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Betreiber vom Bad fühlen sich vom Bauamt Hannover drangsaliert

Musiktheater Betreiber vom Bad fühlen sich vom Bauamt Hannover drangsaliert

Kein Lärm wegen nichts? Mit dem langen Streit um Genehmigungen im Musiktheater Bad schreckt die Stadt Hannover Veranstalter ab. Früher spielten dort Helge Schneider und Nina Hagen – heute liegt das Außengelände mit dem Sprungturm, Markenzeichen des ehemaligen Freibads, verlassen und halb überwuchert da.

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Mit dem langen Streit um Genehmigungen im Musiktheater Bad schreckt die Stadt Veranstalter ab.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Die Stimmung hätte schlechter nicht sein können. Müde, gereizt und genervt waren die drei langhaarigen US-Amerikaner, die im Jahr 1989 die Bühne im Musiktheater Bad betraten. Seit knapp zwei Wochen waren Kurt Cobain, Krist Novoselic und der damalige Nirvana-Drummer Chad Channing bereits in Europa unterwegs, um auf ihr Debütwerk „Bleach“ aufmerksam zu machen. Doch da ihre Plattenfirma das Budget für die Tournee sehr knapp bemessen hatte, mussten die Musiker die Wege zwischen den Auftrittsorten zu neunt (die Vorband fuhr selbstverständlich mit) in einem klapprigen Kleinbus von Fiat zurücklegen. Von dem Rockstar-Dasein, das die Erfinder des Grunge zwei Jahre später führen sollten, waren die jungen Männer bei ihrem Besuch in Herrenhausen also noch weit entfernt. Dementsprechend fiel auch der Auftritt im Musiktheater aus. Sie spielten sich mehr schlecht als recht durch ihre Stücke. Den Song „Mr. Moustache“ musste die Band sogar vorzeitig abbrechen, weil sich Cobain an der Gitarre verhaspelt und nicht wieder gefangen hatte. Nach 50 Minuten war Schluss – und dennoch gilt das Konzert heute als Sternstunde in der Geschichte der hannoverschen Rockmusik.

Nirvana ist nicht die einzige Kultband, die in den vergangenen knapp 30 Jahren im ehemaligen Freibad Station gemacht hat. Skandal-Rapper Sido, die Partytruppe Bloodhound Gang, Komiker Helge Schneider, Nina Hagen und die Lokalmatadoren von Fury in the Slaughterhouse stehen ebenfalls auf dieser Liste. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen – auch an den Gebäuden. Besonders sanierungsbedürftig ist das Außengelände, das nicht mehr modernen Sicherheitsstandards entspricht. Dennoch könnte die Stadt durchaus ein wenig stolz sein auf diesen traditionsreichen Veranstaltungsort.

Die Verwaltung könnte sich Ereignisse wie das Nirvana-Konzert zunutze machen und damit werben, dass Hannover eben mehr zu bieten hat als die Scorpions und Heinz Rudolf Kunze. Doch die städtischen Mitarbeiter kümmert all das offenbar nicht. Im Gegenteil: Immer wieder erschweren sie Menschen die Arbeit, die sich in der Stadt darum mühen, ein interessantes Kulturangebot auf die Beine zu stellen. Besonders absurd scheint diese Haltung derzeit angesichts der Auseinandersetzung zwischen den Betreibern des Musiktheaters Bad und dem Bauamt.

Obwohl auf dem Gelände des ehemaligen Freibades seit knapp 30 Jahren international bekannte Künstler gastieren, will das Amt erst im Jahr 2008, nach der Lärmbeschwerde eines Anwohners, von den Openair-Konzerten dort erfahren haben. In diesem Zusammenhang, so geht die Geschichte weiter, sei erstmals aufgefallen, dass für die Freiluftbühne im Bad keinerlei Baugenehmigung vorliege, demnach sämtliche zurückliegende Veranstaltungen dort als illegal einzustufen seien. Seit dieser Zeit fordert das Bauamt von den derzeitigen Betreibern des Musiktheaters, dem Verein Kulturpool, eine neue Baugenehmigung für alles, was auf dem Außengelände errichtet wurde. Kürzlich ließ die Stadt das gesamte Areal sogar sperren. Längst geplante Veranstaltungen, wie beispielsweise das Punkrock-Festival „Soundpool“ mussten verlegt oder ganz abgesagt werden. Die Vereinsmitglieder sind dementsprechend aufgebracht. „Wir wollen nicht für die Versäumnisse der Stadt der vergangenen 30 Jahre geradestehen müssen“, erklärte Mirko Klisch vom Kulturpool. Der Ärger der Konzertorganisatoren ist umso größer, weil sie bereits nach kurzer Suche in ihren Unterlagen auf alte Korrespondenzen mit dem Bauamt und sogar auf Baugenehmigungen gestoßen waren. So gab das Amt im Mai 1994 den damaligen Betreibern die Erlaubnis für die Erweiterung der Servicegebäude – genauer: der Essensausgabe – im Freiluftbereich. Zwei Jahre zuvor, im Juni 1992, hatte die Verwaltung die Genehmigung für eine Bühnenüberdachung auf dem Außengelände erteilt. „Wie können sich die Mitarbeiter also heute hinstellen und behaupten, es lägen keinerlei Genehmigungen vor?“, empört sich Mirko Klisch.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Das Außengelände gehört der Stadt. Die Nutzung der Fläche für die Bad-Betreiber ist über einen Erbpachtvertrag geregelt. Auf dieser Basis gehen nach Angaben von Kulturpool 475 Euro monatlich in die Stadtkasse. „Aus unserer Sicht handelt es sich bei dem Gelände nicht um ein ehemaliges Freibad, sondern lediglich um eine Freifläche“, definiert Stadtsprecher Dennis Dix den Außenbereich des Veranstaltungsortes. Ein Blick auf den Auszug aus der niedersächsischen Katasterverwaltung offenbart eine genauere amtliche Definition besagter Freifläche. Unter dem Unterpunkt „tatsächliche Nutzung“ findet sich der Vermerk: „Gebäude- und Freifläche, Handel und Wirtschaft“.

„Die Stadt versucht seit Jahren mit einer Salamitaktik, das Musiktheater stillzulegen, weil man eine alternative Musikkultur in Hannover nicht mehr haben will“, hatte Jörn Jan Leidecker von der Partei Die Linke im Konflikt um das Bad gemutmaßt. Und tatsächlich hat der Verein Kulturpool ganz offenkundig nicht als einziger Veranstalter der Stadt unter der Vorgehensweise des Bauamts zu leiden. Dem Vernehmen nach ist selbst die Genehmigung für den Auftritt von Herbert Grönemeyer in der AWD-Arena erst bei den Veranstaltern eingegangen, als bereits 45.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion waren. Ein derartiges Gebaren dringt sehr schnell zu Deutschlands Rockkonzert-Machern vor. In der Stadtverwaltung soll es deshalb bereits Stimmen geben, die die Haltung des Bauamts in bestimmten Fragen dafür verantwortlich macht, dass die Megastars immer häufiger einen Bogen um die Landeshauptstadt machen.

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