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Aus der Stadt Betreuer bucht von Konten einer Seniorin 48.520 Euro ab
Hannover Aus der Stadt Betreuer bucht von Konten einer Seniorin 48.520 Euro ab
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18:03 01.11.2017
Von Michael Zgoll
Anwalt Rudolf Breske (l.) verteidigt den gescheiterten Bauunternehmer Ewald B. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Seit  Mittwoch muss sich vor einem Schöffengericht am Amtsgericht Hannover ein 63 Jahre alter Mann wegen Untreue in 60 Fällen verantworten. Ewald B. soll von zwei Konten einer 85-jährigen Frau 48 520 Euro abgehoben oder auf eigene Konten überwiesen haben, obwohl ihm die Seniorin nur die Erlaubnis für das Erledigen kleinerer Einkäufe erteilt hatte.

Die Verfahrensbeteiligten bekamen zwei völlig unterschiedliche Geschichten zu hören. Der Angeklagte, Vater von fünf Kindern, versuchte mit beredten Worten, den Geldfluss als legitime Bezahlung für geleistete Dienste zu rechtfertigen. Eine Tochter des Opfers, ebenfalls 63 Jahre alt, berichtete von eigenen Recherchen. Demnach habe B. die von ihm angeführten Arbeiten keineswegs erbracht und auf mannigfaltige Art versucht, ihre Mutter zu schröpfen.

3500 Euro für Urlaub spendiert?

Der gelernte Karosseriebauer hatte die bettlägerige, korpulente Frau Ende 2014 über den Pflegedienst der eigenen Mutter kennengelernt. Er bot sich an, für die Seniorin einzukaufen. Dazu händigte ihm die in Seelze lebende Frau ihre zwei Geldkarten inklusive PIN aus, zudem half er ihr beim Ausfüllen von Überweisungsträgern. Zwischen November 2014 und März 2016 hob B. dutzendfach Geld von ihren Konten ab, meist Beträge zwischen 300 und 1000 Euro. Auch an eine eigene Baufirma überwies der Mann, der schon einmal pleite gegangen war, 18.750 Euro. Seiner Darstellung nach führte er in dem maroden Zweifamilienhaus der Seniorin Reparaturarbeiten durch, hielt den Garten in Schuss und kaufte auf Geheiß der „sehr bestimmt auftretenden“ Frau ein: Lebensmittel in rauen Mengen etwa, stapelweise Zeitschriften oder mehrere Matratzen. Seine Ehefrau habe gelegentlich geputzt und gewaschen, ergänzte B. So sei es zu erklären, dass ihm die dankbare Seniorin einmal sogar 3500 Euro für einen Urlaub spendiert habe.

Das Problem: B. hat für die angeblich geleisteten Instandsetzungsarbeiten keine Rechnungen geschrieben, kann weder den Einbau eines neuen Dachfensters noch Renovierung von Heizung oder Fußboden belegen. Fest steht, dass sich der 63-Jährige Anfang 2016 als Betreuer registrieren ließ und der Seniorin ihr Haus zu einem Preis von 165.000 Euro abkaufen wollte; der Kaufvertrag war bereits geschrieben. Hier aber schaltete sich eine Tochter der inzwischen in einem Altenpflegeheim untergebrachten Frau ein, die ihre Mutter - ebenso wie die übrige Verwandtschaft - seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Gerichtsbesuch im Altenheim

Ein Fachmann stellte fest, dass das Haus rund 100.000 Euro mehr wert war als B. zahlen wollte. Die Tochter recherchierte, dass viele der von B. angegebenen Arbeiten gar nicht geleistet worden waren, wurde schließlich zur Betreuerin bestellt und stellte Strafanzeige gegen B. Zudem will sich die Familie das verlorene Geld auf zivilrechtlichem Wege zurückholen.

Nächste Woche besucht das Gericht die Seniorin im Heim. Dabei wird sicher auch geprüft, inwieweit die 85-jährige dement geworden ist und ob sie sich noch an ihre Erlebnisse mit B. zwischen 2014 und 2016 erinnern kann. Eine Pflegerin und die Tochter der Seniorin sagten aus, dass sich die alte Dame wohlwollend über die Zuwendung von B. und seiner Ehefrau geäußert habe. Ob sie aber wusste, welch enorme Summen von ihren Konten abgebucht wurden, will das Gericht bis zum 22. November ergründen.

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