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Betrunkene übergeben sich – und bitten um Verzeihung

Versöhnung im Gericht Betrunkene übergeben sich – und bitten um Verzeihung

Nach einer durchzechten Nacht suchten zwei junge Männer eine Terrasse in Kleefeld heim. Die Bewohnerin erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs –doch vor Gericht hatten sich alle wieder lieb.

Hannover.   Es gibt Tage, an denen ein Hauch von Versöhnlichkeit durch das Amtsgericht Hannover weht. Ein solcher Tag war am Donnerstag, und Ort des gütlichen Geschehens war der Saal 2186. Auf der Armesünderbank saßen zwei junge Männer, 21 und 25 Jahre alt, angeklagt des Hausfriedensbruchs. Sie waren im Mai dieses Jahres nach einer durchzechten Nacht auf der Terrasse eines Hauses in Kleefeld gelandet, hatten sich dort auf einer Hollywoodschaukel niedergelassen, einen Blumenkübel umgestoßen und sich übergeben. Doch schlussendlich stellte Amtsrichter Koray Freudenberg das Verfahren ein. Schon vorab hatten die Trunkenbolde die 52-jährige Wohnungsinhaberin mit Blumen und Pralinen besänftigt, und vor Gericht gaben sie sich derart zerknirscht, dass auch die Geschäftsfrau die mündliche Verwarnung vonseiten des Gerichts für ausreichend erachtete.

Es muss eine wilde Wochenendnacht gewesen sein vor einem halben Jahr, die für die Freunde am Vorabend auf dem Lindener Faust-Gelände begann. Prägend für ihren späteren Auftritt in Kleefeld war eine Mixtur aus Bier, Gin, Jägermeister und Schnaps. Wie sie in den Hinterhof nahe dem Kantplatz gekommen waren, konnten sie sich damals wie am Donnerstag nicht erklären;  ein Sachverständiger der MHH ging vor Gericht von einem Alkoholpegel von rund 2,3 Promille aus.

„Kann verstehen, dass Sie sauer waren“

Beoachtet wurden die Männer bei  ihrem Besuch der fremden Terrasse vom 17-jährigen Sohn der Wohnungsinhaberin, den die torkelnden Gestalten durchaus verängstigten –was dazu führte, dass seine Mutter die Polizei verständigte. Der ältere der Störenfriede, Auszubildender im 2. Lehrjahr, hing beim Eintreffen der Beamten besinnungslos über einem Zaun, so dass diese einen Rettungswagen riefen. Sein jüngerer Kumpan, nach einer Alkoholtherapie derzeit arbeitslos, konnte sich immerhin noch bruchstückhaft artikulieren.

„Ich kann total verstehen, dass Sie im Mai stinksauer waren“, wandte sich der Jüngere im Gerichtssaal an die Wohnungsinhaberin. Auch die Sache mit der Verschmutzung der Terrasse tue ihm schrecklich leid. „Na ja, mit Wasser kriegt man halt alles weg“, zeigte sich die Zeugin gnädig. Richter Koray sprach in seinem Schlusswort noch von einem „Dummejungenstreich“, und damit konnten die Akten dieses friedenstiftenden Prozesses ein für allemal geschlossen werden.

Von Michael Zgoll

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