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Aus der Stadt „Ich gehe mit Wehmut raus“
Hannover Aus der Stadt „Ich gehe mit Wehmut raus“
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00:21 01.01.2016
Von Uwe Janssen
Morgen noch mal kommen, dann gehen: Bodo Linnemann vor seinem Casa Blanca. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Morgen um 19 Uhr ist Schluss. Wenigstens für ihn. „Wenn meine Barkeeper noch bis 22 Uhr weitermachen wollen, darauf lasse ich mich ein. Aber dann muss Schluss sein, um 0 Uhr gehört mir der Laden ja nicht mehr.“ Der Laden ist das Casa Blanca am Weißekreuzplatz, diese Kneipenbarnachtclubdisco mit ihrem frivolen Charme. Und so emotionslos, wie Bodo Linnemann das nach 37 Jahren sagt, ist dieser Abschied von einem Stück hannoverscher Gastro-Geschichte nicht. „Einerseits werde ich 75, Raucherei, Trinkerei, ab und zu noch ’n paar andere Dummheiten – ist schon besser so. Aber ich gehe mit Wehmut raus, der Rummel wird mir fehlen.“

Er wäre wohl kein guter hannoverscher Kneipier und vor allem nicht Bodo Linnemann, wenn er nicht sofort zu einem Loblied auf die guten alten Tage anheben würde, die Siebziger und Achtziger vor allem. „Die Glanzzeiten sind vorbei. Damals war noch Geld da, es gab keinen Mindestlohn, jeder hatte Kohle. Und da gab es noch Originale! Heute gibt’s doch kaum noch witzige Typen! Geh doch mal ins Zaza. Da ist keiner über 22! Oder in die Großraumdisco! Ich war noch nie in ’ner Großraumdisco.“

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Bodo Linnemann stellt in seiner Bar "Casa Blanca" sein neues Buch "Bellini-Girls vor.

Linnemann versuchte es 1978 mit einer Kleinraumdisco. Mit einer Kleinstraumdisco. Was heute eigentlich prima in die Clubkultur mit ihren intimen Größen passt, war damals etwas Besonderes. Und der Zeremonienmeister erst recht. Linnemann, der Lebemann, brachte Lässigkeit in die nicht gerade als Zentrum der Coolness verschriene Niedersachsen-Kapitale.

Das lockte nachtaktives Partyvolk an, gute Leute, wie Linnemann sagt, aber  „auch ein paar Drecksäcke. Wobei ich Drecksäcke liebevoll meine“. Beschwerden über laute Feiern habe es kaum gegeben, auch Handgreiflichkeiten selten. Was auch an Linnemanns lebensfreudiger Philosophie gelegen haben mag: „Wenn jemand mir erzählte, dass im Bierkeller oder in der Damentoilette Leute Sex hatten, habe ich immer gesagt: ,Lass sie mal machen, ist besser als ’ne Schlägerei.‘“ 

Nicht nur deshalb zog das Casa Blanca auch reihenweise prominente Besucher an. Udo Jürgens, Herbert Grönemeyer und die Scorpions schauten rein, aber auch internationale Gäste wie James Blunt, Grace Jones („Das war der Hammer!“) – oder („Auch ’n Hammer!“) Keith Richards, 1982, vor dem legendären Stones-Konzert im Niedersachsen-Stadion. „Der saß hier in der Ecke, hatte sein Stirnband um und hat zwei Jack-Daniel’s-Cola getrunken.“ Linnemann passte auf, dass den Gast niemand belästigt, und – ganz wichtig – „ich habe zum Discjockey gesagt: ,keine Stones spielen!‘“. Nein, falsch, Linnemann sagt nicht „keine“, er sagt „kaaane“. Wie es sich für einen Hannoveraner gehört.

Kaaane Knaape mehr

Nun hat er also kaaane Knaape mehr, die Räumlichkeiten übernimmt der benachbarte Restaurantchef Eckhard Reimann, der aber eine kleine Erinnerungsecke in seinem „Reimann’s Eck“ für seinen langjährigen Nebenmann gestalten wird. Ansonsten hat Linnemann die Einrichtung des Casa Blanca bis auf ein Schild („Das behalte ich!“) schon komplett verkauft, zumeist in die Hände nostalgischer Menschen von der anderen Seite des Tresens. Viele Gäste seien  über die Jahre zu Freunden geworden. Gut ein Dutzend seien sogar die vollen 37 Jahre mitgegangen, schätzt der Gastronom.

Übermorgen wird nun also Tag eins im neuen Leben des Bodo Linnemann sein. Nach Gehrden zieht er, zu seiner jüngeren Freundin, „die hat da ein schönes Haus mit Garten und allem Pipapo“. Und ein bisschen reisen. Ob das auf Dauer was für ihn ist, wird sich zeigen. „Meine Freundin hat schon gesagt: ,Bodo, wenn du dich nicht wohlfühlst, ziehen wir nach Hannover.‘“ 

Zunächst wird er sich einer Hörbuchfassung seiner Biografie widmen und sie selbst einsprechen, was jeder, der seine Stimme kennt, nur befürworten kann. So ganz aus dem hannoverschen Nachtleben wird er ohnehin nicht verschwinden. „So zwei-, dreimal die Woche vielleicht“ werde er sich irgendwo blicken lassen. Angebote für Casa-Blanca-Revivalpartys gibt es schon. „Da bin ich natürlich voll dabei.“ 

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