musikkultur entwickelt habe, müsse man umso deutlicher darauf aufmerksam machen, dass gewachsene Szenestrukturen nicht mal eben woanders neu etabliert werden können. Man verhandle jetzt über eine Verlängerung des Pachtvertrages bis zur Fertigstellung des neuen Bades. Erst mal werde man aber weiter am gewohnt eigenwilligen Programm arbeiten. Die 75 Abschiedssongs des Festivals versteht man im Béi Chéz Heinz eher als Demonstration eigener Stärke: maximale musikalische Vielfalt.

Das Cover-Festival: Am Freitag, 28. April, und am Sonnabend, 29. April, jeweils ab 20 Uhr.

Von Thomas Kaestle

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