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Rechtsextremismus

„Besseres Hannover“ von der Polizei ertappt

Von Vivien-Marie Drews

Beamte erwischen Rechtsextremisten bei Schmierereien in der Südstadt – und finden bei ihnen das „Abschiebär“-Kostüm
In einem Video vom Herbst 2011 reckt der „Abschiebär“ den Arm zum „Hitlergruß“.

In einem Video vom Herbst 2011 reckt der „Abschiebär“ den Arm zum „Hitlergruß“.

Hannover. In den Ermittlungen gegen die rechtsextremistische Gruppierung „Besseres Hannover“ ist die Polizei möglicherweise einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Beamte stellten am Donnerstagabend im Auto eines 19-Jährigen das Kostüm des „Abschiebärs“ sicher. Die rechtsextremistische Gruppe hatte das Kostüm in mehreren Videos verwendet, in denen sie Ausländer verhöhnt und deren Abschiebung verlangt hatte. Das Kostüm wurde sichergestellt.

Der 19-jährige Verdächtige stammt aus der Region Hannover. Gemeinsam mit sieben weiteren Männern und einer 21-Jährigen war er am Donnerstagabend am Bismarckbahnhof in der Südstadt aufgetaucht. Auf dem Vorplatz hinterließen sie mit Malkreide ihre einschlägigen Botschaften. Ein Zeuge wurde auf die ausländerfeindlichen Parolen aufmerksam und informierte die Polizei. Die überprüfte zunächst die Personalien der neun Beteiligten im Alter von 16 bis 30 Jahren, dann durchsuchte sie deren Fahrzeuge - und fanden in einem das „Abschiebär“-Kostüm.

Im vergangenen Herbst hatte „Besseres Hannover“ ein Video im Internet veröffentlicht, in dem zu sehen war, wie der „Abschiebär“ vor einem Dönerlokal in der Südstadt den Arm zum sogenannten Hitlergruß in die Luft streckte. Dabei handelte es sich ganz offensichtlich um eine Anspielung auf die bundesweite Mordserie der rechtsextremistischen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, deren Taten damals gerade bekannt geworden waren. Am Tag der Veröffentlichung erhielt die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan eine anonyme Mail mit einem Link zu dem Video. In dem Schreiben kündigten die Rechtsextremisten an, sie würden in Zukunft „eine neue Waffe“ zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele einsetzen. Der 28-jährige Marc-Oliver M. steht in Verdacht, die Mail verschickt zu haben, das Verfahren läuft noch. M. war einst der Vorsitzende der NPD Hannover und gilt nun als führendes Mitglied von „Besseres Hannover“.

Ob M. auch an der Aktion vor dem Bismarckbahnhof beteiligt war, wollte die Polizei Hannover nicht sagen. Fest steht in jedem Fall, dass es während der nächtlichen Malaktion offenbar einige Unstimmigkeiten unter den Teilnehmern gab, was die Rechtschreibung bestimmter Worte betrifft. „Es wird ,Widerstand‘ geschrieben, nicht ,Wiederstand‘“, korrigierte ein junger Mann per Twitter-Nachricht die Kollegen vor dem Bahnhof.

Die Feuerwehr rückte am Freitagmorgen aus, um den Bahnhofsvorplatz zu reinigen. Ein Pendler, der bereits vorher am Bahnhof angekommen war, berichtete, der gesamte Vorplatz sei mit Kreide bemalt worden. „Das waren ausländerfeindliche Botschaften, die sie hier fein säuberlich auf den Boden gemalt haben“, sagte der Zeuge. Für die Reinigungskosten müssen die Verursacher aufkommen. Sie erwartet eine Rechnung in Höhe von rund 350 Euro.

Acht der neun Verdächtigen sind der Polizei hinlänglich bekannt. „Bis auf einen 24-Jährigen sind sie alle schon aufgefallen“, sagte ein Polizeisprecher. Die Gruppe machte gegenüber den Ermittlern keinerlei Angaben, alle Tatverdächtigen wurden nach Ende der polizeilichen Maßnahmen entlassen. Der Staatsschutz ermittelt nun gegen sie wegen Volksverhetzung.

Dies ist nicht das erste Mal, dass in der Südstadt rechtsextreme Schmierereien aufgetaucht sind. Der Bismarckbahnhof ist bereits mehrfach mit rechten Parolen bemalt worden. An ein Wohnhaus, in dem ein Mitglied der SPD-Jugend lebt, schmierten Unbekannte den Spruch „Jusos stinken“. Auch werden Stromkästen und Laternenmasten in dem Stadtteil regelmäßig mit Aufklebern von „Besseres Hannover“ beklebt.

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