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Von Psychiatrie zu Psychiatrie

Beschuldigte im Mordfall Von Psychiatrie zu Psychiatrie

Die 17-jährige Yessica R. wird beschuldigt ihre 41-jährige Mutter erstochen zu haben. Auch zwei Tage nach ihrer Festnahme schweigt die Beschuldigte zu den Vorwürfen. Jedoch werden immer mehr Details über die turbulente Vorgeschichte des Mädchens bekannt.

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Es werden immer mehr Details über die Vorgeschichte der 17-jährigen Yessica R. bekannt.

Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Zwei Tage nach der Festnahme von Yessica R. hat das Mädchen sich noch immer nicht zu den Anschuldigen geäußert. Jedoch werden immer mehr Details über die Vorgeschichte der 17-Jährigen bekannt, die in der Nacht zu Dienstag in Laatzen ihre eigene Mutter erstochen haben soll. Demnach war die Jugendliche, die an einer geistigen Behinderung leidet und offenbar schon länger massive psychische Probleme hat, im vergangenen halben Jahr nicht mehr in der Schule. Stattdessen wurde sie offenbar von einer psychiatrischen Unterbringung in die nächste überwiesen und lebte zeitweise bei ihrem Vater in Rheinland-Pfalz. „In dieser Zeit muss Yessica komplett den Halt und die Orientierung verloren haben“, sagt Christine Gerhardt, die Leichtathletiktrainerin beim SVE Bad Fallingbostel, die Yessica mehrere Jahre betreute.

Yessica R. wurde am Mittwoch im Leine-Center von der Polizei festgenommen, die derzeit davon ausgeht, dass die Jugendliche für den Tod ihrer Mutter verantwortlich ist. Der Lebensgefährte von Rosalie R. fand die 41-Jährige am Dienstagmorgen tot in ihrer Wohnung am Händelweg in Laatzen. Die Frau hatte mehrere Stichverletzungen im Oberkörper. Nach Informationen der HAZ soll sie immer wieder Streit mit ihrer Tochter gehabt haben.

„Auch bei uns hat Yessica am Ende ein mulmiges Gefühl bei Mitschülern und Pädagogen hinterlassen, sodass der Einrichtung nichts anderes übrig blieb, als sie in die Obhut der Psychiatrie Lüneburg zu übergeben“, sagt Dieter Rupalla, Schulleiter der Förderschule Gutshof Hudemühlen in Hodenhagen. Im Mai 2015 musste Yessica R. dann die Förderschule und das Internat, in dem sie bis dahin wohnte, verlassen. „Seitdem hat sie nach meinen Informationen auch keine andere Schule und kein anderes Heim mehr besucht“, sagt Leichtathletiktrainerin Gerhardt. Wer sich in dieser Zeit um sie kümmerte, ist derzeit unklar. „Woran soll sich ein Mädchen mit einer geistigen Behinderung denn dann noch orientieren?“, fragt Gerhardt. Jugendliche wie sie bräuchten eine ganz individuelle Betreuung, durch die sie Halt finden könnten.

Den fand Yessica R. vor allem im Sport und in der Schule. „Hier zeigte Yessica bedingt durch die Motivationsspritze großes Engagement und Ehrgeiz“, sagt Rupalla. Vor allem in der Leichtathletik. Im Sommer 2014 gewann sie in Berlin die deutsche Meisterschaft über 1500 Meter und stellte dabei sogar einen neuen deutschen Rekord im Behindertensport auf. Über den Sport habe man die 17-Jährige erreichen und ihr Verhalten auch in anderen Lebensbereichen positiv beeinflussen können, sagt Gerhardt. Umso entsetzter sind Rupalla und Gerhardt daher auch über die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gegen das Mädchen.

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