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Boehringer-Besetzer laden zum Brunch

Impfstoffhersteller Boehringer-Besetzer laden zum Brunch

Sie wollen zur festen Adresse werden: Die Besetzer des Boehringer-Geländes haben einen Briefkasten aufgestellt – und ganz korrekt Straße und Postleitzahl darauf vermerkt.

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Gemeinsame Ziele: Werner Korhammer (rechts) und Besetzer Faulco.

Quelle: Martin Steiner

Der Briefträger ist allerdings noch nicht auf dem Brachgrundstück in Kirchrode vorbeigekommen. Eine zu Testzwecken verschickte Postkarte ist bisher nicht eingetroffen. Doch die Tierschutzaktivisten, die seit anderthalb Wochen im Zeltlager kampieren, haben Geduld. In Kelsterbach bei Frankfurt habe die Besetzung gegen die Flughafenerweiterung ein Dreivierteljahr gedauert, berichtet Aktivist Faulco, der dabei war. „Und irgendwann kam dann auch die Post bei uns an.“

Dass Impfstoffhersteller Boehringer die ungebetenen Gäste ähnlich lange auf seinem Grundstück dulden wird, glauben diese selber nicht. Gleichwohl haben sich die 30 bis 40 jungen Leute, die zum harten Kern gehören, immer mehr Utensilien für ein auf längere Zeit angelegtes Freiluft-Quartier beschafft. Ein Küchenzelt samt Gasherd gehört ebenso dazu wie eine Waschstation mit Großkanistern, eine abenteuerliche Holzkonstruktion, die als Solar-Kühlschrank fungieren soll, und eine Art Gemeinschaftswohnzimmer mit ausrangierten Sofas. Auch ein Mini-Teich und ein Blumenbeet sind in Arbeit. Die Protestler zeigen ihr Wohnumfeld gerne vor: Am Sonntag hatten sie Anwohner zum veganen Brunch eingeladen – mit Gurkensalat und Apfel-Johannisbeerkuchen.

Etliche Kirchröder, die gestern vorbeischauten, waren nicht zum ersten Mal vor Ort. „Wir bringen hier regelmäßig Lebensmittel vorbei und fragen, was sonst noch gebraucht wird“, sagt etwa Sabine Wedekind. Sie und ihr Mann Ulrich gehören zu der Bürgerinitiative (BI), die das in ihrer Nachbarschaft geplante Impfstoffzentrum samt Versuchstierställen auf dem Rechtsweg verhindern will. „Es ist wirklich beeindruckend, was die jungen Leute in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben“, meint Nachbarin Johanna Lattermann. Die öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Besetzer nutzen schließlich auch dem Anliegen der Anwohner.

Gestern setzten sich Familie Wedekind und Johanna Lattermann im Schneidersitz mit in die Runde der Besetzer, man aß und diskutierte. So weit gehen, aus Solidarität auf dem Gelände zu übernachten, würden die Kirchröder aber nicht. Dafür zeigten sie Interesse an den diversen Workshops, die die Aktivisten anbieten – vom Tierrecht bis zur Wildkräuterzucht. Auch der 83-jährige Werner Korhammer, der sich erstmals ein Bild von der Lage machte, hält eine „vernünftige Zusammenarbeit“ mit den Besetzern für möglich. „Das ist mutig, sich hier einzunisten“, lobt der Senior. Etwas Geld habe er auch schon beiseite gelegt – um einen Beitrag zu den Prozesskosten für die Klage zu leisten, die die BI gegen Boehringer vorbereitet.

Immer größer wird offenbar der Kreis derjenigen, die aus verschiedenen Regionen Deutschlands anreisen, um die hannoversche Gruppe zeitweise zu unterstützen. Besonders stark sind derzeit die Ostfriesen vertreten. „Am Wochenende sind einige Freunde nachgekommen“, sagt Faulco, der in Emden zu Hause ist. Und auch eine ganz junge Besetzerin von der Küste war dabei: Die zweijährige Luise schaukelte fröhlich in der alten Eiche auf dem Gelände.

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  • Kommentar eines MA bei Boeringer Sabine Israel – 18.06.10 Ich kann ja verstehen, dass gerade mit einem solchen Konzern auch Arbeitsplätze verbunden sind und auch geschaffen werden. Aber ist es nicht zu blauäugig, zu behaupten, dass derartige Tierversuche zu irgendeinem wissenschaftlich fundierten auf den Menschen zu übertragenden Ergebnis führen würden? Wir wissen doch aus der Geschichte der Medizin, Wissenschaft als solches, genügend Beispiele, die genau DAS widerlegen. Die damit verbundenen Arbeitsplaätze könnten auch in der Lebensmittelindustrie FÜR DIE VERBRAUCHER eingesetzt werden, anstatt gegen sie. Letztlich werden die Ergebnisse alle Menschen betreffen, gleichermaßen schädigen und vor den Mitarbeitern eines solchen Unternehmens keinen Halt machen. Und dann ist das Geplärre groß, wenn einer oder gar mehrere Mitarbeiter mit Schäden aus dem Unternehmen ausscheidet (wie auch immer: krank oder tod). Schadenersatzansprüche dieser Mitarbeiter mit derartiger Meinung sollten von vornherein schriftlich ausgeschlossen werden. Ich bin gesoannt, wie viele Arbeitsuchende mit einem gesunden Menschenverstand und Überlebenswille dann noch bei einem Unternehmen wie Boeringer arbeiten würde. Überleben per Gehaltsscheck ist eine Sache - Gesund bleiben und Überleben eine andere.
    Sabine Israel, Schwerbehindertenvertreterin
  • Mehr Sachlichkeit erwünscht M.G. – 15.07.09 Es ist richtig und wichtig, Dinge kritisch zu betrachten und zu hinterfragen, das tue ich auch. Ich selbst finde es sehr beeindruckend, dass es Menschen gibt, die bereit sind, sich für ihre Interessen so tatkräftig einzusetzen. Wobei sie das in dieser Form - wohlbemerkt - auch nur deshalb können, weil Boehringer das toleriert. Da würde manches Unternehmen ganz schnell ganz anders reagieren! Dioxinvergiftung und den Bau eines Tierimpfstoffzentrums in einen Topf zu werfen, das nenne ich Stammtischparolen verbreiten. So etwas verhindert nur eine sachliche Diskussion.
  • @ L.S. Hans Kessler – 13.07.09 Es ist ja schön, hier Kommentare von von Beohringer bezahlen Jubelpersern zu lesen, aber mit einer solchen Blauäugigkeit ist mir lange niemand begegnet. Es sein an die Dioxinvergiftungen in Hamburg-Moorfleet durch eine Fabrik von Beohringer erinnert - und das ist nur ein Beispiel, dass man lieber etwas kritischer mit den Plänen dieses Unternehmens umgehen sollte.
    Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...
  • Einfach lächerlich L. S. – 13.07.09 Ich finde die ganze Aktion der Besetzter und den Widerstand der Bürger einfach lächerlich. Lieber sollten diese sich mit der Firma Boehringer auseinandersetzen und froh und glücklich sein, dass der beste Arbeitgeber Deutschlands im Norden Arbeitsplätze schaffen möchte, von denen es ja soviele nicht gibt.

    Die Firmenkultur und die Glaubwürdigkeit dieser Firma ist so hervorragend, dass jeder sich nur wünschen kann, bei dieser Firma beschäftigt zu sein. Ich bin seit 35 Jahren im Stammhaus Ingelheim tätig und bin sehr stolz darauf.
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