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Bernd Ellerbrock entdeckt per Containerschiff die Welt

Weniger ist Meer Bernd Ellerbrock entdeckt per Containerschiff die Welt

Bernd Ellerbrock pfiff auf die Karriere als Staatssekretär im niedersächsischen Finanzministerium, um per Containerschiff die Welt zu entdecken.

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Landgang in Limmer: Bernd Ellerbrock im Café „Rossi“.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Wumms! Kurz vor St. Petersburg bleibt die „Helmut“ dann doch noch im dichten Packeis stecken. Passagier Bernd Ellerbrock steht bei minus 15 Grad im Schneegestöber draußen an Deck und denkt: „Was für ein Glück.“ Zwei Tage warten sie auf Reede (außerhalb des Hafens), bevor ein Eisbrecher der „Helmut“ den Weg bahnt.

Es sind mitunter Abenteuer wie dieses, für die der frühere Leiter der Haushaltsabteilung im niedersächsischen Finanzministerium seine Karriere in den Wind geschossen hat. 16 Jahre lang stellte er an der Spitze einer 80-köpfigen Mannschaft den Etat auf, bis er im vergangenen September im Alter von 57 Jahren kündigte. Daran hielt er auch fest, als ihm Rot-Grün nach der Landtagswahl den Posten des Staatsministers anbot. „Ich war des Politikbetriebs überdrüssig, nichts war mehr spannend für mich“, sagt er beim Treffen in seinem Lieblingscafé „Rossi“ in Limmer. Gleichzeitig lockte ihn seine Leidenschaft, das Fotografieren und Schreiben über Frachterreisen. Sieben waren es bisher, keine großen Überseetouren, sondern Fahrten auf der Nord- oder Ostsee nach Skandinavien und Osteuropa. Klar will er irgendwann auch einmal mit einem Bananendampfer nach Südamerika.

Bei Individualreisenden, die aufs Meer wollen, sind die Frachtertouren beliebt - mittlerweile kosten sie 70 bis 100 Euro am Tag. Aber stehen sie dann auch für echte Seefahrerromantik? Wie romantisch ist es an Bord? „Man muss schon der richtige Typ dafür sein“, sagt Ellerbrock. Statt Ausflüge, Animation und Acht-Gänge-Menüs wie auf einem Kreuzfahrtschiff üblich, bestimmen das Schiff und seine Ladung den Rhythmus. „Wer beim Verladen von Bord geht und nicht rechtzeitig wieder da ist, hat Pech gehabt - das Schiff wartet nicht.“ Ellerbrock schätzt das stundenlange Gucken aufs Meer, das nächtliche Verladen der Container, die Gespräche mit den Matrosen und Offizieren und mit dem Brummen der Motoren einzuschlafen.

Er weiß, dass man den Kapitän als Erstes mit „Klar! Aye, aye, Sir“ begrüßt, dass das Verladen der Container Präzisionsarbeit ist und die Matrosen aus Russland und den Philippinen keineswegs romantische Vorstellungen von der Seefahrt haben. In seinem Reiseführer „Auf Frachtschiffen unterwegs“ hat Ellerbrock seine Erfahrungen zusammengefasst. „Es ist gar nicht so einfach, sich von der Finanzsprache zu befreien“, sagt der Mann, den der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder 1990 als Referenten in die Staatskanzlei holte.

Später im Finanzministerium war der Abteilungsleiter dann auch mit dem Millionenetat für den Tiefwasserhafen Jade-Weser-Port betraut. „Da haben mir die Leute von der Hafenwirtschaft gesagt, ich solle doch mal mitfahren, damit ich ein Gespür für das Projekt bekomme.“ Das hat er dann eben getan.

Nächsten Freitag gibt es einen Diavortrag im Café „Rossi“, Weidestraße 6. Restkarten (8 Euro, inklusive Fischsuppe) sind unter kaffeebar-rossi@web.de erhältlich.

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