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Bewährungsstrafe nach Attacke auf Abgeordneten

Prozess gegen Rechtsextremen Bewährungsstrafe nach Attacke auf Abgeordneten

Der Rechtsextreme Patrick K. ist wegen Übergriffen auf einen Asylbewerber und den Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Das Ex-Mitglied von „Besseres Hannover“ legte vor dem Amtsgericht Springe ein Teilgeständnis ab.

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Vor dem Amtsgericht in Springe ist am Dienstag der Prozess gegen den Neonazi Patrick K. verhandelt worden.

Quelle: dpa (Symbolfoto)

Hannover. Der Prozess gegen den rechtsextremen Patrick K. ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Springe überraschend schnell zu Ende gegangen. Der 21-Jährige, der bei der inzwischen verbotenen Gruppierung „Besseres Hannover“ eine zentrale Rolle innehatte, wurde zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 100 Sozialstunden leisten. Das Amtsgericht ließ beim Richterspruch auch deswegen Milde walten, weil der Angeklagte unmittelbar nach Prozessbeginn einen Teil der insgesamt 16 in der Anklageschrift aufgeführten Taten eingeräumt hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Patrick K. gestand über seinen Verteidiger unter anderem den Angriff auf den Bundestagsabgeordneten der Grünen, Sven-Christian Kindler, die Attacke auf drei Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und den versuchten Angriff auf einen in der hannoverschen Innenstadt in den Hungerstreik getretenen Asylbewerber. Darüber hinaus wurden bei ihm eine verbotene Präzisionsschleuder, Quarzsandhandschuhe und ein Bärenkostüm gefunden. In Videos von „Besseres Hannover“ war regelmäßig die Figur des „Abschiebärs“ aufgetreten.

Patrick K. verhielt sich selten zimperlich

Nicht einräumen wollte K. hingegen die Sachbeschädigungen an verschiedenen Parteibüros und einem Döner-Imbiss in Pattensen, die ihm die Staatsanwaltschaft ebenfalls angelastet hatte. Wegen der Geständnisse zu den weitaus schwerwiegenderen Vorwürfen stellte die Staatsanwaltschaft den Antrag, die Anklagepunkte bezüglich der Sachbeschädigungen einzustellen. Das Amtsgericht folgte dem Antrag. Weitere Anschläge auf Parteibüros in Hannover kamen am Dienstag vor Gericht nicht zur Sprache. Nach HAZ-Informationen konnte K. eine Beteiligung an diesen Attacken nicht nachgewiesen werden.

Der 21-jährige K. hat sich in der Vergangenheit selten zimperlich verhalten. Als er am 15. Februar 2014 auf der Hildesheimer Straße ohne gültigen Führerschein am Steuer eines Fahrzeugs erwischt wurde, beleidigte er einen der Polizisten als „Spasti“. Beim Angriff auf den Bundestagsabgeordneten Kindler titulierte er den Politiker als „Vaterlandsverräter“ und drohte, er werde ihn „fertigmachen“. Anschließend verletzte er Kindler leicht. K. war den Politiker wegen dessen Engagement gegen die Auftritte der umstrittenen Rockband Freiwild in Hannover angegangen. Auch die drei Mitglieder der DKP, darunter eine blinde Frau, die K. gemeinsam mit zwei bislang unbekannten Komplizen am 27. Februar 2014 mit Schlägen und Tritten traktiert haben soll, wurden zuvor massiv beschimpft.

Ein Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe, der mit dem Angeklagten im Vorfeld des Verfahrens mindestens ein langes Gespräch geführt hat, stellte Patrick K. keine gute Prognose aus. „Seine ideologische Haltung birgt die Gefahr, dass so etwas wieder passieren kann“, sagte er im Gerichtssaal.

Patrick K. dagegen gelobte Besserung. Er werde demnächst zum ersten Mal Vater und wolle auch deswegen seinen Lebensmittelpunkt nach Chemnitz verlagern. Dort wolle er ein Studium aufnehmen und sich um seine Familie kümmern, gab er an. Der Versuch, sich eine bürgerliche Existenz aufzubauen, ist im Leben des Patrick K. allerdings schon einmal fehlgeschlagen. Eine Lehre als Dachdecker musste er im dritten Lehrjahr abbrechen. Mit seiner Arbeit seien alle zufrieden gewesen, betonte der Anwalt von K. Aber die Kunden sollen sich über die politische Gesinnung des jungen Mannes beschwert haben, sodass für den Betrieb eine Fortsetzung der Ausbildung nicht mehr möglich war.

Von Tobias Morchner

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