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„Haltung ist wichtiger als Herkunft“

Berliner Integrationsforscherin in Hannover „Haltung ist wichtiger als Herkunft“

Unter dem Titel "Integration in der postmigrantischen Gesellschaft" räumte die Berliner Professorin Naika Foroutan von der Humboldt-Universität mit vielen Vorurteilen auf. Der Vortrag fand im Rahmen der Migrationskonferenz im Neuen Rathaus statt.

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„Von einer Islamisierung unseres Landes zu sprechen, ist völlig unhaltbar“: die Berliner Professorin Naika Foroutan von der Humboldt-Universität.

Quelle: Kutter

Hannover. Das Flüchtlingsproblem nimmt in der Wahrnehmung der deutschen Bevölkerung übergroßen Raum ein, die Zahl der Muslime wird überschätzt, und die Ausgrenzung von Muslimen bedroht den Kern unserer Demokratie. Das waren einige markante Sätze aus dem faktenreichen Vortrag über „Integration in der postmigrantischen Gesellschaft“, den die Berliner Professorin Naika Foroutan im Rahmen der Migrationskonferenz im Neuen Rathaus hielt. Dabei räumte die Sozialwissenschaftlerin der Humboldt-Universität auch mit vielen Vorurteilen auf.

Derzeit leben knapp 82 Millionen Menschen in Deutschland. 16,5 Millionen (das sind 20,3 Prozent) haben einen Migrationshintergrund. Davon wiederum haben 9,2 Millionen die deutsche Staatsbürgerschaft, 7,3 Millionen sind Ausländer. 96,6 Prozent dieser Menschen mit Migrationshintergrund, so erläuterte die Wissenschaftlerin, leben in den alten Bundesländern – und nur 3,4 Prozent in den neuen Ländern.

Im Rahmen des städtischen Fests der Kulturen haben die Stadt Hannover und die Organisation Miso zur ersten Migrantenkonferenz in Hannover eingeladen.

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Dass der Kontakt zu Menschen anderer Herkunft in Deutschland vielerorts gelebter Alltag ist, zeigen andere Zahlen. 35 Prozent aller Deutschen, so Foroutan, hätten Verwandte mit Migrationsbezug. Im Freundeskreis und bei der Arbeit haben sogar mehr als 50 Prozent der Bevölkerung Kontakt zu Migranten. Ein großes Problem sei allerdings, so die 44-Jährige, dass es in Deutschland ganze Regionen gebe, die „desintegriert“ seien – auch weil hier so wenige Migranten leben würden. Um diese Regionen müssten sich Staat und Gesellschaft verstärkt kümmern.

„Inzwischen ist Haltung in der politischen Debatte oft wichtiger als Herkunft“, sagte die Integrationsforscherin. Dies werde deutlich, wenn sich ein Kölner Bischof mit Anti-Pegida-Demonstranten solidarisiere und ein türkischstämmiger Redner gegen Flüchtlinge hetze. Umfragen einer Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung hätten ergeben, dass die Bevölkerung den Anteil der Muslime in Deutschland weit überschätze. Tatsächlich würden derzeit rund fünf Millionen Muslime in Deutschland leben, das seien gerade einmal sechs Prozent der Bevölkerung. Zudem habe etwa die Hälfte dieser Muslime einen deutschen Pass. „Hier von einer Islamisierung unseres Landes zu sprechen, ist völlig unhaltbar“, erklärte die Sozialwissenschaftlerin.

Internationale Bands, Mode und jede Menge Kulinarisches aus der ganzen Welt bietet das städtische Fest der Kulturen auf dem Trammplatz.

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Trotzdem, so die Ergebnisse der Studie, würden weite Teile der Bevölkerung „Deutsch sein“ und „Muslim sein“ für unvereinbar halten. So ist das Tragen eines Kopftuchs für 37 Prozent der Befragten ein Ausschlusskriterium, um sich als deutsch bezeichnen zu dürfen. 57 Prozent der Studienteilnehmer meinten sogar, dass Muslime nicht den gleichen Zugang zu beruflichen Positionen haben sollten wie Deutsche. „Hier ist der gesellschaftliche Zusammenhalt bedroht“, sagte die Wissenschaftlerin, „hier geht es nicht nur um erfolgreiche Integration, sondern um einen Kampf für die Demokratie an sich“.

Auffällig ist, das zeigen die Forschungsergebnisse, dass unter den Helfern in der Flüchtlingsarbeit überdurchschnittlich viele Frauen sind – und auf den Pegida-Demonstrationen besonders viele Männer. Unter den Helfern seien insbesondere Studenten, Rentner und vor allem Berufstätige stark vertreten. „Die hängen an ihre 40-Stunden-Woche noch einmal 10 Stunden für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit dran“, sagte Foroutan. Die Reaktionen im Hodlersaal zeigten, dass die Zuhörerschaft das zu schätzen weiß.

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