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Wer hilft den Schulen?

Bildungsbericht beschäftigt auch Mitglieder des Stadtrates


Die Mitglieder des Stadtrates haben sich am Mittwoch mit der neuen Statistik zu Gymnasialempfehlungen beschäftigt. „Es wäre völlig falsch, sich als Stadt zurückzulehnen. Wir müssen in Stadtteilen wie Hainholz noch genauer hingucken“, sagte Regine Kramarek, Schulpolitikerin der Grünen.
Ein Beispiel, das Schule machen könnte: Im Projekt „Freundlich und fair“ lernen Schüler der Grundschule Goetheplatz, fair miteinander umzugehen.

Ein Beispiel, das Schule machen könnte: Im Projekt „Freundlich und fair“ lernen Schüler der Grundschule Goetheplatz, fair miteinander umzugehen.

© Rainer Surrey

Für widersprüchliche Reaktionen sorgte der neue Bildungsbericht der Stadt am Mittwoch im Schulausschuss des Rates. Michael Höntsch (Linke) sprach müde von „altbekannten Tatsachen“ – die Studie belegt allerdings eindrucksvoll und zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen in Hannovers Stadtteilen. Immerhin plädierte Höntsch dann doch dafür, Erzieher besser auszubilden und zu bezahlen, kritisierte die frühe Trennung der Kinder in unterschiedlichen Schulformen und zu straffe Lehrpläne. „Da sind Land und Bund gefragt. Im Rat haben wir keinen Einfluss auf Bildung.“

Das wollte Regine Kramarek, Schulpolitikerin der Grünen, so nicht stehen lassen. „Es wäre völlig falsch, sich als Stadt zurückzulehnen. Wir müssen in Stadtteilen wie Hainholz noch genauer hingucken.“ Der Sinn des Bildungsberichts sei es aber auch ganz klar, das Land wachzurütteln. Während in Linden-Süd nur 14 Prozent der Kinder eine Gymnasialempfehlung erreichten, waren es in Kirchrode 72 Prozent. Kramarek lobte wie auch andere den in Zukunft jährlich erscheinenden Bericht, weil so die Wirksamkeit von Förderprogrammen überprüft werden könne. Michael Klie, schulpolitischer Sprecher der SPD, betonte, es sei auch Aufgabe einer Kommune, die dargestellten eklatanten sozialen Unterschiede zu bekämpfen. Es verwies auf das beginnende städtische Programm, mit dem Grundschulen bei ihren Ganztagsangeboten unterstützt werden. „Wir werden damit aber nicht alles beheben können.“

CDU-Ratsfrau Kerstin Seitz dagegen befürchtete, die Veröffentlichung der Daten könne zur Stigmatisierung von Stadtteilen führen. „Lehrer und Schüler geben ihr Bestes.“ Seitz plädierte dafür, bereits beschlossene Konzepte wie Ganztagsgrundschulen und Sprachförderung nun über mehrere Jahre zu beobachten. Schuldezernentin Marlis Drevermann hielt es nicht für nötig, den Bericht zu kommentieren.

Einer der wenigen Kommunalpolitiker, den die Ergebnisse der Studie tatsächlich deutlich alarmierten, ist der türkischstämmige SPD-Ratsherr Alptekin Kirci, zugleich migrationspolitischer Sprecher seiner Fraktion. „Es ist höchste Zeit, die Weichen für mehr Bildungsgerechtigkeit zu stellen, sonst rutschen wir ab in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft“, sagte er gestern abseits des Schulausschusses.

Deshalb fordert er eine neue Debatte über Bildungschancen – ohne Denkverbote und ohne voreilige Stigmatisierungen. „Ich finde auch den damaligen Vorschlag von Sigmar Gabriel bedenkenswert“, sagte er. In seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident hatte Gabriel angeregt, den Ausländeranteil an Grundschulen auf 25 Prozent zu begrenzen. Das hätte einen Schüleraustausch zwischen verschiedenen Stadtteilen zur Folge, wie er zum Teil in den USA praktiziert wird. Zudem plädiert Kirci dafür, Eltern viel stärker in die Pflicht zu nehmen. „Land und Kommune müssen zusammenarbeiten und mit den Eltern Ziele vereinbaren, etwa regelmäßige Hausaufgabenkontrollen bei den Kindern“, sagt er. Kommen die Eltern ihrer Pflicht nicht nach, sollten Sanktionen drohen, etwa in Form einer Kürzung von staatlichen Hilfeleistungen.

Andere Zahlen: Das städtische Bildungsmonitoring 2010 enthielt durch einen Datenübertragungsfehler falsche Angaben über die Schullaufbahnempfehlungen in Wettbergen. Tatsächlich haben im Jahr 2009 in den beiden Grundschulen im Stadtteil 53,6 Prozent der Viertklässler eine Gymnasial-, 32,1 Prozent eine Realschul- und 14,3 Prozent eine Hauptschulempfehlung bekommen.

Bärbel Hilbig und Andreas Schinkel

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