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Aus der Stadt „So kann man niemanden unterbringen“
Hannover Aus der Stadt „So kann man niemanden unterbringen“
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00:21 25.11.2015
Von Conrad von Meding
Die Unterkunft in Lahe ist lange schon marode – jetzt soll es einen Neubau geben. Quelle: Körner
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Hannover

An der Autobahn im Norden der Stadt rottet seit Jahren eine Containeranlage vor sich hin, 56 Menschen wohnen derzeit darin. Vor Jahren schon hätte sie verschrottet werden sollen – doch der Stadt fehlen Unterbringungsmöglichkeiten. Der zuständige Bezirksrat hat jetzt einen dringenden Appell an die Stadtpolitik gerichtet: Dort herrschten „menschenunwürdige Zustände“, der Rat solle endlich für Ersatz sorgen. Die Stadtverwaltung hat ein Einsehen. Man habe Geld im Haushalt für das kommende Jahr beantragt, teilt ein Stadtsprecher auf Anfrage mit, auch der Betreibervertrag solle neu ausgeschrieben werden.

In der Unterkunft, zusammengebaut aus Stahlcontainern, leben Menschen aus dem Osten der Europäischen Union. Zumeist sind es Roma und Sinti. Sie gelten aufgrund ihrer EU-Staatsbürgerschaften nicht als Flüchtlinge, sondern als Wohnungslose. Weil für diese Obdachlosenunterkünfte andere Standards gelten als für Flüchtlingsheime, haben die Kinder nicht einmal einen Sandkasten zum Spielen. „Von den 56 Bewohnern sind 27 Kinder – es gibt keine Spielangebote draußen und keine Gruppenräume im Inneren“, kritisierte jetzt SPD-Fraktionschef Florian Spiegelhauer im Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide. CDU-Ratsherr Felix Blaschzyk stimmte ihm zu: „So kann man keine Menschen unterbringen.“

Der Bezirksrat hat die Stadt einstimmig aufgefordert, die Anlage in Lahe zu erneuern und zu erweitern – auch wenn das geschätzt 4,5 Millionen Euro koste. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, dass wir uns nicht nur um Flüchtlinge kümmern“, sagte Grünen-Fraktionsvorsitzende Imke Knoll. SPD und Grüne im Rat haben die Erneuerung der Unterkünfte jetzt auf die Liste ihrer Haushaltswünsche für 2016 gesetzt. 4,5 Millionen Euro sollen in den Haushalt gestellt werden. „Hier ist dringender Handlungsbedarf“, sagte SPD-Baupolitiker Ewald Nagel kürzlich im Bauausschuss.

Die Containeranlage stand ursprünglich als Flüchtlings-Notunterkunft an der Lindener Stephanusstraße, seit 1996 wird sie an der Alten Peiner Heerstraße 2 als Notschlafeinrichtung für obdachlose Drogenabhängige genutzt. 2009 entschied der Betreiber, die Johanniter Unfallhilfe, die Einrichtung zu schließen und durch einen Neubau an der nahen Kirchhorster Straße zu ersetzen, weil die Container nach 25 Jahren Betriebszeit „gravierende Mängel“ aufwiesen.

2011 aber, als zunehmend Roma und Sinti nach Hannover kamen, reaktivierte die Stadt die Unterkunft. Mit Blick auf den Bauzustand gab der Rat das zunächst ausdrücklich nur für 18 Monate frei – daraus sind jetzt 55 Monate geworden.

Stadtsprecher Dennis Dix sagt: „Die Verwaltung hat Finanzbedarf für den Haushalt 2016 angemeldet, um eine neue Obdachlosenunterkunft zu bauen. Insbesondere die Unterkunft in Lahe soll nach Möglichkeit dadurch ersetzt werden.“ Ob der Rat der Forderung Folge leistet, muss sich in den Haushaltsberatungen zeigen.     

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