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Beim Drachenfest auf dem Kronsberg fehlt der Wind

Flaute am Himmel Beim Drachenfest auf dem Kronsberg fehlt der Wind

Es ist kein gutes Omen für ein Drachenfest, wenn die benachbarten Windräder stille stehen – wie an diesem Samstag auf dem Kronsberg. In Reih und Glied sind sie aufgebaut, die leuchtend bunten Banner und die aufgestellten Drachen. Doch am Himmel ist nicht viel los. 

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Für einige Drachen reichte der schwache Wind dann doch aus. 

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Immer wieder stürmen Kinder los, so wie die sechsjährige Pauline Hilker, um ihre Frösche, Schmetterlinge oder Drachenschiffchen in die Höhe zu befördern. Das klappt dann auch für eine Minute – doch wenn die Atemluft knapp wird, segelt auch der Drachen wieder abwärts. Oma Marita Hilker (65) ist enttäuscht, hätte ihren eigenen Seidenschwanz und ihre Revolvertrommel auch gerne steigen sehen: „Aber vielleicht kommt ja noch etwas Wind auf.“

Die spektakulären Großdrachen wie Krokodil und Schlange, die bei den bisherigen 18 Drachenfesten auf der Kronsberger Allmende immer die Hingucker waren – sie fehlen heute. „Aber lieber wenig Wind und Sonne als Starkwind und Regen“, meint Bruno Hecht, 1. Vorsitzender des Drachenclubs „Hannover hebt ab“. Bei mildem Herbstwetter bummeln immer noch etliche Besucher über das weitläufige Gelände, widmen ihre Aufmerksamkeit auch gerne den eher unscheinbaren Modellen.

So schön Fliegen die Drachen am Kronsberg

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Stefan Niemeyer hat sich auf den Nachbau historischer Drachen aus Holz und Baumwolle spezialisiert. Sie dienten vor hundert Jahren zur Wetterbeobachtung, wurden zudem in den beiden Weltkriegen eingesetzt, um über eingebaute Sender Notrufe abgestürzter Piloten abzusetzen. Der Biplan-Drachen aus dem Jahre 1890, an dessen Nachbau Niemeyer mit seinem Vater um die 50 Stunden gebastelt hat, wiegt zweieinhalb Kilo: „Unter Windstärke 4 hebt der nicht ab.“ An diesem Sonnabend erreicht der Wind knapp ein Beaufort, also höchstens fünf Kilometer pro Stunde.

Kaum Gewicht auf die Waage bringen demgegenüber Ultraleicht-Drachen. Das 25 Jahre alte Modell von Carsten Raschke, ein Zweileiner, wiegt gerade einmal 180 Gramm. „Bei Wind ab Stärke 2 geht der dann aber auch schon kaputt“, weiß der 48-Jährige. Mit Ultraleicht-Vierleinern kann man ganz besondere Kunststücke vorführen, etwa seinen Drachen rückwärts fliegen lassen. Doch bei Windstille kommen auch die Leichtgewichte nicht in Gang. „Macht nichts“, lacht Raschke, „das Wichtigste an solchen Drachenfesten ist doch eh, dass man Gleichgesinnte aus halb Deutschland trifft.“

Drachenkekse zur Stärkung

Zu den wenigen Dingen, die an diesem Tag in Bewegung sind, zählen die 26 Windlaternen von Simone Schmidt. Den zarten Zylindern reicht ein Hauch, dann drehen sie sich im Kreis. Die 38-Jährige baut ihre luftigen Laternen selbst und stattet sie für dunkle Abende mit Beleuchtung aus: „Entweder verbaue ich LED-Lampen mit Batterie oder Solarleuchten.“ Die halten bis zu acht Stunden.

Eher unabhängig von kräftigem Wind sind auch die Anwohner aus der Nachbarschaft, die ihre Tischchen am Rand der Riesenwiese aufgebaut haben und Waren aller Art an Mann und Frau bringen wollen. Martin Schulze etwa offeriert „Honig vom Kronsberg“, der von seinen fünf auf dem Kamm angesiedelten Bienenvölkern stammt. Ein großes und ein kleines Glas gibt’s heute für sieben Euro, 30 Prozent weniger als sonst. „Das ist der Drachenfest-Rabatt“, lacht der 50-Jährige.

Bei jedem bisherigen Drachenspektakel dabei war Anwohnerin Steffanie Roegner, die zu den Ureinwohnern der Kronsbergsiedlung zählt. Gemeinsam mit Sohn Marc (15) vertreibt sie neben allerlei Trödel aus heimischem Haushalt auch Drachenkekse: „Die sehen fröhlich aus, lassen sich gut nebenbei essen und locken die Leute an unseren Stand“, erweist sich die 49-jährige Mama als Meisterin des Marketings. Geschäftsschädigend allerdings, das sagt sie mit Bedauern, sei der minimale Wind: „Dann kommen einfach weniger Leute zum Drachenfest.“

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