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Boehringer-Gegner lassen nicht locker

Proteste Boehringer-Gegner lassen nicht locker

Geländebesetzer, Bürgerinitiative, Tierschutzorganisationen: Die Front der Anti-Boehringer-Aktivisten ist bunt und vielfältig. Ein Überblick.

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Der Protest der Tierschutzaktivisten geht weiter.

Es ist wieder ruhig geworden auf dem von Tierschützern besetzten Gelände der Firma Boehringer. Einen Tag nachdem die Polizei das ehemalige Kleingarten-Areal an der Bemeroder Straße im Zusammenhang mit Farbschmierereien am Haus des Oberbürgermeisters durchkämmt hat, ist von dem Großaufgebot vom Dienstag nur ein Streifenwagen übrig geblieben. Dafür hat sich die Zahl der Anti-Boehringer-Aktivisten auf dem Gelände nach dem Polizeieinsatz mehr als verdoppelt. 50 Besetzer, allesamt Schüler, Studenten und andere junge Leute, hielten sich am Mittwoch auf der brachliegenden Fläche auf. Sie verstehen sich als loser Zusammenschluss von Tierbefreiern und Ökoaktivisten, fühlen sich keiner Organisation zugehörig. Nach eigenen Angaben stammen die meisten von ihnen aus der Region Hannover.

In der Nacht zum 2. Juli hatten sie ihre Zelte zwischen uralten Eichen und eingefallenen Schrebergartenhäuschen aufgeschlagen. Mit Duldung des Pharmakonzerns, der in Kirchrode ein „Zentrum für die Erforschung von Schweineimpfstoffen“ plant, haben sich die jungen Leute inzwischen nett eingerichtet. Sie haben die Häuser bunt angestrichen und Hängematten vor den Eingängen befestigt. Ein großes Küchenzelt, in dem der Müll strikt getrennt wird, wurde aufgebaut. Und um auf der riesigen Grünfläche die Orientierung nicht zu verlieren, hat selbst der kleinste Trampelpfad einen Namen samt Straßenschild bekommen. Die Aktivisten wollen das Areal so lange wie möglich besetzt halten. „Wir werden nicht freiwillig unsere Sachen packen und gehen“, sagte der 27-jährige Luis, einer der Tierschützer. Die Boehringer-Besetzer sind nicht die Einzigen, die gegen die Pläne des Pharmraunternehmens protestieren.

Die Bürgerinitiative: Vor mehr als einem Jahr wurde die „Bürgerinitiative gegen Massentierversuche in Wohngebieten e. V.“ ins Leben gerufen. Sie prangern vor allem das Gefahrenpotenzial der geplanten Anlage an. „Wie jede Forschungs- und Industrieanlage birgt auch diese Anlage ein Störfallrisiko, dem die Bevölkerung völlig überflüssigerweise ausgesetzt wird. Kein vernünftiger Mensch baut eine derartige Anlage in einem Wohngebiet“, heißt es auf der Internetseite der Initiative. Jeden Mittwoch versammeln sich rund 30 Mitglieder, darunter Lehrer, Anwälte und Politiker, in der Gaststätte „Alte Hahnenburg“, nur wenige Hundert Meter von dem geplanten Forschungszentrum entfernt. Klaus Neudahm, der gleichzeitig der Vorsitzender der Wählergemeinschaft „Wir für Hannover“ (WfH) ist, ist einer der Sprecher der Initiative. Mehrfach hatte er auch Oberbürgermeister Stephan Weil scharf angegriffen. Weil müsse Pläne, Hannover zur Schweinehauptstadt zu machen, aufgeben, hatte er in einem offenen Brief an den Rathauschef gefordert. Bislang hat der Verein nach eigenen Angaben 7000 Unterschriften von Anwohnern gegen den Bau des Impfstoffzentrums gesammelt.

Weitere Gruppen: Im Internet rufen weitere Gruppierungen dazu auf, gegen das Bauvorhaben der Firma Boehringer vorzugehen. Neben den Aktivisten von „Vegane Linke“ und „Green Action“ unterstützt auch der Verein „Meine Stimme für Tiere“ den Protest. Im Netz haben sie eine Erklärung zu dem Farbanschlag auf das Haus des Oberbürgermeisters veröffentlicht. Darin heißt es: „Stephan Weil beschwert sich über lächerlichen Schaden an seinem Haus, verharmlost aber permanent seine unethische Bereitschaft, unzählige Schweine für sinnlose Tierversuche zu opfern.“ Mitglieder dieser Gruppe waren vor einigen Wochen in die Schlagzeilen geraten, weil sie sechs Tage lang vor einem Modegeschäft in Kirchrode demonstrierten, weil dort angeblich Pelzmäntel verkauft werden.

Von Tobias Morchner

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