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Jetzt werden die Linden gekappt

Baumschnitt im Berggarten Jetzt werden die Linden gekappt

Die Baumallee im Berggarten ist seit gut einem Jahr weiträumig abgesperrt. Schuld ist der Juchtenkäfer, der sich in den Stämmen der 300 Jahre alten Linden eingenistet hat. Wegen des geschützten Insekts dürfen die morschen Linden nicht durch standfestere Exemplare ersetzt werden - und werden daher auf besondere Weise gekappt.

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Es geht los: Die Äste der morschen Linden werden abgesägt.

Quelle: Rainer Droese

Hannover. Bei den Besuchern des Berggartens dürfte er bisher nicht allzu populär gewesen sein. Der Juchtenkäfer, der sich in den Stämmen der historischen Linden eingenistet hat, ist der Grund dafür, dass die Baumallee seit gut einem Jahr weiträumig abgesperrt ist. Wegen des streng geschützten Insekts dürfen die fast 300 Jahre alten, morschen Linden nicht durch standfestere Exemplare ersetzt werden.

Um große Teile der Allee noch in diesem Jahr wieder begehbar zu machen, haben die Gärtner in Herrenhausen darum begonnen, die Linden auf besondere Weise zu kappen. „Das sieht schon sehr speziell aus“, gibt Herrenhausen-Chef Ronald Clark zu. Doch weil der Naturschutz es verlangt, macht das Garten-Management aus der Not eine Tugend: Den Juchtenkäfer gibt es fortan als Schokoladenfigur (für 1,95 Euro im Info-Pavillon am Großen Garten und im Shop des Schlosses) zu kaufen. Damit er bei den Besuchern bald besser ankommt.

Die Linden im Berggarten in Herrenhausen wurden gekappt. Wir haben die Baumpflegearbeiten begleitet.

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„Wenn man nicht bekommt, was man liebt, muss man lieben, was man bekommt“, zitiert Clark einen Wahlspruch der Kurfürstin Sophie. Er hofft, dass die Gäste im Berggarten auch die arg gestutzten Linden lieben werden. Denn viel ist von den stattlichen Bäumen nicht mehr übrig, nachdem die Säge angesetzt wurde. Die schweren Äste werden abgeschnitten, und die verbleibenden Stämme mit Masten gestützt. „Auf diese Weise wird die Allee für die nächsten 20 Jahre wieder standsicher und begehbar“, sagt Clark mit einem mutmachenden Unterton in der Stimme.

Der Baumschnitt hat begonnen, weil die ersten Juchtenkäfer Anfang Juli geschlüpft sind. Doch in den Linden wächst schon die nächste Käfergeneration heran. Darum gehen die Sägearbeiten nur sehr langsam voran. Denn immer, bevor ein Ast an einer der 130 Linden gekappt wird, ist eine aufwendige Prozedur nötig: Biologe und Käferexperte Peter Sprick von der Leibniz-Uni untersucht mit seiner Kollegin Julia Kuruppu jeden der Äste per Endoskop. Finden sie kein Anzeichen für eine Besiedlung mit Juchtenkäfern, kann gesägt werden. Entdecken sie aber den sogenannten Mulm, in dem sich die Larven wohlfühlen, entnehmen sie diesen vorsichtig und siedeln ihn in den hohlen Stamm um. Erst danach ist der Rückschnitt möglich.

Als erste sind die Bäume am Hauptweg zum Staudengrund an der Reihe, dann die Linden vor dem Berggartenzaun an der Herrenhäuser Straße. Im Anschluss stehen die wichtigsten Verbindungswege durch die Allee auf dem Plan. Wie lange zurückgeschnitten werden kann, hängt wiederum von den Käfern ab: Sobald sich der Nachwuchs verpuppt, müssen die Arbeiten wegen der empfindlichen Larven eingestellt werden. „Das wird im September so weit sein“, sagt Clark. Daher könne die gesamte Allee aller Voraussicht nach erst im Sommer 2016 freigegeben werden.

Die Schnittstellen an den Baumstämmen werden mit Gaze-Gewebe abgedeckt, um Eichhörnchen, Krähen oder Mardern den Zugang zu verwehren. Denn die würden sich die Käferlarven sonst gern schmecken lassen.

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