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Protest

Biwak-Gegner beschmieren Kriegsdenkmäler mit Farbe


Biwak-Gegner haben in der Nacht zu Mittwoch mehrere Kriegsdenkmäler mit Farbe beschmiert. Betroffen ist unter anderem das Ulanen-Denkmal an der Bernadotte Allee in der List.
© Tim Schaarschmidt (Symbolbild)

In einem Bekennerschreiben an die HAZ teilten die Täter mit, insgesamt acht Denkmäler beschädigt zu haben. Die Polizei bestätigte am Mittwochnachmittag entsprechende Vorfälle in der Bernadotte Allee, der Waldchaussee, am Lister Turm und in der Hohenzollernstraße. "Die Kriminalpolizei ermittelt gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung", sagte ein Polizeisprecher.

vmd

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  • "Es hilft Gewalt nur ... Troll – 22.08.09
    ... wo Gewalt herrscht!" (Brecht)
    Claus von Stauffenberg, Henning von Tresckow und andere Wehrmachtsoffiziere im Widerstand verdienen unseren Respekt, weil sie es auf sich genommen haben, "dem Rad in die Speichen" zu treten, um ein Wort von Dietrich Bonhoeffer abzuwandeln. Denn alles andere versprach keinen wirklichen Erfolg. Welches politische Konzept die verhinderten Umstürzler für die Zeit nach einem erfolgreichen Attentat hatten, steht dahin. Stauffenberg war mit Sicherheit kein Patentdemokrat. Goerdeler träumte von einer konstitutionellen Monarchie unter den Hohenzollern. Leuschner tendierte zu einer sozialistischen Ordnung in Anlehnung an die Sowjetunion, wenngleich deren Kooperation mit Hitler im Sommer 1939 den Krieg erst möglich gemacht hat. In einem waren sich die Beteiligten aber einig: sie wollten den Krieg beenden, der bis zum Mai 1945 allein in Deutschland noch über 2 Millionen Tote gefordert hat. Auch ein Georg Elser verdient unseren Respekt; er wollte Hitler schon 1938 allein mit einer Bombe in die Luft jagen, weil er an einen wirksamen Massenwiderstand in Deutschland nicht glauben wollte. Die Geschwister Scholl, wirkliche Pazifisten, haben versucht, einen solchen Widerstand mit ihren Flugblatt- und Briefaktionen zu initiieren. Daraus ist bekanntlich nichts geworden, obwohl die Alliierten ihre Texte millionenfach über Deutschland abgeworfen haben. Es blieb nur die Gewaltlösung eines Staatsstreiches durch die Uniform- und Waffenträger, die erkannt hatten, spät genug, dass da, wo der Dienst am Staat ein Verbrechen darstellt, Widerstand zur Pflicht wird.
    Aber, was ist umgekehrt mit den Soldaten der Alliierten? War es nicht notwendig, dass Deutschland militärisch (!) besiegt wurde, dass Churchill schon 1940 erklärte: "We shall fight ... we shall never surrender!"? Ich habe großen Respekt vor einer Einstellung der prinzipiellen Gewaltlosigkeit, aber es gibt Konflikte, die ausgefochten werden müssen, weil einseitiger Gewaltverzicht den Aggressor immer nur zu neuen Pressionen ermutigt - siehe die Vorgeschichte des 2. Weltkrieges. Wer heute gegen die Bundeswehr demonstriert, nimmt ein demokratisches Grundrecht in Anspruch, das ohne die Bereitschaft zur Verteidigung der Demokratie, auch durch Anwendung militärischer Gewaltmittel, gar nicht bestehen würde. Ich schreibe das als früherer Bewohner West-Berlins, dessen politische Freiheit zwischen 1945 und 1989 doch wohl allein auf der Anwesenheit der alliierten Truppen in der Stadt beruhte. Da sollte sich niemand die geringsten Illusionen machen! Das Militär per se stellt also noch keine verbrecherische Institution dar; unter Umständen - siehe West-Berlin - kann es durchaus notwendig sein, seine Verteidigungsbereitschaft glaubwürdig unter Beweis zu stellen, am besten durch die Präsenz effektiver Streitkräfte. Ein anderer Fall ist für mich Afghanistan, denn es fällt mir schwer, den Hindukusch als eine deutsche Verteidigungslinie zu betrachten. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Immer aber gilt das Primat der Politik. Sie entscheidet letztlich, welche ihrer Ziele sie mit Waffengewalt verfolgen will. Denn: "Krieg ist die Fortsetzung der Politik unter Anwendung besonderer Mittel." (Clausewitz) Daran hat sich auch in der Demokratie nichts geändert. Aber wir können am 27. September - auch ohne die Tatkraft eines Grafen von Stauffenberg - den Kommandeur austauschen, wenn wir wollen ...
  • @ Troll Hans Meier – 21.08.09
    "Aber: Eine Geschichtsschreibung, die auf einer völlig undifferenzierten Negativzeichnung alles Militärischen zielt, wird der Historie einfach nicht gerecht. Wie sollte man dann eine Figur wie Stauffenberg bewerten, der sich als Berufssoldat an allen Fronten ausgezeichnet hat, bevor er zum geschworenen Todfeind der NS-Diktatur (nicht aber zu einem Pazifisten!) wurde?"
    Warum werden Offiziere, die keine Demokraten waren sondern nur eine andere Militärregierung in Deutschland errichtet hätten, in der Bundesrepublik Deuschland als Widerstandshelden gefeiert?
  • Was die schreiben ...? Steppke – 20.08.09
    "Ich bin gegen den Krieg! Also hab' ich auch das Recht auf Van ..., äh, Randale!" Mehr kann es ja wohl nicht sein! Wie wär's wenn die "Aktivisten" sich auf das Schreiben beschränken würden? Ich empfehle: Argumentieren statt Rumschmieren!
  • Lest doch erstmal was die selber schreiben! egal – 20.08.09
    An die Leute, die sich über die Aktion aufregen, lest doch erstmal was die selber dazu sagen und entkräftet das wenn ihr könnt.

    http://antimilitarismus.blogsport.de/2009/08/18/8-soldatendenkmaeler-rosa-angemalt/
  • "Alles ist richtig - auch das Gegenteil" (Tucholsky) Troll – 20.08.09
    Krieg ist befohlener (!) Mord und Totschlag, da will ich Tucholsky gar nicht widersprechen (und auch die Bundeswehr hat sich nie mit rechtlichen Mitteln gegen den Gebrauch seiner Zitate gewehrt). Die Tragik der zurückliegenden Jahrhunderte bestand einfach darin, dass der Krieg von den Gewalthabern stets als probates Mittel der Politik betrachtet wurde und man den Menschen auch immer wieder erfolgreich eingeredet hat, es gäbe vertretbare Gründe, die ihn legitimieren. Eine populäre Losung im ersten Weltkrieg lautete etwa: "Dieser Krieg wird alle Kriege beenden!" Wir wissen - aus der Retrospektive -, dass es anders gekommen ist. Aber für die Zeitgenossen war die Zukunft natürlich noch offen. Warum sollen sie nicht daran geglaubt haben, einer "guten und gerechten Sache" zu dienen? Daraus ist dann millionenfach eine persönliche Tragik geworden, und daran sollten wir ruhig Anteil nehmen. Richtig scheint mir: Unsere Erinnerungskultur ist noch stark entwicklungsbedürftig und sicher auch unausgewogen, obwohl da ja schon einiges in Bewegung gekommen ist. Aber: Eine Geschichtsschreibung, die auf einer völlig undifferenzierten Negativzeichnung alles Militärischen zielt, wird der Historie einfach nicht gerecht. Wie sollte man dann eine Figur wie Stauffenberg bewerten, der sich als Berufssoldat an allen Fronten ausgezeichnet hat, bevor er zum geschworenen Todfeind der NS-Diktatur (nicht aber zu einem Pazifisten!) wurde?
    Ich bleibe dabei: In der Dunkelheit ein Denkmal zu beschädigen, ist weder mutig noch besonders geistreich. Vor allem ist es nicht überzeugend, und zwar aus dem gleichen Grund, den die Sympathisanten solcher Aktionen stets betonen: Ikonoklasmus ist schlichtweg ein Akt der Gewalt (!!!), gegen deren Anwendung doch vorgeblich protestiert wird. Wie soll mich das überzeugen? Politischer Fanatismus überzeugt nicht, er stößt ab!
  • an den autor von Gekämpft und gefallen - für die falschen Ideale weltenbummler – 20.08.09
    Es gilt ein kriegsverneinendes bewusstsein zu etablieren. Gerade weil die einteilung in "gut und "schlecht" von Faktoren abhängt, die sich zum Beispiel durch ein Systemwechsel grundlegend verändern.

    Zu behaupten wir lebten jetzt in einer art Endzeit ohne Veränderung und mit einem festen Wertekatalog ist eine untragbar. Zu behaupten die jetzigen Bundeswehreinsätze wären legitim ist beschränkt auf die Wahrnehmung die in diesem Staat, mit diesen Medien, den hier herrschenden Werten, usw. bei den Bürgern entsteht. Nun frage ich: reflektiert jemand sein Bedauern um Bundeswehrsoldaten/getötete Afghanen?
  • Denn sie wussten ja nicht was sie taten Kurt Tucholsky – 20.08.09
    Natürlich kann es sein, dass einige leute damals verführt wurden, aber merkwürdiger weise gibt es hier nur denkmäler für sie, und sie werden auf ihnen auch noch als helden bezeichnet. Somit lässt ein KRIEGSdenkmal keinen kritischen umgang mit diesem thema zu. Ausserdem wo sind hier denn die Denkmäler für die leute die damals aktiv widerstand leisteten, die desateure, die partisanen, oder einbfach nur die leute die die kriege damals sabotierten. Diese leute scheinen heute immer noch verschmäht, wogegen soldaten die mord folter und raub in andere länder brachten hier als helden denkmäler bekommen... verdrehte welt
  • Gekämpft und gefallen - für die falschen Ideale Troll – 20.08.09
    Kennt ihr den Film "Die Brücke" von Bernhard Wicki? Für mich ist dieser mit einem absoluten Schmalspur-Budget gedrehte Streifen von 1959 noch immer der eindrucksvollste Antikriegs-Film überhaupt. Er erzählt die Geschichte von ein paar Schuljungen, die in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges, er ist für Deutschland längst verloren, zur Wehrmacht eingezogen werden und ihrem Gestellungsbefehl voller Begeisterung folgen. Sie wollen ihr Vaterland "verteidigen", seine Menschen "schützen" und freuen sich auch ein wenig auf das "Abenteuer" des Krieges, das sie aus einem trostlosen Schulalltag reißt. Sie glauben an das, was ihnen ihr Deutschlehrer beigebracht hat, haben Hölderlin gelesen, "Der Tod fürs Vaterland": 'Die Schlacht|Ist unser!|Lebe droben, o Vaterland,| Und zähle nicht die Toten! Dir ist,|Liebes! nicht Einer zu viel gefallen.' Und genau das geschieht dann leider auch mit ihnen!
    Uns kommt das heute - natürlich - völlig blödsinnig vor, aber wir, die wir die Geschichte nur aus der Retrospektive kennen, die uns ein sicheres Urteil über 'Gut' und 'Böse' und das 'Vorher' und 'Nachher' fällen lässt, können die jungen Soldaten des ersten und des zweiten Weltkriegs nicht dafür verurteilen, dass ihnen lange und sehr nachdrücklich die falschen Ideale eingeredet worden sind. Das wäre unsachlich und unfair! Jedes Kriegerdenk(noch-)mal und jeder Soldatenfriedhof ist ein Mahnruf an uns und die zukünftigen Generationen: Sucht euch ein paar schöne Ideale, aber lasst euch keine Lügen mehr erzählen, lasst euch nicht verheizen - noch dazu für eine denkbar schlechte Sache!
    Deshalb, aber auch aus Respekt vor den Toten: Lasst die Denkmäler stehen, wo sie sind und wie sie sind. Sie sind geschichtliche Dokumente. "Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will." (Heinrich Heine)
  • Hmm gegner – 20.08.09
    also ich weiß ja nicht wie du denkst
    Wir selber Wissen auch das nicht alle freiwillig in den Krieg gezogen sid.
    Doch wieviele haben es doch freiwllig getan??
    Das liegt ja wohl prozentual höher als alles andere.
    Würden sich unsere geehrten Herren und Damen von Militär und Politik sich auch mal anhören warum wieso und weshalb es Leute gibt die gegen Krieg etc sind würden sie es vllt auch verstehen.
    Doch da diese Damen und Herren einfach nur die Dollarzeichen im Gesicht haben sind sie in meinen Augen einfach nicht in der LAge sich mal gute Gegenargumente anzuhören da sie Wissen das wir recht haben.

    Weg mit der Kriegsmaschinerie
  • @Suppi Kotz – 19.08.09
    Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht.
  • @ Großartig BHFzombie – 19.08.09
    "...vergangenen, unfriedlichen Zeiten..."

    Dies ist auch eine sehr schöne Bezeichnung für zwei Weltkriege, die Deutschland begonnen hat, und in der Millionen von Menschen starben
  • antwort auf weltenbummler – 19.08.09
    hinter einer Formulierung wie "niemals vergessen" steht eine plumpe vereinfachung. so geht es doch um das bemalen soldatenglorifizierender Denkmäler.
    Also: 1.sind Soldaten in den Krieg gezogen
    2. glorifizieren diese denkmähler.

    würde es sich bei den Denkmählern um menschen handeln (unbewaffnete) und die glorifizierung in mahnende Erinnerung (z.B Mahnung zu Selbstverantwortung,Friede und Widerstand) verkehrt, könnte ich ein "niemals vergessen" gut verstehen.
    Doch so drängt sich mir ein Bild übler Geschichtsverdrehung auf.

    Statt an Heldengedenken zu appelliern scheint es mir ratsam, mal zuzuhören was da eigentlich die Kritik an Militär ist.
  • Biwak-Gegner Suppi – 19.08.09
    Dieser Kommentar wurde von der HAZ.de-Redaktion gelöscht.
  • Niemals vergessen Me myself and I – 19.08.09
    Diese Soldaten des ersten und zweiten Weltkrieges waren zum Großteil ganz normale Menschen, die gegen ihren Willen zum Militär eingezogen wurden. Diesen nicht mehr zu gedenken hieße die beiden Weltkriege und ihre Folgen zu vergessen. Das darf niemals geschehen Zur geschichtlichen Weiterbildung empfehle ich mal "Im Westen nichts Neues" von Remarque und "Das geduldige Fleisch" von Willi Heinrich oder "Die Abenteuer des Werner Holt" von Dieter Noll
  • Narrenhände beschmieren Tisch und Wände Me Myself and I – 19.08.09
    Liebe Biwakgegner,

    schaltet doch einfach mal euer Hirn ein und denkt daran, dass diese Denkmäler auch zu Ehren derjenigen gefallenen Soldaten stehen, die nicht freiwillig in diese Kriege gezogen sind und auch keinerlei Möglichkeiten der "Kriegsdienst-verweigerung" hatten, weil sie nämlich sonst als Deserteure zum Tode verurteilt worden wären.
    Arme, verblendete Wohlstands- und Salonsozialisten, ihr werdet es nie lernen zu verifizieren!!!!!
  • @Troll antimilitarist – 19.08.09
    Ich denke schon, dass diese Denkmäler für unkritischen Patriotismus und einen törichten Heldenkult stehen! Ein Denkmal zu zerstören darf nicht die Hauptbeschäftigung sein, aber man sollte doch trotzdem die Kritik anerkennen und nicht Soldaten aus dem 1. oder gar aus dem 2. Weltkrieg nachtrauern. Es ist meiner Meinung nach sogar notwendig sich dem Militär entgegen zu stellen!
  • Kann mich Vorredner nur anschließen gozz – 19.08.09
    Angeblich gegen Gewalt zu sein und auf der anderen Seite selber nichts besseres zu Wege zu bringen, ist doch ziemlich arm!
  • Großartig! Troll – 19.08.09
    Die mutigen "Bekenner" beweisen nur ihre eigene Geschichtslosigkeit. Der einsame Ulan in der Eilenriede und andere Merkzeichen aus vergangenen, unfriedlichen Zeiten standen doch längst nicht mehr für unkritischen Patriotismus oder einen törichten Heldenkult. Sie gehören aber unzweifelhaft zur Geschichte der Stadt. Man kann ja durchaus gegen militärische Gewalt eintreten. Die Verunstaltung oder gar Zerstörung öffentlichen Eigentums ist aber doch selbst wohl auch ein Akt der Gewalt und macht jeden Protest unglaubwürdig! Aber macht nur so weiter, es gibt noch viel zu tun. Über ganz Europa verteilt liegen Soldatenfriedhöfe, die nach "politisch" motivierter Verschandelung schreien!

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