„Vertrau den neuen Wegen“ singt das Kirchenparlament, die Landessynode in Hannover, bevor sie am Mittwoch zur Wahl des neuen Landesbischofs schreitet. Auf der kleinen Bühne des hannoverschen Henriettenstiftes stehen zwei grau-lila Wahlkabinen. „Es ist eine geheime Wahl, deshalb die Kabinen“, erläutert Synodenpräsident Jürgen Schneider – und erinnert, dass man es vor elf Jahren bei der Wahl Margot Käßmanns auch so gehalten habe. „Einen Namen dürfen Sie ankreuzen, wer keinen Namen ankreuzt, hat sich enthalten.“
Nur einer der 77 Synodalen wählt an diesem Mittwoch nicht mit beim ersten Wahlgang, der aber noch keine Entscheidung bringt, weil keiner der beiden Kandidaten die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht. Aus dem ersten Wahlgang geht Ralf Meister (48) als Sieger hervor. Der Generalsuperintendent aus Berlin erhält 39 der 76 abgegebenen Stimmen, während sein Konkurrent, der Diakoniepräsident Wolfgang Gern aus Frankfurt mit 36 Stimmen aus dem Rennen geht.
Als das Ergebnis verkündet wird, beißt Gern sich auf die Lippen, geht dann zu seinem Konkurrenten und umarmt ihn. Die hauchdünne Mehrheit für den Berliner wird auch ihn überrascht haben, denn noch vor der Wahl hieß es hinter vorgehaltener Hand, dass bei der „Gruppe Offene Kirche“ (GOK), die mit 45 Mitgliedern in der Synode die Mehrheit stellt, der Frankfurter Diakoniechef der Favorit sei, während die zahlenmäßig etwas schwächere „Lebendige Volkskirche“ hinter dem Berliner Meister stehe. „Kaffeesatzleserei“, meint ein alter, kirchlicher Routinier: „Beide haben Fans in beiden Gruppen, der Riss geht quer durch.“
Er wird recht behalten, denn am Mittwochabend entschließt sich Wolfgang Gern zu einem völlig unerwarteten Schritt. Er zieht überraschend seine Kandidatur zurück. „Ich bin gewiss, Hannover wird einen guten Bischof haben“, sagt er – und dass er „auf sein Herz“ gehört habe: „Das sagt mir: Wir haben wunderbare Gespräche gehabt, das wird bleiben. Mein Ort wird und soll Hessen-Nassau sein. Ich wünsche der wunderbaren lutherischen Kirche Hannovers Gottes reichen Segen.“ Die Synode quittiert seine Erklärung mit langem Beifall. Der Frankfurter, der schon einmal bei einer Bischofswahl in Hessen unterlag, will sich der Tortur mehrerer Wahlgänge nicht stellen.
Nun wird Ralf Meister, der viele Synodale am Dienstagabend mit seiner ruhigen aber theologisch klugen Art überzeugt hat, der einzige Kandidat sein. Aber ein Lückenbüßer will der Berliner auch nicht sein. Er erwarte schon eine kräftige Mehrheit, um in Hannover auch erfolgreich antreten zu können, sagt er den Synodalen.
„Die Rechtslage ist so, dass der Kandidat Meister heute eine Zweidrittelmehrheit braucht. Erzielt er sie nicht, müsste der Kirchensenat einen neuen Wahlaufsatz mit zwei Kandidaten bilden“, erläutert Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche. Doch dann, so sagen Experten, stünde die Landeskirche vor einem Scherbenhaufen, hätte eine noch längere Vakanzzeit ohne einen Bischof an der Spitze vor sich. Die ohnehin schon schwierige Suche dürfte sich über weitere Monate hinziehen. „Die Synode wird Meister eine deutliche Mehrheit bescheren, sonst beschädigen wir uns selbst“, glaubt Bischofsvikar Hans-Herrmann Jantzen, der seit Februar die Amtsgeschäfte führt – seit dem Rücktritt Margot Käßmanns.
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