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Aus der Stadt Bengalo-Zündler muss Bußgeld zahlen
Hannover Aus der Stadt Bengalo-Zündler muss Bußgeld zahlen
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00:19 13.09.2015
Von Michael Zgoll
Für das Zünden von Bengalos muss ein Student ein Bußgeld zahlen. Quelle: Jochen Lübke
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Hannover

Häufig schon hat die hannoversche Justiz versucht, die Bengalo-Zündler unter den hannoverschen Fußballanhängern zur Rechenschaft zu ziehen. Doch der Vorwurf einer gefährlichen Körperverletzung - oder des Versuchs einer solchen - lässt sich schwer belegen, die weitaus meisten dieser Fälle werden eingestellt. So setzte sich am Donnerstag auch ein Student erfolgreich gegen einen entsprechenden Strafbefehl von 600 Euro zur Wehr. Er wurde freigesprochen. Allerdings fand Amtsrichter Christoph Deubner einen anderen, bislang kaum genutzten Weg, dem Handfackel-Fan eine Strafe aufzubrummen.

Deubner erkannte auf einen Verstoß gegen die Niedersächsische Versammlungsstättenverordnung und belegte diese Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße von 300 Euro. Der 26-Jährige habe gegen den Paragrafen 35 zur Brandverhütung verstoßen. Dort steht, dass „das Verwenden von offenem Feuer, brennbaren Flüssigkeiten und Gasen, pyrotechnischen Gegenständen und anderen explosionsgefährlichen Stoffen“ in Sportstadien verboten ist. „Der Richter hat diesen Passus entdeckt, dagegen wird man sich nicht zur Wehr setzen können“, kommentierte Verteidiger Andreas Hüttl die Verhängung der Geldbuße. Die Zahlung der 300 Euro sei für seinen Mandanten aber alles andere als ein Pappenstiel, schließlich müsse der Student mit 400 Euro im Monat auskommen.

Temperaturen bis zu 2500 Grad

Der junge Mann hatte im November 2013 das Derby von Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig besucht. Um 21.50 Uhr zündete der vermummte Zuschauer auf dem Nord-Oberrang der HDI-Arena ein bengalisches Feuer und hielt den brennenden Stab in Hüfthöhe über die Balustrade. Das Abfackeln des magnesiumhaltigen Gemischs ist nicht ungefährlich, es entstehen Temperaturen bis zu 2500 Grad. Die Frage im Amtsgerichtsverfahren war, ob Funkenflug oder herabfallende Asche Zuschauer im Unterrang verletzen konnten.

Richter Deubner stützte sich bei seinem Freispruch vom Anklagevorwurf der versuchten Körperverletzung auf das Gutachten eines Experten aus Berlin. Der Leiter der Abteilung Pyrotechnik beim Bundesamt für Materialforschung und -prüfung hatte erläutert, dass es in Deutschland zugelassene Bengalos - mit CE-Kennzeichnung - und nicht zugelassene Bengalos gebe. Bei den zugelassenen fielen die Verbrennungsrückstände als feiner Aschestaub herunter, hier bestehe ab einem Meter Entfernung keine Gefahr mehr. Von den nicht zugelassenen Fackeln könnten zwar heiße Schlackebrocken herabfallen, jedoch seien diese ab einem Abstand von einem Meter höchstens noch warm. Man spüre diese Partikel zwar auf der Haut, ernsthafte Verbrennungen würden sie aber nicht verursachen. Die Distanz vom Ober- zum Unterrang in der HDI-Arena ist so groß, dass zwischen Balustrade und dem Kopf eines Zwei-Meter-Mannes immer noch 1,60 Meter Platz wäre - also keine Verletzungsgefahr besteht.

Laut Anwalt Hüttl, der auch Vorsitzender des Fanbeteiligungs- und Unterstützungsvereins von 96 ist, zünden die Fans seit der vergangenen Saison aber eh keine Pyrotechnik mehr - weder bei Heim- noch bei Auswärtsspielen.

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