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Beim Festival-Einlass wartete die Polizei

Prozess um Ticketbetrug Beim Festival-Einlass wartete die Polizei

Hunderte von erwartungsfrohen Konzertbesuchern und Fußballfans schauten 2013 dumm aus der Wäsche: Sie hatten auf dem Internet-Verkaufsportal Ebay gefälschte Tickets gekauft. Jetzt sagten zehn Zeugen vor dem Landgericht Hannover aus, was das für sie bedeutet hat. 

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Diese Fans hatten in Scheeßel ihren Spaß – andere mussten nach Hause fahren.

Quelle: Sebastian Kahnert

Hannover. So war eine 16-Jährige aus Hameln gemeinsam mit ihrem 19-jährigen Freund 180 Kilometer weit gefahren, um das Hurricane-Festival in Scheeßel besuchen zu können - und wurde bei der Einlasskontrolle von der Polizei in Empfang genommen. „Sie war völlig aufgelöst“, erzählte die Mutter, die ihr die Tickets geschenkt hatte und vor der 12. Großen Strafkammer als Zeugin aussagte. Zwar klärte sich schnell, dass das junge Paar selbst Opfer von Betrügern geworden war, doch die 267 Euro Eintrittsgeld waren verloren - und die beiden fuhren total enttäuscht heim.

Die Hamelnerin und etliche andere Kartenkäufer trafen im Gerichtssaal erstmals auf die Männer, die sie betrogen haben. Auf der Anklagebank sitzen Olaf K. (51), Alen D. (39) und Jan-Sebastian L. (30). Verantworten müssen sie sich wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs sowie Urkundenfälschung in 355 Fällen. Die Verlesung der Anklageschrift am ersten Verhandlungstag hatte viereinhalb Stunden gedauert.

Wie die drei Männer bereits gestanden haben, ließen sie die Fälschungen in China fertigen. Um ihre Spuren beim Kartenverkauf zu verschleiern, benutzten sie Strohmänner aus Polen und Rumänien, die sie unter falschen Vorzeichen nach Deutschland gelockt hatten. Die Betrüger versprachen den eingereisten Mittelsmännern Arbeit und brachten sie dazu, eigene Konten zu eröffnen. Die dazugehörigen EC-Karten steckten sie in die eigene Tasche, wickelten ihre betrügerischen Kartenverkäufe schließlich über 15 fremde Konten und etliche Scheinadressen ab. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 61 500 Euro.

Ein 66-jähriger Rentner aus Dortmund erzählte dem Gericht, wie er 2013 über Ebay fünf Karten für das Open-Air-Festival „Rock am Ring“ erworben hatte - für günstige 400 Euro. Er bekam die Tickets per Nachnahme nach Hause geschickt, zahlte - und stutzte nach dem Öffnen der Post. Die Seriennummern auf den Eintrittskarten waren identisch, die Fälscher hatten sich nicht die Mühe gemacht, diese zu verändern. Der Versuch des Rentners, den Verkäufer unter der angegebenen Adresse in Recklinghausen zu erreichen, blieb ohne Erfolg: Telefon und Anschrift gab es nicht.

Viele der geschädigten Kartenkäufer schafften es zwar doch noch, das ersehnte Ereignis zu genießen: das Fußballspiel von 96 gegen Bayern München, das Bruce-Springsteen-Konzert in Hannover oder den Auftritt von Pink. Jedoch mussten sie meist sehr kurzfristig Ersatzkarten kaufen - und natürlich extra bezahlen. Ein Student aus Lemgo berichtete, dass er aufgrund zahlreicher Staus acht Stunden bis Scheeßel unterwegs gewesen sei und sich dann mühsam bei seinen Freunden das Geld für eine echte Eintrittskarte zusammenkratzen musste.

Immerhin konnte der Vorsitzende Richter Michael Schweigert den Zeugen eine frohe Botschaft verkünden: Die Betrugsopfer haben gute Chancen, ihr Geld zurückzubekommen. Im Rahmen eines Deals hat Alen D. die Hälfte des Schadens bereits beglichen, Rädelsführer Olaf K. hat dies in Aussicht gestellt. Die Absprachen zwischen den Verfahrensbeteiligten besagen, dass K. mit einer Haftstrafe bis zu vier Jahren und drei Monaten rechnen muss, D. mit bis zu vier Jahren und L. mit einer Bewährungsstrafe unter zwei Jahren.

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