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Aus der Stadt Containerdörfer für Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Containerdörfer für Flüchtlinge
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21:22 30.09.2014
Um zusätzlichen Platz für Flüchtlinge zu schaffen, sieht sich die Stadt Hannover gezwungen, auch auf Container zurückzugreifen - ähnlich wie in Stralsund (Foto). Quelle: dpa/Symbolbild
Hannover

Insgesamt will man zusätzliche Plätze für bis zu 1000 Flüchtlinge schaffen. Damit reagiert die Stadtverwaltung auf die ansteigende Zahl von Menschen, die in Hannover Zuflucht suchen. Derzeit kommen pro Woche 30 bis 40 Menschen und damit deutlich mehr als noch im Sommer. Alle Flüchtlingswohnheime sind derzeit voll belegt, Wohnungen auf dem freien Markt kaum zu finden.

Vier Containeranlagen für jeweils 100 Menschen sollen verteilt über das Stadtgebiet aufgestellt werden. Für die ersten beiden Standorte hat man bereits Grundstücke ausgewählt. Es handelt sich um das Gelände der ehemaligen Emil-Berliner-Schule an der Kreuzriede im Stadtbezirk Herrenhausen-Stöcken und um ein städtisches Grundstück an der Höverschen Straße in Misburg-Anderten. Weitere 150 bis 200 Flüchtlinge können im Schulzentrum Ahlem einquartiert werden. Dort wohnt bereits eine kleine Zahl von Flüchtlingen. Die Stadt betont, dass Kinder, alleinerziehende oder alleinstehende Frauen „separate Bereiche“ zugewiesen bekommen. Zudem führt die Stadtspitze derzeit Gespräche mit der Regionsverwaltung über die Nutzung der Räume im leer stehenden Oststadtkrankenhaus. Bis zu 300 Menschen könnten dort Platz finden. Sollten die Gespräch „nicht zum Erfolg führen“, so teilt die Stadt mit, werde man an drei weiteren Orten Wohncontainer für jeweils
100 Flüchtlinge aufstellen. Darüber hinaus bemüht sich die Stadt, auf dem üblichen Weg, also über die Anmietung von Wohnungen und Hotels, in den kommenden sechs Monaten bis zu 100 Unterkünfte zu schaffen.

Mit ihrem Notprogramm kann die Stadt die vom Rat beschlossenen Bedingungen für Flüchtlingsunterkünfte zum Teil nicht mehr einhalten. Eigentlich hatte der Rat die Zahl der Plätze in Gemeinschaftsunterkünften auf 50 begrenzt. Diese Zahl wird jetzt deutlich überschritten.

Kommentar von Conrad von Meding

Es reicht nicht

Als in dieser Woche die brutalen Übergriffe von Wachdiensten in nordrhein-westfälischen Flüchtlingswohnheimen bekannt wurden, wuchs mit dem Entsetzen eine Erkenntnis: Verbindliche Standards zur menschenwürdigen Unterbringung gibt es fast nirgendwo. Fast. Hannover gehört zu den wenigen Ausnahmestädten, in denen der Rat definiert hat, wie Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Gut so.

Es zeugt aber auch von Realitätssinn, dass diese Unterbringungsstandards zwar im Grundsatz weiter gelten sollen, für eine Übergangszeit aber aufgeweicht werden. Wenn täglich viele Dutzend Menschen in Not zu uns kommen, dann ist es zunächst unsere Pflicht, ihnen überhaupt eine feste Unterkunft zu bieten.

Langfristig lösen die vorübergehenden Großunterkünfte aber die Probleme nicht. In den Krisenherden der Welt sieht es derzeit nicht nach Entspannung aus, viele der heutigen Neuankömmlinge werden als Langzeitgäste bei uns bleiben. Es kann sein, dass die Stadt ihr ambitioniertes Programm zum Neubau von Flüchtlingsheimen weiter aufstocken muss. Mehrere werden in den nächsten Monaten fertig – doch schon jetzt ist absehbar, dass die Plätze nicht reichen werden. Das Flüchtlingsproblem wird uns noch länger beschäftigen.

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