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Tierlabor

Boehringer beginnt mit Bauarbeiten in Kirchrode


Der Baubeginn für das umstrittene Tierversuchslabor von Boehringer in Hannover steht offenbar unmittelbar bevor. Ein Sprecher des staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes sagte am Montag, die gentechnische Genehmigung werde „in Kürze“ erteilt.
Wochenlang war das Gelände von Demonstranten besetzt.

Wochenlang war das Gelände von Demonstranten besetzt.

© Michael Thomas (Archiv)

Auch die Freigabe der städtischen Baugenehmigung steht nach Angaben eines Sprechers unmittelbar bevor. Der Pharmakonzern Boehringer plant, am Rande Kirchrodes für 40 Millionen Euro ein Tierversuchslabor zu bauen, in dem an Schweinen Impfstoffe erforscht werden sollen.

Das Pharmaunternehmen hat es offenbar eilig: Die vorbereitenden Arbeiten haben bereits begonnen. Sobald beide Genehmigungen vorliegen, sollen die Bauarbeiten starten, teilte Unternehmenssprecherin Eva Freitag mit. Ende 2011 soll das Gebäude fertig sein, 2012 soll der Forschungsbetrieb beginnen. Derzeit laufen hinter dem mit Stacheldraht gesicherten Stahlzaun Kanalerschließungsarbeiten. Zudem wird eine Baustraße angelegt. Ein Wachmann sichert den Zutritt zum Gelände.

Boehringer hat sich für mögliche Proteste gewappnet. Der Wachdienst, der bereits jetzt den Zugang zum Gelände kontrolliert, wird auch in der Bauzeit rund um die Uhr das Grundstück überwachen. Auch die Polizei ist auf mögliche Proteste vorbereitet. Zwar gebe man über die Einsatzplanung generell keine Auskunft, meinte Sprecherin Christine Zeitz: „Wir sind aber jederzeit auf Aktionen und Störungen eingestellt.“ Eine Gruppe radikaler Tierschützer hatte das Baugelände im vorigen August wochenlang besetzt gehalten. Sechs von ihnen müssen sich derzeit vom dem Amtsgericht wegen Landfriedensbruchs und Sachbeschädigung verantworten.

Bereits vor einiger Zeit hatten zwei Anwohner vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg eine Normenkontrollklage gegen das Tierversuchszentrum eingereicht. Der Verwaltungsrechtsexperte Eckhard David, der die protestierenden Anwohner vertritt, weiß noch nicht, ob er gegen die Baugenehmigung vor dem Verwaltungsgericht klagt. „Es muss nicht unbedingt sinnvoll sein, den Bau der Anlage zu verhindern“, meinte er. „Wenn wir am Ende recht behalten, hat Boehringer seine Investitionen in den Sand gesetzt.“

Die Klage der Anwohner stützt sich auf ein Gutachten. Dessen Ergebnis: Boehringer darf nicht in direkter Nähe von Wohnungen mit Krankheitserregern experimentieren. Der Gutachter rechnet mit einem Austritt von vier bis fünf Tonnen Ammoniak, die dem sowieso schon hoch belasteten Ökosystem Eilenriede schade. Der TÜV Nord stuft den Standort dagegen in einem eigenen Gutachten als unbedenklich ein.

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