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Aus der Stadt Brauchen Hannovers Schulen Gebetsräume?
Hannover Aus der Stadt Brauchen Hannovers Schulen Gebetsräume?
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00:15 17.02.2016
Von Saskia Döhner
Gebetsräume in Schulen? In Hannover wird diese Frage um den Staatsvertrag mit muslimischen Verbänden laut. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Auch Karin Haller, Leiterin der Peter-Ustinov-Hauptschule, rät dazu, auf das Tragen religiöser Symbole zu verzichten, um andere nicht zu provozieren. Das betreffe eine muslimische Gebetsmütze ebenso wie ein christliches Kreuz um den Hals. „Ein Gebetsraum in der Schule kann spaltend sein“, sagt sie.

Befürworter der Räume wollen muslimischen Schülern die Chance geben, in würdevoller Umgebung ihre Gebete zu verrichten - nicht auf der Toilette oder unter der Treppe. Kritiker weisen darauf hin, dass sich Gebets- und Schulpflicht mitunter beißen. Zudem könnten sich andere Religionsgruppen diskriminiert fühlen, gerade wenn Mädchen und Jungen getrennt beten.

Räume für alle Religionen offen

Das Schulgesetz räumt Schulen schon jetzt die Möglichkeit ein, sogenannte „Räume der Stille“ einzurichten, in die sich Schüler und Lehrer zurückziehen, aber auch beten können. Grundsätzlich sollen diese Räume allen Religionsgemeinschaften gleichermaßen offenstehen. Allerdings sei es schwierig, einen Raum so zu gestalten, dass er für alle Weltreligionen, die an einer Schule vertreten seien, geeignet sei, heißt es vonseiten der Schulleiter.

Wie Pädagogen berichten, fragen immer wieder Schüler, ob sie vom Unterricht freigestellt werden könnten, um in die Moschee zu gehen. Schließlich müsse ein Moslem fünfmal am Tag beten. Schulleiterin Haller sucht in diesen Fragen immer wieder um Rat bei Imamen. Auch Peter Schütz von der Integrierten Gesamtschule Linden setzt lieber auf gemeinsamen Religionsunterricht als auf getrenntes Beten. So haben alle Schüler bis zur 10. Klasse zusammen Religionsunterricht und lernten Grundlegendes über Christen- und Judentum, Islam, Buddhismus oder Hindusimus gemeinsam.

"Zeitgemäßer Umgang mit Diversität und Inklusion"

Selbst Schulen wie die Freie Evangelische Schule in Bothfeld, an der tägliche Andachten üblich sind, achten auf eine ökumenische Gestaltung ihres Ruheraums, der hier „Oase“ heißt. Neben dem Kreuz steht dort der jüdische siebenarmige Leuchter, die Menora, auf der Fensterbank.

An der Universität Hannover gibt es seit 2013 einen „Raum der Stille“. „In einem auf Leistung getrimmten Wissenschaftsbetrieb, der durch zunehmende Beschleunigung geprägt ist, schafft der Raum der Stille eine Ruhezone“, sagt der dafür zuständige Ombudsmann, Prof. Hans Bickes. „Der Raum ist ein gelebter Ausweis für einen zeitgemäßen Umgang mit Diversität und Inklusion in der Hochschule.“ Genutzt werde er bislang hauptsächlich von muslimischen Gruppen, die früher unter unwürdigen Umständen, etwa im Keller oder unterhalb einer Treppe ihre Gebetsteppiche hätten ausrollen müssen, sagt Bickes. Maximal dreimal am Tag dürfen in dem Raum Andachten abgehalten werden, die jeweils nur 15 Minuten dauern. Manchmal beten in dem Raum auch Männer und Frauen getrennt, in der Mitte hängt ein Vorhang.

Bislang habe dies nicht zu Konflikten geführt, sagt Bickes. Man sei aber um Ausgleich bemüht. Zwar entspreche die Geschlechtertrennung nicht dem deutschen Verständnis von Gleichberechtigung, aber bislang habe es deswegen keine Beschwerden gegeben. Sobald dies der Fall sei, werde man sich um eine Lösung bemühen. Den „Raum der Stille“ grundsätzlich zu schließen, wie dies kürzlich die Uni Dortmund nach Konflikten getan hat, hält Bickes nicht für den richtigen Weg.

Andacht
in der Universität

Auch Hochschulen in Göttingen, Vechta, Oldenburg und Osnabrück haben einen „Raum der Stille“. In Lüneburg und Hildesheim ist er in Planung. Hochschulen seien ein Ort der Toleranz und Weltoffenheit, sagt Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). Sie wirbt für ein verständnisvolles Miteinander. „Die Einrichtung von Rückzugsräumen für Gebete und Meditation müssen die Interessen aller Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigen. Dazu gehört selbstverständlich auch der gleichberechtigte Zugang für Frauen und Männer.“ Von Konflikten bei der Nutzung dieser Räume sei bislang nichts bekannt.

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