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So macht Hannover Jagd auf Autoknacker

Eine Nacht mit der Einsatzgruppe So macht Hannover Jagd auf Autoknacker

Mal sind es organisierte Banden, mal Gelegenheitsdiebe: Eine Einsatzgruppe der Polizei macht in Hannover Jagd auf Autoaufbrecher und Fahrraddiebe.  HAZ-Redakteur Jörn Kießler war mit ihnen einen Nacht lang unterwegs. 

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Unterstützung für die Kollegen: Die beiden Zivilfahnder Stefan K. und Martin S. kommen zu einer Personenkontrolle an der Calenberger Straße dazu. Dort haben Beamte drei mutmaßliche Fahrraddiebe gestellt.

Quelle: Joern Kiessler

Hannover. Ein Funkruf wirft den Plan von Martin S. und Stefan K. an diesem Abend über den Haufen. Eigentlich sind die zwei Polizeikommissare mit ihrem zivilen Wagen auf dem Weg zurück nach Hainholz, um dort weiter unerkannt Streife zu laufen. Gerade als sie vom Weidendamm in die Kopernikusstraße abbiegen wollen, knackt es in ihrem Funkgerät. Die Fahndung nach einem Golf Cabrio geht heraus, der Fahrer soll betrunken sein. Und weil er zuletzt auf der Vahrenwalder Straße gesehen wurde, öffnet K. die Fahrertür einen Spalt, setzt das Blaulicht auf das Dach des Wagens und tritt das Gaspedal durch.

Eine Einsatzgruppe der Polizei macht Jagd auf Autoaufbrecher und Fahrraddiebe. HAZ-Redakteur Jörn Kießler war mit ihnen unterwegs. Eine Nacht mit
quietschenden Reifen, 
langem Warten und
 Galgenhumor.

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Wann immer es im Polizeikommissariat Nordstadt möglich ist, werden Beamte für die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) abgestellt. „In Zivil gehen die Beamten dann Streife, um Autoaufbrecher, Fahrraddiebe und andere Kriminelle auf frischer Tat zu ertappen“, sagt Dienstabteilungsleiter Helge Bauermeister. Für die Kontrollgänge suchen die Beamten sich Stadtteile aus, in denen zuletzt besonders viel aufgebrochen wurde. Wie jetzt in Hainholz. Doch zuerst müssen sich S. und K. um den eingegangenen Alarm kümmern.

Der Kampf gegen Autoaufbrecher 

Mit Martinshorn und durchdrehenden Reifen rast K. über die erste rote Ampel, lenkt den Wagen durch den Slalom von Baustellen auf dem Weidendamm und biegt am Ende der Straße in die Arndtstraße ab. Als die beiden Kommissare hinter der ersten Verkehrsinsel auf der Vahrenwalder Straße einen U-Turn gemacht haben, steht der gesuchte blaue Golf Cabrio vor ihnen an der Ampel. Als die auf Grün umspringt, müssen die beiden Polizisten jedoch zunächst untätig zusehen, wie das Auto bis zur nächsten roten Ampel über die Hamburger Allee schlingert. Erst dort schafft es K., dem Golf mit dem Dienstwagen den Weg abzuschneiden.

Mit einer Hand an der Pistole nähern sich die zwei Beamten dem Auto. Der Fahrer, ein 30 Jahre alter Iraner, bläst bei der anschließenden Kontrolle 1,37 Promille. Er ist so betrunken, dass er gar nicht realisiert, was passiert ist. Erst als K. und S. ihn mit auf die Wache nehmen, wird ihm klar, dass er seinen Führerschein eine Zeit lang verlieren wird. Das Aufnehmen seiner Daten, die Blutentnahme und die Strafanzeige gegen den Fahrer kosten die beiden Polizisten eine weitere knappe Dreiviertelstunde. Erst danach können sie sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: dem Kampf gegen Autoaufbrecher. Der wird noch einmal in dieser Nacht kurz unterbrochen, als eine Streife um Verstärkung bittet, die drei mutmaßliche Fahrraddiebe aufgegriffen hat.

Zwei unterschiedliche Tätergruppen 

„Wir wissen, dass es zwei unterschiedliche Tätergruppen gibt“, sagt K. Professionelle Banden, die der Organisierten Kriminalität zugeordnet werden, haben es vor allem auf teure Autos abgesehen. Diese werden entweder komplett gestohlen, oder es werden die darin verbauten Navigationsgeräte und Airbags mitgenommen. „Die Banden suchen sich vor allem ruhigere Gewerbegebiete aus, um zuzuschlagen“, sagt K. Ganz anders machen das Gelegenheitsautoaufbrecher. Sie schlagen meist in Wohngebieten zu, wo viele Autos geparkt werden. Dann werden mobile Navigationsgeräte, teure Sonnenbrillen oder Handys gestohlen, die der Fahrer unvorsichtigerweise im Auto gelassen hat. Viele dieser Täter kommen aus dem Drogenmilieu. „Auf dem Schwarzmarkt bekommen sie für die Ware gerade einmal ein paar Euro“, sagt S. „Aber das reicht meist für die nächste Konsumeinheit.“

Doch nicht nur die beiden Kommissare kennen ihre Klientel. Auch einige der Verbrecher haben die zivilen Beamten mittlerweile auf dem Schirm. „Natürlich gibt es Täter, die wir schon mehrfach aufgegriffen haben“, erzählt K. „Wenn die uns dann abends auf der Straße treffen, wissen sie auch, was wir da machen.“ Das spricht sich dann schnell in den betroffenen Kreisen herum. Die beiden Beamten sind dann „verbrannt“, wie es im Jargon heißt. An diesem Sonnabend haben zwei andere Kollegen, die zuvor auf Zivilstreife unterwegs waren, bereits dafür gesorgt. Als S. und K. gegen 23 Uhr durch Hainholz streifen, sind viele der Straßen, an denen sonst um diese Uhrzeit viel los ist, menschenleer. „Da waren die Kollegen wohl sehr gründlich“, sagt S. und muss lachen.

Humor ist wichtig 

Humor ist wichtig in dem Job. „Es ist nicht nur unheimlich schwierig, Autoaufbrecher oder Fahrraddiebe auf frischer Tat zu ertappen“, sagt S. „Oft sind sie kurz nach ihrer Verhaftung schon wieder auf freiem Fuß.“ Erst in der vergangenen Woche haben die beiden einen polizeibekannten Fahrraddieb festgenommen, weil ein Haftbefehl wegen einer alten Verurteilung gegen ihn vorlag. Als sie ihn stellten, hatte er schon wieder ein teures Rad bei sich, das nicht ihm gehörte. „Trotzdem war er noch am gleichen Tag wieder aus dem Gefängnis, weil seine Freundin die Ersatzleistung für seine 120 Tage Freiheitsstrafe gezahlt hat“, sagt S. „Das ist dann manchmal schon etwas deprimierend.“

Auch einen anderen Aspekt des Jobs nehmen die beiden gelassen. „Wir hören immer wieder von Bürgern, die Polizei würde zu wenig gegen Autoaufbrüche und Fahrraddiebstähle unternehmen“, sagt K. „Das liegt aber daran, dass man uns in Zivil nicht erkennt. Und das ist ja auch gut so.“ Auch wenn es manchmal zu skurrilen Situationen führen kann.

Als im vergangenen Winter Diebe immer wieder in Gartenlauben in Hainholz einbrachen, liefen Beamte in Zivil auch vermehrt Streife in den Kolonien. An einem Abend meldete ein Anwohner, er habe verdächtige Personen entdeckt. Die Beamten durchkämmten die Siedlung erfolglos, und bald wurde klar, warum, wie K. erzählt: „Der Mann hat gedacht, wir wären die Täter und hat deshalb die Polizei gerufen.“

Was gern geklaut wird – 
und wie man sich schützt

Tendenz steigend: Nachdem die Zahl der Autoaufbrüche im Gebiet der Polizeidirektion Hannover seit 2005 kontinuierlich gesunken war und 2012 mit 2658 Taten einen Tiefpunkt erreicht hatte, werden in den vergangenen Jahren wieder vermehrt Scheiben eingeschlagen und Autotüren aufgehebelt. Im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 3081 Aufbrüche. Auch 2015 setzt sich dieser negative Trend nach Erkenntnissen der Behörde fort.

Navis, Airbags, Handys: Je nach Tätergruppe haben die Aufbrecher andere Autos im Visier. Professionelle Banden suchen sich vor allem teure Autos, aus denen sie die eingebauten Navigationsgeräte und die Airbags stehlen. Gelegenheitsdiebe erbeuten meist arglos im Auto liegen gelassene Handys, mobile Navigationsgeräte oder teure Sonnenbrillen. Die Polizei mahnt daher alle Autofahrer, keine Wertgegenstände sichtbar in ihrem Auto liegen zu lassen.

Hilfe der Bürger: Entscheidend bei der Jagd nach Autoaufbrechern ist, dass die Täter möglichst auf frischer Tat und bevor sie ihre Beute wegschaffen können ertappt werden. Dafür braucht die Polizei die Mithilfe der Bürger. Wenn Sie einen Autoaufbruch sehen, zögern Sie nicht, den Notruf 110 zu wählen. Mit einer genauen Beschreibung der Aufbrecher können die Beamten die Täter später leichter finden und festnehmen.

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