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Bewerber erstreiten vor Gericht Studienplätze an der MHH

Medizinische Hochschule Hannover Bewerber erstreiten vor Gericht Studienplätze an der MHH

Jährlich hoffen etwa 1100 Bewerber an der Medizinischen Hochschule Hannover, einen der 270 Studienplätze zu erhalten. Nach der Ablehnung versuchen es dann einige auch immer wieder vor Gericht, einen Platz zu erstreiten. In diesem Jahr gab das Verwaltungsgericht sieben Klagen statt.

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Wie viele Studierende verträgt die MHH? Ein Blick in einen Präparationskurs von Erstsemestern. 

Quelle: Insa Catherine Hagemann/Archiv

Hannover. Seit vielen Jahren wollen deutschlandweit entschieden mehr junge Leute Humanmedizin studieren, als es Studienplätze gibt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sind es durchschnittlich gut 1100 Erstwunsch-Bewerber, die auf einen der in jedem Wintersemester angebotenen Plätze hoffen. Seit der Einführung des Modellstudiengangs Hannoveraner integrierte berufsorientierte adaptierte Lehre (HannibaL) im Jahr 2005 stehen generell 270 Plätze zur Verfügung. Doch versuchen jährlich zwischen 50 und 80 abgelehnte Bewerber, am hannoverschen Verwaltungsgericht per Klage ebenfalls eine der begehrten Ausbildungsstellen zu erstreiten - seit vergangenem Jahr mit deutlich erhöhten Erfolgsaussichten.

MHH behält sich Berufung vor

Dieser Tage erst haben sieben Kläger ein Verfahren gewonnen und von der 8. Kammer einen Studienplatz an der MHH zugesprochen bekommen. Doch ob sie in diesem Wintersemester in Vorlesungs- und OP-Säle eingelassen werden, ist noch offen: Sollte die Hochschule Berufung einlegen, müssen die jungen Leute weiter warten.

Mit Blick auf ältere Verwaltungsgerichtsprozesse hatte das niedersächsische Oberverwaltungsgericht (OVG) im Oktober 2016 in einem Eilverfahren entschieden, dass die Kapazitätsberechnungen der MHH, auf der die 270 Erstsemesterplätze fußen, auf früheren Annahmen beruhen und inzwischen überholt sein dürften. Diesem Umstand müsse die Hochschule „durch einen Zuschlag auf die Studienplätze bis zur Grenze der Funktionsfähigkeit“ Rechnung tragen. Doch wo liegt diese Grenze der Funktionsfähigkeit?

Die Gerichte sehen sie auf jeden Fall höher als bei einer Erstsemesterzahl von 270; das OVG in Lüneburg erklärte 2016, eine „rechtlich verbindliche Vereinbarung über 270 Studienplätze“ liege nicht vor, diese im Jahr 2005 festgelegte Zahl sei nicht als Maximalwert zu verstehen. Die MHH verweist darauf, dass HannibaL wesentlich mehr Praxisanteile hat als der ehemalige Regelstudiengang, dass man dementsprechend mehr Personal und mehr Patienten für die Ausbildung braucht - und die Obergrenze von 270 gerechtfertigt sei. Auf jeden Fall steht jetzt die Formel der Kapazitätsverordnung, nach der die Zahl der möglichen Studienplätze ermittelt wird, zur Disposition.

Bereits im Vorjahr hatte die hiesige 8. Verwaltungsgerichtskammer unter Vorsitz von Arietta Döpp entschieden, dass im Wintersemester 2016/17 von der Medizinischen Hochschule in Hannover 290 Plätze für Erstsemester angeboten werden müssen. Dazu wurde ein interner Lostopf für vor Gericht erfolgreich klagende Bewerber installiert, aus dem man 20 angehende Studenten zog. „Doch bei diesen Vorgaben“, warnt Studiendekan Professor Ingo Just, „müssen wir die Qualität der Ausbildung senken, um keine Patienten zu gefährden.“

Berufliche Erfahrungen helfen

Schon seit Langem tobt bundesweit die Debatte, ob ein Ärztemangel existiert oder zumindest droht. Sicher ist nur, dass bald viele Mediziner in Ruhestand gehen werden und dass in ländlichen Regionen bereits heute Doktoren fehlen. Auf der anderen Seite ist das Nadelöhr, überhaupt Humanmedizin studieren zu dürfen, immer noch sehr eng. Ein Abi-Notenschnitt mit einer Eins vor dem Komma ist schon lange Pflicht, doch kann man - so auch an der MHH - außerdem mithilfe von Auswahlgesprächen und beruflicher Vorerfahrung zum Zuge kommen. Und nun gibt es zusätzlich den Kreis von Bewerbern, der sich dank rechtskräftig gewordener Eilverfahrensbeschlüsse oder in Hauptsacheverfahren erstrittener Verwaltungsgerichtsurteile beste Chancen ausrechnen darf, ebenfalls das begehrte Studium in Hannover beginnen zu dürfen.

Kippt Verfassungsgericht das Zulassungsverfahren?

In der kommenden Woche, am 4. Oktober, wird sich das Bundesverfassungsgericht mit dem Vergabeverfahren für Studienplätze in Medizin beschäftigen. Hintergrund ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen aus 2012, nach dem das Vorgehen nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Derzeit vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) die Plätze nach folgendem Schlüssel: 20 Prozent bekommen die Abiturienten mit den besten Noten und 20 Prozent die Bewerber mit den längsten Wartezeiten; die übrigen 60 Prozent vergeben die Hochschulen nach eigenem Gusto.
Im Wintersemester 2014/2015 kamen 43 000 Bewerber auf 9000 Studienplätze. 1999 genügte es, einen Abi-Schnitt von 1,6 bis 2,2 zu haben, heute braucht man eine Note zwischen 1,0 und 1,2. Die Wartezeit ist von vier Semestern (1999) auf 15 Semester gestiegen. Die Kläger fordern mehr Studienplätze und Zulassungskriterien, die weniger stark auf die Noten abzielen; auch Landesquoten sind im Gespräch.     

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