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Aus der Stadt Betrüger narrt erfahrene Autohändler mit Audi R8
Hannover Aus der Stadt Betrüger narrt erfahrene Autohändler mit Audi R8
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00:15 27.05.2016
Da war der Audi noch da: Arber Aliaga (l.) und Ioannis Karavranos mit dem R 8, den sie unwissentlich von Betrügern gekauft haben. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Mit dem Kauf eines rassigen, gebrauchten Sportwagens, Typ Audi R 8, wollte sich Ioannis Karavranos einen Traum erfüllen. Doch die Sache ist zum Albtraum geworden - durch eine spektakuläre Betrügerei à la Hollywood. Bis vor Kurzem stand der weiße R 8, Neupreis rund 110.000 Euro, noch auf dem Hof des Autohändlers Karavranos und seines Partners Arber Aliaga in Letter. Doch jetzt ist er weg. Der ursprüngliche Eigentürmer hat ihn sich zurückgeholt. Die beiden Käufer aus Letter sind nach ihren Schilderungen einem Verkäufer aufgesessen, dem der Wagen gar nicht gehört hat, sondern der den R 8 nur gemietet hatte. Ob Karavranos sein Geld - ein stolzer fünfstelliger Betrag, bezahlt in bar - je wiedersieht, ist offen.

Angefangen hatte alles mit einer Anzeige auf einem Autoportal im Internet. Der Luxusflitzer - auch die früheren 96er Didier Ya Konan und Emanuel Pogatetz leisteten sich so ein Gefährt - war im Web inseriert. Der Anbieter gaukelte vor, dass er „sich von seinem geliebten Audi R 8 trennen müsse, weil er und seine Frau ein Kind bekommen hatten“, wie Karavranos sagt. Er kontaktierte den Verkäufer, der zunächst absagte, weil der Wagen eigentlich schon für einen anderen Interessenten reserviert sei. Springe dieser jedoch ab, wolle sich der Anbieter wieder melden.

Das geschah tags darauf. Und der Anbieter lotste Karavranos zur Abholung des R 8 ins belgische Spa, wo er gerade geschäftlich unterwegs sei. „Für uns hat das alles gepasst“, sagt Aliaga. „Schließlich hatte er uns zunächst abgesagt.“ Auch der Preis für den Gebrauchtwagen war zwar gut, aber nicht so niedrig, dass die beiden Autohändler aus Letter misstrauisch wurden. Das Treffen in Belgien allerdings verlief dann ebenfalls anders als ursprünglich erwartet. Karavranos und Aliaga verspäteten sich leicht. Als sie den Anbieter darüber informierten, schlug dieser, da er selbst schon wieder verhindert sei, vor, seiner Frau eine Vollmacht auszustellen, damit diese den Kaufvertrag unterschreiben könne. „Dabei sagte er uns noch, dass er ein schlechtes Gefühl habe, dass sich seine Frau mit zwei fremden Männern treffe“, erinnert sich Aliaga.

Polizisten stoppen Wagen mit gezogener Waffe

Die Autohändler aus Letter trafen die Frau des Anbieters in einer feinen Wohngegend, sie kam ihnen aus einem schicken Haus entgegen. Und sie hatte es eilig, da sie, wie sie vorgab, die Kinder noch wegbringen müsste. Karavranos und Aliaga ließen sich nicht hetzen. „Wir haben den Wagen so genau gecheckt, wie wir es noch nie gemacht haben“, sagt Karavranos. Sie kontrollierten sämtliche Fahrgestellnummern, überprüften Fahrzeugschein und -brief, Vollmacht, Kaufvertrag und die beiden Personalausweise des Anbieters und der Frau. „Ich habe am Ende sogar noch die Dichte des Autolacks mit einem Messgerät überprüft“, sagt Aliaga - mit der Methode lassen sich überlackierte Blechschäden entdecken. Alles schien also in Ordnung, die Papiere waren unterschrieben, der Rückfahrt nach Hannover im Nobelflitzer schien nichts im Weg zu stehen ...

Falsch. Polizisten stellten sich mit gezogenen Waffen in den Weg, und zwar hinter eine Autobahnraststätte nahe Köln, wo die beiden mit ihrem R 8 eine Pause gemacht hatten. Denn inzwischen hatte der tatsächliche Eigentümer des Sportwagens diesen als gestohlen gemeldet. „Es handelt sich um einen Mann aus Stuttgart, der das Auto regelmäßig vermietet“, sagt André Butte, der den Kriminalermittlungsdienst in Seelze leitet und der Baden-Württemberger Polizei Amtshilfe leistet. Offenbar hatte das Betrügerpaar den Wagen gemietet, zum Verkauf angeboten und dem eigentlichen Besitzer gegenüber behauptet, der Wagen sei „abhanden“ gekommen. Die Beamten stellten die Autopapiere sicher, den Wagen durften die Männer aus Letter zunächst behalten. Bis ihn der Besitzer in Letter mitnahm. „Er konnte den Wagen mithilfe des eingebauten GPS-Senders orten und hat einfach seinen Ersatzschlüssel benutzt, um sich den Wagen wiederzuholen“, sagt Karavranos.

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