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Aus der Stadt Rechtsradikaler Störer im Regionshaus
Hannover Aus der Stadt Rechtsradikaler Störer im Regionshaus
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00:15 03.12.2013
Von Gunnar Menkens
„Das alles ist nicht normal“: Ingrid Wettberg (Dritte v. r.) wurde auf dem Podium im Regionshaus Opfer des Rechtsextremen und seiner Pöbeleien. Quelle: Holland
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Hannover

Am Ende dieses Abends, der mit einer Podiumsdiskussion über den fortwirkenden Schatten des Nationalsozialismus begonnen hatte, wagte sich Ingrid Wettberg nihct alleine zu ihrem Auto. „Ich hatte einfach Angst“, sagte die Vorsitzende der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover. Während der Debatte wurde sie zur Zielscheibe eines Mannes, der sich hinten im Saal das Mikrofon geben ließ. Er sprach Wettberg mit „die Jüdin“ an und beschuldigte sie, Unwahrheiten zu sagen. Der Störer war Dirk H., der Kontakte zur rechtsradikalen Szene hat und bekannt war mit dem „Maschsee-Mörder“ Alexander K.

Eine Stunde vor dem Zwischenfall im Regionshaus hatte Ingrid Wettberg über jüdisches Leben in Hannover im Jahr 2013 erzählt. Es waren Szenen des Antisemitismus, die sie schilderte. Sie sehen gar nicht aus wie eine Jüdin, habe ihr eine ältere Frau einmal gesagt. Ein anderes Mal sollte sich die deutsche Staatsbürgerin Wettberg für die Politik Israels entschuldigen, so, als seien Religions- und Staatsangehörigkeit identisch. Sie hörte Leute sagen, dass nicht sechs, sondern bloß zwei Millionen Juden ermordet worden seien. Die Synagoge der Gemeinde ist mit schusssicheren Fenstern ausgestattet, Veranstaltungen werden durch Polizisten geschützt. Wenn unklar ist, welche Besucher kommen, mischen sich Beamte in Zivil unter die Leute. „Das alles“, sagte Wettberg, „ist nicht normal.“

160 Zuhörer verfolgten die Diskussion, darunter 40 Schüler. Wer sich diesen Alltag nicht vorstellen konnte, erlebte kurz darauf Rechtsradikalismus in Aktion. Jetzt ging es nicht um Studien, die regelmäßig zum Ergebnis kommen, dass um die 20 Prozent der Deutschen latent antisemitische Einstellungen haben. Jetzt stand dort ein Mann im gewöhnlichen Pullover und begann, Propaganda zu verbreiten. Regionspräsident Hauke Jagau griff entschlossen ein und erteilte Dirk H. Hausverbot. Dass der Störer den Saal kurz darauf erneut betreten und Richtung Podium laufen konnte, obwohl inzwischen drei Polizisten anwesend waren, kritisierte Jagau später: „Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen.“

Die Veranstaltung „Der lange Schatten von 1933“ beschäftigte sich mit der Frage, welche Bedingungen Nazis den Boden bereiteten - und was daraus für die Gegenwart zu lernen ist. Der Historiker Peter Longerich sagte, dass auch scheinbar stabile demokratische Systeme in Krisenzeiten „in wenigen Monaten umkippen können“. Rechtsextremismus sei besonders gefährlich, weil antisemitische und autoritäre Haltungen in der Mitte der Gesellschaft verbreitet seien. Wichtig seien: „funktionierende Parteien und Institutionen, eine freie Presse, Vereine und Verbände“. Jagau forderte auch Mut im Alltag ein: „Wenn jemand im Sportverein wegen seiner Hautfarbe beleidigt wird: Sag ich was oder nicht?“

Gegen den unerwünschten Gast im Regionshaus stellte Jagau Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs. „Wir lassen nicht zu, dass Veranstaltungen zur NS-Vergangenheit durch Rechtsextremisten gestört werden.“ Auch von Amts wegen erwarten Dirk H. laut Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen Beleidigung und Hausfriedensbruch. Ein Besucher der Veranstaltung will ebenfalls Strafantrag stellen. Dirk H. seinerseits stellte Strafantrag wegen Nötigung, eine Methode, die er angeblich öfter anwendet. Das in Berlin ansässige Jüdische Forum für Demokratie erklärte, der Vorfall stelle „einen weiteren Höhepunkt antisemitischer Übergriffe dar“. Im vergangenen Quartal habe es bundesweit 190 antisemitische Straftaten gegeben.

Dirk H. trat schon häufig in Aktion

Bei dem Störenfried im Regionshaus soll es sich nach HAZ-Informationen um Dirk H. handeln. Er gilt als rechtsradikal, gehörte aber nie zu der für ähnliche Aktionen bekannten Gruppe „Besseres Hannover“. H. ist mehrfach bei öffentlichen Diskussionen aufgefallen, die er durch Zwischenrufe und Pöbeleien zu stören versuchte. Er gilt als psychisch auffällig, kann daher für seine Taten
juristisch nicht ohne Weiteres belangt werden. Im November 2011 fiel H. in Bremen auf, als er vor der Bürgerschaftswahl die rechtspopulistischen „Freien Wähler“ unterstützte. Damals an seiner Seite: Alexander K., der seine rechtsradikalen Fantasien in Videos verpackte und diese ins Internet einstellte. K. wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, weil er im Oktober 2012 eine Prostituierte tötete und die zerstückelte Leiche in den Maschsee warf.

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