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Aus der Stadt Falscher Apotheker ruiniert Seniorin
Hannover Aus der Stadt Falscher Apotheker ruiniert Seniorin
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00:15 23.01.2016
Von Michael Zgoll
Auf den Kosten für ihre Krebsmedikamente bleibt eine 78-Jährige wohl sitzen. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Die Polizei spricht davon, dass er die Präparate illegal im Ausland beschafft hat und möglicherweise Mitglied einer Medikamenten-Mafia ist. Fatal für die betagte Bothfelderin: Ihre private Krankenversicherung fordert 59 000 Euro von ihr zurück.

Die Allianz argumentiert, die Arzneimittel seien auf Basis betrügerischer Machenschaften beschafft worden; da man vorsätzlich getäuscht worden sei, müsse man nicht zahlen. Rechtsanwalt Burkhard Segger ist fassungslos: „Eine solche Forderung ist für meine Mandantin existenzbedrohend.“ Doch die gestrige Verhandlung am Landgericht Hannover war wenig ermutigend: Die 2. Zivilkammer wird der Klage der Versicherung wohl stattgeben. Dass die Seniorin nach eigenem Bekunden seit 1957 bei der Allianz versichert ist und beim Medikamentenerwerb völlig ohne Arg war, nützt ihr wenig.

Den vermeintlichen Apotheker lernte die Frau 2006 zufällig in einer Alten-WG kennen. Er wies sich als Inhaber einer City-Apotheke aus, bot der schwer kranken Frau an, die von ihr benötigten Medikamente frei Haus zu liefern. Die Bothfelderin schlug ein. Die persönliche Zustellung klappte bestens, auf die 78-Jährige wirkte der Mann mittleren Alters „seriös und immer hilfsbereit“. Brav bezahlte sie die mit Apothekenstempel versehenen Rechnungen, reichte diese dann bei ihrer Kasse ein.

Umso mehr war die Frau geschockt, als Kasse und Polizei vor Kurzem an sie herantraten und ihr offenbarten, dass etwas nicht stimme mit ihrem Lieferanten. Die Ermittler fanden heraus, dass der Verdächtige zwei Wohnsitze hat - und unerreichbar ist. „Ich sollte den Mann bei seinem nächsten Anruf nach seiner Telefonnummer fragen, aber die gab es gar nicht“, erzählt die Seniorin. Nach dieser Nachfrage tauchte der Betrüger nie mehr bei ihr auf, die Frau erstattete Strafanzeige. Die Polizei glaube, so Versicherungsrechtsanwalt Segger, dass der Mann die Arzneimittel günstig im Ausland erstanden und der Patientin zu den in Deutschland üblichen - deutlich höheren - Preisen verkauft hat.

Die Zivilkammer unter Vorsitz von Richter Christian Kleybolte war selbst unzufrieden mit der zu erwartenden Entscheidung, die am 8. Februar verkündet werden soll: „Wir fürchten, dass die Frau auf dem Schaden sitzenbleibt.“ Es sei unstreitig, dass sie sich nicht bereichert habe, stellte Kleybolte fest. Man sehe aber keinen rechtlichen Aufhänger, wie die „unbefriedigende Situation“ zugunsten der Seniorin gelöst werden könne.

Auch Anwalt Segger weist darauf hin, dass die Allianz die Arzneimittel sowieso hätte zahlen müssen, ihr sei doch real gar kein Schaden entstanden. Er kündigte an, nach einem für seine Mandantin negativen Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Celle einlegen zu wollen, bedauert aber, dass die Versicherung bislang noch kein Vergleichsangebot vorgelegt hat: „Wir wären jederzeit gesprächsbereit.“

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