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Beobachtungen vom ersten Tag der IAA

Eröffnung der Auto-Messe in Hannover Beobachtungen vom ersten Tag der IAA

Zwischen Connectivity und Bratwurst: Mm ersten Besuchertag der IAA-Nutzfahrzeuge gab es auf dem Messegelände einige Kuriositäten zu beobachten. So fand sich eine Gruppe Niederländer auf der "falschen" IAA.

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Selfie mit dem "Z-Truck": Auf der IAA gab es nicht nur spannende Autos zu beobachten.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Was ist das hier? Ein Friseursalon? Eine Frauenarztpraxis? Eine Designerstudentenwohnung? Eine Spielhallenzockerstation für Besserverdiener? Alles falsch. Es ist die Fahrerkabine eines Lastwagens. Es fehlen: Lenkrad, Beifahrersitz, Pritsche. Dafür gibt es: Joystick, Wellnesssessel, Küchenzeile, Dusche, Flachbild-TV und Platz zum Walzertanzen. Aber Achtung: „Das ist alles mit Pattex zusammengeklebt“, sagt Ingo Kröger.

Er ist „Kundenberater schwere Nutzfahrzeuge“ bei Iveco, und er ist genau der richtige Mann am richtigen Platz. Denn mit seiner freundlichen norddeutschen Schnoddrigkeit erdet er den Hype um das Fahrzeug mit der furchterregenden Ironman-Optik, das er den staunenden und wie wild fotografierenden IAA-Besuchern in Halle 16 erklärt.

Im Donnerstag öffnete die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) auf dem Messegelände. Als Star-Gast war der Musiker Peter Maffay dabei.

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Zu erklären gibt es genug, im „Z Truck“ haben die Entwickler mal alles reingepackt, was ihnen zur Zukunft des Fernfahrens eingefallen ist. 29 Patente, Erdgasantrieb und eine sogenannte „Mensch-Maschine-Schnittstelle“, die dem Fahrer Büro- und Küchenarbeit ermöglicht, während sein Brummi ihn über die Autobahn kutschiert. Maschine denkt, Maschine lenkt, Fahrer locht, Fahrer kocht. Autonomes Fahren - das große Thema der Messe. Aber wie Ingo Kröger schon sagt: Im „Z Truck“ ist alles nur Show, eine lackierte, zusammengeklebte Vision aus Ton. Aber wenn nicht hier, wo sonst?

Kröger ist der erfrischende Gegenentwurf zum üblichen PR-Sprech der IAA-Aussteller, wo es diesmal um Connectivity geht, um Usability, Productivity und Transformobility, und um Driving Intelligence bei der Mobility für die Future. Klingt toll für den Fachbesucher, den Auskenner und Geschäftsmann. Doch am ersten Besuchertag sind eben auch die anderen da. Die einfach mal gucken wollen. Und Selfies machen. Die die glänzenden Hightech-Monster einfach toll finden. Die die Komplettbox „Auf Achse“ im Schrank haben und Franz Meersdonk für den Rocky der Landstraße halten. Die mal hinterm Steuer des 5700 XE sitzen wollen und einfach mal alle Knöppe drücken, von dem der feuerrote US-Truck der Firma Western Star erstaunlich viele hat.

Auf der "falschen" IAA

Menschen, für die nicht alles ein Begriff ist hier und die hoffen, dass die Knorr-Bremse nicht so bremst wie sie klingt. Die im Scania Fashion Shop überlegen, ob sie das Kinder-T-Shirt mit dem LKW drauf für 12 Euro mitnehmen. Und die es lustig finden, wenn der Verkäufer der Ladeklappe BC 750 S2L immer und immer wieder zeigt, wie sie auf- und zuklappt und hoch- und runterfährt.

Am ersten Besuchertag sind aber auch Gerrit Welleweerd und seine fünf Brüder Johan, Bert, Jan, Henk und Derk Jan aus dem holländischen Zwolle da. Jedes Jahr machen sie einen gemeinsamen Ausflug. Dieses Mal sollte es die IAA sein. Allerdings gibt es ein Problem: „Wir dachten, es sei die andere IAA. Hier sind ja so viele Trucks“, sagt Gerrit. Egal, sie bleiben trotzdem. Die großen Brummer seien auch ganz schön, und heute Abend machen die Holländer in der Stadt Party.

Die Chance, Landsleute zu treffen, ist gar nicht so schlecht. Es ist das große internationale Schaulaufen einer grenzenlosen Branche. In Hannover macht man gern Halt. „Ich bin das zweite Mal hier. Tolle Stadt“, versichert die Schwedin Anna Axelson in seriöser Glaubhaftigkeit. Sie arbeitet für einen schwedischen Teilehersteller. Heute mal gucken, morgen Geschäftsleute treffen, das muss reichen. Der Rest geht über, klar, Connectivity.

Kleines Bier, großer Preis

Vieles ist groß, manches übergroß, einiges so groß, dass es nicht mal in die Hallen reinpasst wie die großen Kräne, die auf dem Freiplatz zum Größenvergleich antreten. Alles, was groß ist, zieht die meisten Blicke auf sich. Gefolgt von allem, was sich bewegt. Egal, ob auf Leinwänden oder bei der moderierten Show auf dem Außengelände vor Halle 26, wo man eine Fußballtribüne aufgestellt hat, damit Zuschauer mitfiebern können, wie ein E-Lastauto einen Container auf- und ablädt. Weniger fesselnd als das 96-Spiel gegen Karlsruhe ist es jedenfalls nicht. Aus unterschiedlichen Gründen.

Allerdings ist im echten Stadion die Bratwurst besser. Jedenfalls besser als die aus der Imbissbude vor Halle 17, deren Eatability sehr zu wünschen übrig lässt. Und wenn Papa und Sohn für eine Pepsi und eine Apfelschorle aus dem 0,2-Liter-Plastikbecher 6,20 Euro zahlen sollen, dann sollte wenigstens „Hey Boss, ich brauch’ mehr Geld“ in der Bude laufen.

Aber: Nicht ärgern. Sondern in Halle 22 gehen. Da steigt die Laune. Da schlägt das Herz. Das andere Herz dieser Messe. Da stehen die alten Böcke. Eine Hanomag-Zugmaschine von 1947, ein 57er Ford, ein roter Krupp Mustang und ein blauer Volvo, in dem man versucht ist, den abgeschnittenen Finger von „Theo“ Westernhagen zu suchen.

Oder der Gutbrod Atlas aus dem Jahr 1951. Das gute Stück wird nur noch von Rost zusammengehalten - und ist natürlich eine Riesenattraktion. Ein grauhaariger Herr im AC/DC-Shirt steckt den Kopf lange durch die offene Fahrerscheibe ins abgerockte Wageninnere. Dann grinst er: „Scheckheftgepflegt.“ Die Augen leuchten. Truckerfreuden. Was war noch mal Connectivity? Und wo ist eigentlich Gunter Gabriel, wenn man ihn braucht?

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