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Aus der Stadt Die Leerstelle
Hannover Aus der Stadt Die Leerstelle
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00:24 23.08.2015
Von Bärbel Hilbig
Mike Wittbrock hat im Juli seinen Ausbildungsplatz bei Fachmann Farbe angetreten. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Das idyllisch gelegene Parkrestaurant Alte Mühle hat nicht nur unter Gästen einen guten Ruf. „Ich hatte gehört, dass die Ausbildung sehr gut sein soll und sich damit später gute Verdienstmöglichkeiten eröffnen“, berichtet Anoko Cathy Lawson. Bisher ist die junge Frau, die gerade ihr zweites Lehrjahr als Restaurantfachfrau begonnen hat, nicht enttäuscht worden. Als Patin steht ihr eine erfahrene Kollegin zur Seite und die wissbegierige 19-Jährige hat schnell gemerkt, dass sie in ihrem Lehrbetrieb gut in die Finessen des Berufs eingeführt wird: wie man einen Tisch nach allen Regeln der Kunst eindeckt etwa und wie man Gäste zuvorkommend und freundlich umsorgt. „Ich gehe gerne mit Menschen um und habe Spaß dabei“, sagt sie mit gewinnendem Lächeln.

Heike Bursch, die das gediegene Restaurant im Hermann-Löns-Park mit ihrem Mann Thomas seit nunmehr elf Jahren betreibt, ist mit ihrer Auszubildenden hoch zufrieden. Dennoch hat das Gastronomenpaar ein Problem. Alle sechs Ausbildungsplätze für das erste Lehrjahr - drei im Service, drei in der Küche - sind aktuell noch nicht besetzt. Im zweiten und dritten Lehrjahr sieht es kaum besser aus.

Zeitungsanzeigen, Internet-Stellenbörsen, Aushänge und Besuche an Schulen - nichts half. Selbst auf ihrer Werbetafel an der Kirchröder Straße hatte Heike Bursch die Lehrstellen angekündigt. Gemeldet hat sich niemand. „Gastronomie ist ein hartes Geschäft, gar keine Frage“, räumt Heike Bursch ein. Doch Gastwirte und Bäcker sind längst nicht mehr die einzigen, die über fehlende Nachwuchskräfte klagen. Eine aktuelle Umfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern, an der sich gut 1000 Unternehmen beteiligt haben, zeigt, dass bereits ein Drittel der niedersächsischen Firmen seine Ausbildungsplätze in Industrie und Handel im vergangenen Jahr nicht komplett besetzen konnte. Chefs wie Heike Bursch locken deshalb längst mit Extras wie einer betrieblichen Altersvorsorge für Azubis, Leistungszulagen und attraktiven Fortbildungen. Für Anoko Cathy Lawson, die erst vor fünf Jahren aus Togo nach Deutschland kam und ihren Hauptschulabschluss machte, wird die Chefin einen Deutschkurs bezahlen, damit die vielversprechende Auszubildende sprachlich noch gewandter wird.

Auch Malermeister Stefan Schwenzitzki hat alles richtig gemacht, so scheint es. Der Inhaber des Malerbetriebs Fachmann Farbe fängt meist schon im Dezember mit der Suche nach neuen Azubis an. „Ich gehe regelmäßig in Schulen, damit ich so früh wie möglich Interesse für unseren Beruf wecken kann.“ Drei Azubis konnte er sich sichern, zwei junge Männer fürs Handwerk, eine Nachwuchskraft als Bürokauffrau. Die junge Frau hat ihm jetzt abgesagt, einer der Maler-Azubis ist mehrmals ohne Erklärung nicht zur Arbeit erschienen. Schwenzitzki muss jetzt kurzfristig Ersatz finden. Immerhin ist Mike Wittbrock, der einzig verbleibende neue Azubi, mit seiner Lehrstelle sehr zufrieden. „Ich hatte im Betrieb schon ein Praktikum gemacht und komme mit den Gesellen und dem Chef gut klar“, sagt der 19-Jährige mit Hauptschulabschluss. Mike stört sich auch nicht an deutlichen Ansagen des Gesellen, wenn er einmal das falsche Zubehör aufs Gerüst bringt. „Das gehört dazu. Und dann läuft’s auch wieder.“ Schwenzitzki, der sich gerne für seine Azubis engagiert, wenn die es rechtfertigen, hofft nun, dass er noch so einen findet wie Mike.

Ganz aufgegeben hat auch Augenoptiker Alexander Eilers die Hoffnung für dieses Ausbildungsjahr noch nicht. In seinem Betrieb Brillen Förster in Lehrte gingen in anderen Jahren meist gut 15 Bewerbungen ein. Jetzt kamen ganze vier, Eilers lud zwei Anwärter ein. „Das war alles nichts. Es wollen alle nur noch studieren“, bilanziert der 33-Jährige. Von anderen Betrieben hat er Ähnliches gehört. Dabei nimmt der Augenoptiker durchaus auch Hauptschüler. „Ich entscheide das individuell. Die Leute sollten Bock haben und im ersten Jahr richtig lernen.“ Seine Azubis schließen die Lehre am Ende oft mit sehr guten Noten ab. Nur anfangen müssten sie dafür.

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Nachhilfe für den Nachwuchs

Das Ausbildungsjahr beginnt nicht mehr strikt am 1. August. Schulabgänger haben deshalb durchaus noch Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Hannover verzeichnet in der Region aktuell noch 254 freie Lehrstellen (hwk-hannover.de/lehrstellenboerse). Die Betriebe suchen vor allem Fachverkäufer im Nahrungsmittelhandwerk (68 freie Stellen), Friseure (34 Stellen) und Elektroniker (16 Ausbildungsplätze). In der Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammer (ihk-lehrstellenboerse-hannover.de) finden sich zurzeit besonders viele Lehrstellenangebote von Hotels, Gaststätten und für den Logistikbereich. Mehr als die Hälfte der Unternehmen bietet angesichts eines deutlichen Bewerberrückgangs inzwischen laut einer IHK-Umfrage Praktika. Rund 40 Prozent haben bereits ein eigenes Nachhilfeangebot, um weniger qualifizierte Azubis zu unterstützen. 77 Prozent der Betriebe bemängeln unklare Berufsvorstellungen der Jugendlichen. Als Reaktion pflegen sie zunehmend Kontakte mit Schulen. Beide Kammern unterstützen Unternehmen beim Werben um Lehrlinge und die Organisation von Praktika.

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