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Bezirksrat vertagt Entscheidung zur Sophienschule

Zooviertel Bezirksrat vertagt Entscheidung zur Sophienschule

Gegen alle Warnungen von Fachleuten hat der Bezirksrat Mitte die Entscheidung über den 40 Millionen Euro teuren Neubau des Gymnasiums Sophienschule vertagt. Wegen Sommerpause und Kommunalwahl könnten sich nach Einschätzung von Stadtverwaltung und Schule die Planungen damit um ein halbes Jahr verzögern.

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„Spätestens 2019 knallt es hier“: Der ehrwürdige Altbau der Sophienschule in der Seelhorststraße ist längst zu klein.

Quelle: Nigel Treblin

Hannover. „Wir sind fassungslos“, kommentierte Schulleiterin Brigitte Helm die Nicht-Entscheidung. Der Schulelternratsvorsitzende Jan Gebauer ärgerte sich: „Wir werden seit zweieinhalb Jahren hingehalten - und jetzt das. Da kann man schon auch politikverdrossen werden“, sagte er.

Die Sophienschule im Zooviertel ist so stark gewachsen, dass mehrere Jahrgänge in einem vor zehn Jahren zum Abriss freigegebenen Gebäude der alten Hauptschule Lüerstraße unterrichtet werden müssen. Wegen des Anstiegs der Schülerzahlen expandiert die Schule aber weiter: „Auch in diesem Jahr entlassen wir einen vierzügigen Jahrgang und nehmen einen fünfzügigen neu auf - wir knacken im Sommer erstmals die Grenze von 1000 Schülern“, sagt Schulleiterin Helm. Die Raumkapazitäten aber sind erschöpft. „Spätestens 2019 knallt es hier“, sagt Helm: „Wir haben nicht genug Räume, viel zu wenig Fachräume, zwei Sporthallen am Altbau in der Seelhorstraße entsprechen nicht mehr den Bauvorschriften.“

Deshalb ist die Sophienschule als erster Schulneubau im 550-Millionen-Investitionsmemorandum von Oberbürgermeister Schostok eingeplant (der Neubau Limmer und die Erweiterung Goetheschule sind schon vorher begonnen worden). 2020 sollte der Neubau fertig sein - wegen Verzögerungen ist der Sommer 2020 nicht mehr zu halten, jetzt ist vom Winter 2020 die Rede. Doch selbst dieses Ziel wackelt jetzt.

Dem Vernehmen nach hat vor allem die SPD im Bezirksrat Vorbehalte dagegen, dass die Schule nicht von der Stadt selbst gebaut werden soll, sondern von einem Privatunternehmen. Die Stadt mietet die fertige Immobilie dann über Jahrzehnte zurück. Tatsächlich zahlt der Steuerzahler bei derartigen Modellen fast immer deutlich drauf. Bei der IGS Mühlenberg allerdings hat man gute Erfahrungen damit gesammelt, eine städtische Tochtergesellschaft als Privatunternehmen einzuschalten. Stefan Bär vom kommunalen Gebäudemanagement stellte klar, dass die Stadt angesichts zahlreicher bevorstehender Schulbauprojekte keinesfalls die Chance habe, diese Schule selbst zu bauen. Vor allem deshalb sei der Beschluss zur Planung jetzt „hoch dringlich - wir brauchen vier Jahre vom Beschluss bis zur Realisierung“. Auch Vizeschulleiter Jochen Degener bat eindringlich um einen Beschluss - doch die SPD meldete Beratungsbedarf an. „Ich kann mir keinen Grund vorstellen, der so wichtig ist, dass wir dieses Neubauprojekt gefährden“, sagte CDU-Bezirksratsherr Dieter Prokisch. Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD) sagte, es sei das Recht der Politik, in Ruhe zu beraten.

Der Bezirksrat will sich nun in seiner Juni-Sitzung erneut mit dem Thema befassen. Danach müssen verschiedene Fachgremien des Rates das Projekt beraten und beschließen, vor allem Schul-, Wirtschafts- und Finanzausschuss - sie alle tagen aber nach der Bezirksratssitzung nicht mehr vor dem Sommer.

Verzögerung auch für KWRG: Unter der Vertagung leidet nicht nur die Sophienschule, sondern auch das benachbarte Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium. Es soll laut Stadtverwaltung parallel zum Neubau der Sophienschule einen Erweiterungsbau erhalten, in dem die Mensa, Naturwissenschafts- und Technikräume, der Ganztagsbetrieb und einige Klassenräume untergebracht werden sollen. Das Bauprojekt soll insgesamt per europaweiter Ausschreibung an einen Investor vergeben werden. Auch zu diesem Punkt wurde der Beschluss automatisch vertagt.

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